Kulturrevolution: Letztes Mitglied der chinesischen Viererbande gestorben

Kulturrevolution
Letztes Mitglied der chinesischen Viererbande gestorben

Während der chinesischen Kulturrevolution, die eigentlich eine Terrorwelle war, verfolgte die berüchtigte Viererbande in China tausende von Abweichlern mit Schauprozessen. Nun ist der Tod des letzten überlebenden Mitglieds der linksradikalen KP-Führungsriege bekannt geworden.

HB PEKING. Yao Wenyuan sei bereits am 23. Dezember im Alter von 74 Jahren an den Folgen einer Diabetes gestorben, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag. Der später auch als „Killer mit einem Stift“ bezeichnete Yao galt als Propagandist der Viererbande, die von 1966 bis 1976 wütete.

Der 1931 geborene Yao läutete als Journalist in Schanghai die Kulturrevolution ein, als er auf Anordnung von Mao Tse-tungs Frau Jiang Qing ein populäres Theaterstück in Peking als Angriff auf den damaligen KP-Chef kritisierte. Später rückte er ins Politbüro auf. Nach seiner Entmachtung gestand er, auch Beweise gegen Deng Xiaoping gefälscht zu haben, der nach dem Ende der Kulturrevolution 1978 zum wichtigsten Mann in China aufstieg.

Die Narben der Kulturrevolution sind in China noch immer nicht verheilt. Nahezu jeder Stadtbewohner kann von Verwandten oder Freunden erzählen, die geschlagen, drangsaliert oder in den Selbstmord getrieben wurden. Die langjährige Gewalt ruinierte die Wirtschaft, eine ganze Generation Intellektueller wurde zur Arbeit auf dem Land gezwungen.

Einen Monat nach dem Tod Maos 1976 wurde die Viererbande - den Begriff soll Mao geprägt haben - verhaftet. Drei Jahre später leitete Deng Xiaoping die bis heute andauernde Reformphase ein. Zhang Chunqiao und Maos Witwe Jiang wurden erst zum Tode, dann zu lebenslanger Haft verurteilt. Jiang starb 1991 im Gefängnis - sie soll Selbstmord begangen haben. Zhang wurde 1998 aus Gesundheitsgründen begnadigt und freigelassen. Er starb im April des vergangenen Jahres. Ein drittes Mitglied der Viererbande, Wang Hongwen, starb 1992.

Yao wurde 1996 nach 20 Jahren Haft freigelassen. Bei seinem im Fernsehen übertragenen Prozess wurde ein Tagebucheintrag als Beweis angeführt, wo es heißt: „Warum können wir nicht ein paar konterrevolutionäre Elemente erschießen? Schließlich ist Diktatur nicht wie Blumenbinden.“

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