Kurden gegen Ankara
Droht der Türkei ein Bürgerkrieg?

Der Kurdenkonflikt eskaliert von Tag zu Tag. In den türkischen Südostprovinzen kursieren Gerüchte über eine bevorstehende Offensive des türkischen Militärs gegen die PKK. Zehntausende Menschen sind auf der Flucht.
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AthenMan kennt solche Bilder aus Syrien, Libyen und dem Irak: Zerschossene Fassaden, zerstörte und geplünderte Geschäfte, ausgebrannte Autowracks, Barrikaden auf den menschenleeren Straßen. Aber diese Bilder stammen nicht aus Kobane oder Aleppo sondern aus dem südosttürkischen Cizre. Die Kreisstadt am Ufer des Tigris, deren 133.000 Einwohner fast ausschließlich Kurden sind, gleicht in vielen Bezirken einer Geisterstadt. Die Kämpfe zwischen Rebellen der verbotenen kurdischen Guerillabewegung PKK und der türkischen Armee haben nicht nur ganze Stadtteile verwüstet. Sie treiben auch immer mehr Menschen in die Flucht.

Sie sind in ihren Autos unterwegs, vollgepackt bis aufs Dach, oder sie zwängen sich in die Überlandbusse. Wer keinen Platz mehr findet, geht zu Fuß. Sie wandern in langen Trecks über Landstraßen und Feldwege – Männer, Frauen, Kinder. Manche ziehen ihre Habseligkeiten in Rollkoffern hinter sich her, andere schleppen prall gefüllte Reisetaschen. Väter tragen ihre Kinder auf den Schultern. In Südostanatolien bahnt sich ein neues Flüchtlingsdrama an: Zehntausende Kurden fliehen aus Dörfern und kleineren Ortschaften in die Städte, aus Angst vor einer bevorstehenden Großoffensive des türkischen Militärs gegen die Rebellen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

Seit die PKK im vergangenen Sommer nach einer mehr als zweijährigen Waffenruhe den bewaffneten Kampf wieder aufnahm und die Regierung den Friedensprozess für gescheitert erklärte, gibt es fast täglich Tote durch Anschläge der Kurdenguerilla und bei Feuergefechten der Rebellen mit der Armee. In vielen Bezirken der Südosttürkei haben die örtlichen Gouverneure Ausgangssperren verhängt, die teils schon seit Wochen in Kraft sind, so in den Ortschaften Cizre, Silopi, Sirnak, in Stadtteilen von Mardin und Nusaybin sowie in Sur, einem Innenstadtbezirk der Kurdenmetropole Diyarbakir. Hier wurde am 28. November der Vorsitzende der örtlichen Anwaltskammer und prominente Menschenrechtsanwalt Tahir Elci von unbekannten Attentätern auf einer Friedenskundgebung erschossen.

Immer mehr Menschen versuchen, kurze Pausen in den Ausgangssperren zu nutzen, um in die größeren Städte oder in den Westen des Landes zu fliehen. In den Kurdenprovinzen kursieren seit Tagen Gerüchte über eine bevorstehende große Militäroperation. Viele Menschen fürchten: Das könnte der Funke sein, der einen Bürgerkrieg in Südostanatolien entfacht. Anfang dieser Woche landeten auf dem Flughafen von Sirnak mehrere Militärmaschinen, die Soldaten und Gerät brachten. Auf den Hügeln über Cizre und in der Umgebung der 45 Kilometer entfernten Provinzhauptstadt Sirnak an der Grenze zum Irak gingen gepanzerte Armeefahrzeuge in Stellung. Die Fluggesellschaft Turkish Airlines stornierte seit Dienstag alle Flüge nach Sirnak – „betriebsbedingt“, wie es offiziell heißt. Der Grenzübergang zum Irak am Fluss Habur wurde geschlossen. Am Montag hatte das Kabinett in Ankara über die Lage beraten und beschlossen, dass künftig neben der Polizei auch die Armee zur Durchsetzung der Ausgangssperren eingesetzt werden kann – ein weiterer Schritt in Richtung Kriegsrecht.

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Auch in Diyarbakir wird die Lage immer explosiver

Kommentare zu " Kurden gegen Ankara: Droht der Türkei ein Bürgerkrieg?"

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  • Zusammengefasst: Verlierer Europa! Wen würde das eigentlich wundern, wenn es anders wäre.

    Die Politiker -allen voran die Kanzlerin- und sonstigen Gläubigen, glauben....

    Okay. Das hört man sehr oft, glauben.... is nix wissen.

    Wenn nix, wieder mehr Grundstsuer, Krankenkasse. .....

    Du Arbeit, ich nix....

  • PWC: The World 2050. Verlierer, Italien, Frankreich, Russland, Deutschland....


    Deutschland muss sich ala Japan einstellen.


    Okay. Hätte mich auch nicht gewundert. Die Blödmänner der Nation bleiben.

    Sagt's euren Kindern, stellt euch ggf. darauf ein. Sind anscheinend keine dollen Zukunftsaussichten, wenn Nigeria vor Deutschland liegt. Vielleicht dann auxh im Fußball. Wen würde das alles wundern.

    Vielleicht schaffen es wir dank der vielen Gutmenschen auch 10 Jahre früher, als schon in rund 24 Jahren.

    Wer weiß dss schon alles. Vielleicht irrt sich auch Pwc mit dem schlechten Wachstum.

    Bei den Zinsen und der Altersarmut wisen wir es schon, zumindest sollten wir das.

    Wenn's kein Wachstum mehr gibt, sind dann die Rente bei rund max. 40 Prozent des letzten Nettolohnes angekommen oder Bürgerrente inflationsbereinigt dann bei 800 Euro monatlich.

    Das nennt man dann wohl als AN Zukunftperspektiven für mind. 45 Jahre tägliche Arbeit.

    Da könnte ich mir aber besseres vorstellen.

    Aktuell Augsburg 3000 Neuankömmlinge in Bay. Rundfunk. O.k. verstehe, man muss was ändern.

    Wie heisst es so schön. Nichts ändert sich, außer ich ändere was.

    Man (n) wird sich für seine Zukunft mehr Gedanken machen müssen als nur an Altersversorgung, wie unsere Eltern.






  • Ich bin jetzt schon mal empört, ob Ihres Kommentares.

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