Kurden-Proteste möglich
Irak: Nein zur Volkszählung schürt neue Konflikte

Der Irak hat eine für Oktober dieses Jahres geplante Volkszählung auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Absage durch die Regierung in Bagdad könnte die Konflikte mit den Kurden im Norden des Landes weiter verschärfen.

HB BAGDAD. Die technischen Voraussetzungen dafür seien zwar gegeben, zitierte die Bagdader Tageszeitung „Al-Sabah“ am Montag den irakischen Planungsminister Ali Baban, „doch Befürchtungen und Vorbehalte wegen der politischen Entwicklungen in Kirkuk und Mossul haben uns zu der Verschiebung veranlasst“.

Die letzte Volkszählung im Irak fand im Jahr 1987 statt, noch unter dem Diktator Saddam Hussein. Die Daten von damals gelten als veraltet, zumal Kriege, die US-Invasion, die darauffolgenden bürgerkriegsähnlichen Zustände und Vertreibungen die Zusammensetzung und gebietsmäßige Verteilung der Bevölkerung stark verändert haben.

Die Absage der Volkszählung durch die Regierung in Bagdad könnte die Konflikte mit den Kurden im Norden des Landes weiter verschärfen. Diese waren unter Saddam aus der Provinz Kirkuk und aus Teilen Mossuls massiv vertrieben worden. Die meisten von ihnen kehrten nach 2003 wieder dorthin zurück. Die Kurden wollen diese wieder von ihnen bevölkerten Gebiete ihrer Autonomieregion im Nordirak eingliedern. Die Regierung in Bagdad sträubt sich vehement dagegen, obwohl die neue irakische Verfassung diese Möglichkeit vorsieht. Die Volkszählung wäre Voraussetzung für entsprechende Volksabstimmungen in den strittigen Gebieten.

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