Kurdenkonflikt
In heikler Mission

Der Besuch des türkischen Premiers Tayyip Erdogan in Washington steht unter ungünstigen Vorzeichen. Das Verhältnis zwischen beiden Ländern ist seit langem belastet. Jetzt kommt der Streit über das richtige Vorgehen gegen die PKK-Rebellen im Nordirak hinzu.

WASHINGTON. Das Dilemma der Bush-Regierung brachte US-Unterstaatssekretär Nicholas Burns am gestrigen Donnerstag auf eine diplomatische Formel: „Wir wollen natürlich nicht, dass die Türkei ihre eigenen Militäroperationen über die Grenze hinweg startet, da es schon genug Probleme im Irak gibt.“ Dann fügte er an: „Es ist aber absolut zwingend, dass Maßnahmen ergriffen werden, um PKK-Attacken in Zukunft zu verhindern.“ Wenn der türkische Premier Recip Tayyip Erdogan am Montag in Washington eintrifft, dürfte er den US-Präsidenten noch stärker in die Bredouille bringen.

„Ich werde ihm sagen, dass wir konkrete Schritte im Kampf gegen die PKK erwarten“, legte Erdogan selbstbewusst die Tonlage für seine Begegnung mit George W. Bush fest. Und: „Ich werde auf eine Erklärung von Bush warten, wie amerikanische Waffen in die Hand der PKK kommen.“ Was Erdogan über seinen bevorstehenden Washington-Besuch sagte, war nicht freundlich. Und freundlich ist das Verhältnis der beiden Nato-Partner schon lange nicht mehr.

Vor allem der Umgang mit den Kurden im Nordirak ist ein latenter Zankapfel zwischen beiden Ländern. Für die USA sind die Kurden einer der wenigen stabilisierenden Faktoren im Irak überhaupt. Dies gilt für deren moderierenden politischen Einfluss auf die Regierung in Bagdad mit dem kurdischen Präsidenten Jalal Talabani an der Spitze. Zudem ist es ein vergleichsweise sicheres Gebiet im Norden des Iraks, das von den kurdischen Truppen und Peschmerga-Milizen zuverlässig kontrolliert wird. Daneben gibt es noch eine historische Komponente: Nach dem Golfkrieg von 1991 hatten die Kurden im Vertrauen auf US-Unterstützung einen Aufstand gegen Saddam gewagt – und wurden im Stich gelassen. Dies soll sich nicht noch einmal wiederholen.

Die Türken wiederum sehen in der Quasi-Autonomie der Kurden einen potenziellen Ausgangspunkt für einen Flächenbrand. Diese Meinung sehen sie nun durch die jüngsten blutigen Angriffe der kurdischen Arbeiterpartei PKK von nordirakischem Gebiet bestätigt. Die USA befinden sich in einer Zwickmühle: Einerseits will es sich Washington mit Ankara nicht verderben, andererseits steht es bei den Kurden im Wort.“

Für Verdruss in Ankara sorgen zudem immer wieder aufkommende Gerüchte, die USA würden die PKK-Aktivisten direkt unterstützen. Daher auch die von Erdogan aufgeworfene Frage, weshalb die PKK mit US-Waffen ausgerüstet sei. Unzufriedenheit mit Washington gibt es aber auch aus ökonomischen Gründen. So sieht sich Ankara bei der Verteilung der Aufträge zum Wiederaufbau im Irak nur ungenügend berücksichtigt.

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