Kureia drängt auf Waffenruhe
Palästinenser setzen Angriffe fort

Ungeachtet israelischer Drohungen haben militante Palästinenser ihre Angriffe auf Ziele in Israel fortgesetzt.

HB TEL AVIV. In der Grenzstadt Sderot schlugen mehrere Kleinraketen ein, die jedoch nur Sachschaden anrichteten. Auf Siedlungen im Gazastreifen feuerten Extremisten Mörsergranaten ab. Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia drängte auf eine Einhaltung der Waffenruhe. „Es ist im Interesse aller Beteiligten, die Ruhe einzuhalten“, sagte er vor Journalisten in Ramallah. Aus Hamas-Kreisen hieß es, man sei ungeachtet der neuen Gewalt an einer Rückkehr zur Waffenruhe mit Israel interessiert.

Israelische Soldaten nahmen in der Nacht zum Samstag im Westjordanland insgesamt 26 Palästinenser fest, denen eine Mitgliedschaft in radikal-islamischen Gruppierungen vorgeworfen wird. Am Freitag hatte die israelische Luftwaffe sieben Mitglieder der Hamas-Organisation gezielt getötet. Der israelische Verteidigungsminister Schaul Mofas wies die israelische Armee zudem an, sich auf eine mögliche Offensive im Gazastreifen vorzubereiten. Angesichts der neuen Ausbruchs der Gewalt kommt US-Außenministerin Condoleezza Rice Ende der kommenden Woche in die Region. Sie will beide Seiten zur Mäßigung aufrufen.

Kureia begrüßte den geplanten Besuch der Ministerin am Samstag, weil sie damit „ein Interesse an der Situation in dieser Region“ beweise. Der palästinensische Ministerpräsident warf Israel vor, es versuche, die Palästinenser in einen Bruderkrieg zu drängen. Er verurteilte die neuen gezielten Tötungen militanter Palästinenser durch die israelische Luftwaffe. Kureia kritisierte auch die gestrigen Kämpfe zwischen Hamas-Mitgliedern und der palästinensischen Polizei in der Stadt Gaza. Dabei waren zwei unbeteiligte Jugendliche getötet worden. Ein Hamas-Kämpfer starb später an seinen Verletzungen.

Der Ministerpräsident rief alle Fraktionen dazu auf, sich geschlossen hinter die Autonomiebehörde zu stellen. Nach palästinensischen Angaben wird heute eine ägyptische Delegation von Sicherheitsexperten im Gazastreifen erwartet, die zwischen Hamas und der Autonomiebehörde vermitteln und sich für eine Wiederherstellung der Ruhe in der Region einsetzen wollen. „Wir gehen durch eine Phase, die von uns allen verlangt, uns zusammenzuschließen“, sagte Kureia im Hinblick auf Israels geplanten Abzug aus dem Gazastreifen. Der Abzug sei ein wichtiger Wendepunkt. „Entweder werden wir diese Weggabelung erfolgreich hinter uns bringen, oder das gesamte Projekt wird in Gefahr gebracht“, sagte Kureia. Die Palästinenser hoffen nach der Räumung des Gazastreifens auf einen weiteren israelischen Abzug aus dem Westjordanland und die Einrichtung eines unabhängigen Palästinenserstaates.

Hamas schwört Rache

Die palästinensische Extremistenorganisation Hamas hat Vergeltungsschläge wegen der Tötung von sieben ihrer Kämpfer durch das israelische Militär angekündigt. Die jüngsten Angriffe beider Seiten stellen einen Monat vor Israels geplanten Abzug aus dem Gaza-Streifen die von den Konfliktparteien ausgerufene Waffenruhe in Frage.

„Rache, Rache“, riefen tausende Trauernde bei der Beerdigung von vier der getöteten Hamas-Mitglieder in Gaza-Stadt. „Wenn palästinensisches Blut verschüttet wird, gibt es keinen Schutz für zionistisches Blut“, sagte ein Anführer der Organisation. Israel hatte seine international vielfach kritisierte Taktik der gezielten Tötungen von Extremistenanführern wieder aufgenommen, nachdem eine israelische Frau bei einem Raketenangriff der Hamas am Donnerstag ums Leben gekommen war. Das israelische Militär daraufhin sieben Hamas-Mitglieder durch Luftangriffe getötet.

Bei Raketen-Angriffen in der Nacht auf Samstag zerstörte das israelische Militär drei Werkstätten in Gaza-Stadt und Chan Junis. Zwei Palästinenser, die in der Nähe standen, wurden verletzt. Israel zufolge stellte die radikale Hamas-Gruppe in den Werkstätten Munition her, doch Augenzeugen bestritten dies. Wenige Stunden später feuerten Palästinenser zwei Raketen auf den israelischen Ort Sderot nahe Gaza-Stadt ab. Ein Geschoss schlug in einem Innenhof eines Hauses ein, verletzte aber niemanden.

Um die brüchige Waffenruhe zu retten, will US-Außenministerin Rice außerplanmäßig in die Region fliegen. Sie werde Israelis und Palästinenser ermutigen, die Ordnung wieder herzustellen, teilte ein Sprecher von Rice in Washington mit. Die wiederaufgeflammte Gewalt könnte Israels für Mitte August geplanten Abzug aus dem Gaza-Streifen und damit die Hoffnungen auf einen Frieden in Nahost belasten. „Es gibt keine Chance für ein Friedensabkommen, so lange der Terror weiter geht“, sagte Israels Ministerpräsident Ariel Scharon im Fernsehen am Freitag. Er hat angekündigt, ab Mitte August alle 21 israelischen Siedlungen im Gaza-Streifen und vier der 120 im Westjordanland zu räumen.

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