Kurz nach dem Besuch von Tony Blair
22 Tote nach Angriff auf US-Militär im Irak

Mit Granatwerfern und Raketen haben irakische Rebellen am Dienstag einen US-Stützpunkt in Mossul angegriffen und mindestens 22 Menschen getötet.

HB MOSSUL/BAGDAD. Die Geschosse schlugen während der Mittagszeit in ein Speisezelt ein, in dem Hunderte Personen Platz finden. Kurz zuvor war der britische Premierminister Tony Blair überraschend in der irakischen Hauptstadt Bagdad eingetroffen. Dort äußerte er sich überzeugt, dass die Parlamentswahlen trotz der anhaltenden Kämpfe im Land wie geplant im Januar stattfinden können.

Der Angriff auf den vorgeschobenen US-Operationsstützpunkt Mares am Flughafen Mossul erfolgte zur Mittagszeit, wo gewöhnlich viele US-Soldaten in dem Zelt ihre Mahlzeit einnehmen. Nach Armeeangaben kamen 22 Personen ums Leben, rund 60 wurden verwundet. In Kreisen des Verteidigungsministeriums in Washington hieß es auch noch Stunden nach dem Angriff, es werde noch geprüft, wie viele der Opfer US-Soldaten seien. Auf dem Stützpunkt hielten sich auch Angehörige der irakischen Nationalgarde und Zivilbeschäftigte auf.

Im Internet wurde eine Erklärung veröffentlicht, nach der die irakische Rebellengruppe Ansar al-Sunna den Angriff ausführte. Diese Gruppe sunnitischer Moslems gehört zum Kern der Widerstandsbewegung gegen die US-Truppen und Vertreter der neuen irakischen Staatsmacht. Das US-Präsidialamt erklärte zu dem Angriff, dass die „Feinde der Freiheit“ eine Niederlage erleiden würden. Die US-Regierung hatte mehrfach davor gewarnt, dass in den Wochen vor der Wahl die Anschläge im Irak zunehmen werden.

Kurz vor dem Angriff in Mossul hatte Blair in Bagdad die Vorbereitungen der Wahlen gewürdigt und die irakischen Wahlhelfer als Helden bezeichnet. Er war mit einem Hubschrauber vom Bagdader Flughafen zum Amtssitz von Ministerpräsident Ijad Allaui im massiv gesicherten Regierungsviertel geflogen, der so genannten Grünen Zone im Stadtzentrum. Trotz der anhaltenden Gewalt werde am Zeitplan für die Wahl festgehalten, sagte Blair, der auch mit Vertretern der zentralen Wahlleitung sprach. „Ich habe ihnen gesagt, dass ich sie für die Helden des neuen Irak halte, der gerade geschaffen wird“, sagte er, „denn dies sind Menschen, die jeden Tag ihr Leben riskieren, um sicher zu stellen, dass das irakische Volk eine Chance erhält, über ihr eigenes Schicksal zu entscheiden.“ Erst am Sonntag waren drei Wahlhelfer von Rebellen getötet worden.

Blair betonte abermals, er habe keinen Zweifel, dass der Krieg zum Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein richtig gewesen sei. Den gegenwärtigen Kampf gegen die irakischen Rebellen bezeichnete er als Kampf zwischen Gut und Böse. Dieser Kampf sei Teil des Krieges gegen den Terrorismus. Der Premierminister hatte Bagdad kaum verlassen, da schlugen wieder Granaten in der Grünen Zone ein, so wie fast jeden Tag. Über Opfer wurde nichts bekannt.

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