Kurz vor Ablauf der Frist
Neues Scheinmanöver aus dem Iran

Der Iran hat im Atomstreit monatelang auf stur geschaltet: Doch jetzt erklärt Präsident Ahmadinedschad, sein Land werde der Forderung der Uno nach einem Stopp der Urananreicherung nachkommen. Gleichzeitig stellt er aber dem Rest der Welt Bedingungen, die nicht ernst genommen werden dürften.

HB TEHERAN. Der Iran ist zu einem Stopp seines Programms zur Urananreicherung bereit, um Verhandlungen aufzunehmen. Dies erklärte Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad heute in Teheran. Bedingung sei aber, dass westliche Staaten ihre eigenen Programme zur Urananreicherung ebenfalls stoppten. Sein Land habe kein Problem mit einem solchen Schritt, sofern der Westen Gleiches tue.

„Die Gerechtigkeit erfordert, dass die, die mit uns Gespräche führen wollen, ihre Programm für Brennstoffkreisläufe ebenfalls schließen. Dann können wir einen Dialog in gerechter Atmosphäre führen.“

Der Uno-Sicherheitsrat hatte der iranischen Regierung eine Frist bis Mittwoch gesetzt, die Urananreicherung einzustellen. Der Westen vermutet, dass Teheran nach Atomwaffen strebt. Der Iran betont dagegen, sein Nuklearprogramm diene allein der Energiegewinnung.

Beobachter werteten die Äußerungen Ahmadinedschads als im Vergleich zu früheren Aussagen gemäßigt. Er wolle offenbar Gespräche von Atom-Chefunterhändler Ali Laridschani mit IAEO-Chef Mohammed el Baradei in Wien nicht gefährden, bei denen dieser sich am heutigen Dienstag um eine Abwendung von Sanktionen gegen sein Land bemüht.

El Baradei sieht den Iran innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate in der Lage, zur Urananreicherung im großen Maßstab fähig zu sein. Zum Bau einer Atombombe werde der Golfstaat nach Informationen der Geheimdienste aber voraussichtlich mindestens fünf Jahre benötigen, sagte el Baradei der „Financial Times“.

Das zur Urananreicherung nötige Wissen besitze der Iran bereits, schließlich betreibe das Land seit mindestens sechs Monaten entsprechende Zentrifugen, sagte er. El Baradei zufolge kann der Iran innerhalb von Monaten insgesamt 3000 Zentrifugen installieren, wie es das Land schon angekündigt hat.

Die IAEO legt am Mittwoch einen Bericht zum Stand der iranischen Urananreicherung vor, deren Aussetzung der Uno-Sicherheitsrat fordert. Am selben Tag entscheidet das mächtigste Gremium der Staatengemeinschaft darüber, ob seine Ende Dezember verhängten Sanktionen fortgesetzt oder erweitert werden.

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