Kurzbesuch in Paris
Obama zu Gast bei Freunden

Die Polizisten wachen in ihrer Paradeuniform mit weißem Hemd und dunkler Hose über den Verkehrsfluss auf der Rue Foubourg-Saint-Honoré.. Fahnen schmücken die Mauern des Elysée-Palastes. Hunderte Schaulustige - darunter viele Farbige - drängeln sich hinter den graumetallenden Absperrgittern. Einige rufen "Yes, we can". Die "Obamania" hat auch die französische Hauptstadt erfasst.

PARIS. Bei seiner fünfstündigen Stipp-Visite wurde der US-Präsidentschaftskandidat schon fast wie ein Staatsgast empfangen. Aber eben nur fast - denn unter den Fahnen an den Mauern des Elysée fehlte die US-Flagge. Das hinderte Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy nicht daran, seinen Gast direkt von seinem Wagen - einem dunkelblauen Cadillac der US-Botschaft - abzuholen.

Diese Geste ist laut Protokoll nur solchen Gästen vorbehalten, zu denen der Staatspräsident ein besonders herzliches Verhältnis pflegt. Als "Freund" bezeichnete Sarkozy seinen US-Gast gar.



Dabei schwingt auch Kalkül mit: Denn für Sarkozy ist Obama ein echtes Geschenk. Sarkozys Liebe und Bewunderung für die Vereinigten Staaten ist vielen Franzosen suspekt. Mit Obama kann der französische Präsident nun aber einen US-Politiker präsentieren, der auch bei den Amerika-kritischen Franzosen gut ankommt. Obama selbst spielte das Spiel mit, und verpackte seine Forderungen nach einem stärkeren Engagement der Europäer bei den Krisen dieser Welt in viel Lob für Frankreich.

Bei ihrer gemeinsamen Pressekonferenz im überfüllten Festsaal des Elysée-Palastes, machte Sarkozy ohne Rücksicht auf diplomatische Verwicklungen keinen Hehl daraus, für wen sein Herz schlägt. "Ich habe Barack Obama zum ersten Mal im Herbst 2006 getroffen. Wir waren allein in einem Büro. Einer ist seitdem Präsident geworden. Der andere braucht nur das gleiche zu tun", feixt der französische Präsident unter dem Gelächter der Journalisten.

Obama nahm den Ball gekonnt auf. "Als Sarkozy damals die USA bereiste, hat er nur zwei Senatoren besucht - mich und McCain. Wenn Sie also etwas über die Wahl in Amerika wissen wollen, fragen Sie am besten den französischen Präsidenten, denn er scheint eine gute Nase zu haben."

Bei der Diskussion über die großen außenpolitischen Krisen hatte Sarkozy keine große Mühe, mit Obama die große Einigkeit zu demonstrieren. Denn Frankreich hat den Wunsch der USA und auch Obamas bereits erfüllt, und erhöht das Truppenkontigent in Afghanistan.

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