Kuwaitischer Offizier soll für Irak spioniert haben
USA ziehen Schlinge um Saddam enger

Die Amerikaner intensivieren nach dem Tod der Söhne ihre Suche nach Saddam Hussein. Sie vermuten nach Angaben des Vize-Gouverneurs von Mosul, dass sich der irkische Ex-Diktator in der nordirakischen Stadt verborgen halten könnte. Andererseits stürmten sie heute im westirakischen Falludscha ein Haus auf der Suche nach Saddam. In Bagdad sei er "unter den Augen" der Amerikaner ungehindert geflüchtet, berichtet derweil ein Leibwächter.

HB/dpa ISTANBUL/MOSUL/LONDON/BAGDAD/KAIRO/KUWAIT-STADT. Der gestürzte Machthaber verstecke sich mit Hilfe von Stämmen, an die er Geld verteile, sagte der kurdische Vize-Gouverneur Ibrahim Arafat in einem Interview, das die türkische Zeitung „Hürriyet“ am Freitag veröffentlichte. In Mosul waren am Dienstag die Saddam-Söhne Udai und Kusai bei der Erstürmung eines Hauses vom US-Militär getötet worden.

„Was Saddam angeht, ist es wahrscheinlich, dass er sich noch in Mosul aufhält“, sagte der Interviewte. Fraglich sei, wie lange er sich noch mit dem Geld versteckt halten könne. „Die Leute wollen, dass er so schnell wie möglich gefasst wird“, meinte der Vize- Gouverneur Arafat.

US-Armee zeigt Fotos der Leichen

Die US-Armee hat inzwischen mehreren Journalisten in Bagdad erlaubt, die Leichen der beiden Saddam-Söhne Udai und Kusai selbst in Augenschein zu nehmen. Damit wollte die amerikanische Regierung offenbar die letzten Zweifel am Tod der beiden am Dienstag in Mosul getöteten Männer ausräumen.

Der Korrespondent des arabischen TV-Senders El Dschasira sagte nach Betrachten der Leichen, er selbst gehe nun davon aus, dass es sich bei den Getöteten tatsächlich um die beiden Söhne des Ex-Präsidenten handele, obwohl die Leichen durch Schusswunden stark entstellt seien.

Auch nach der Veröffentlichung der Bilder hatten viele Iraker noch Zweifel an der Identität der Getöteten geäußert. Die bärtigen Männer auf den von den Amerikanern präsentierten Fotos seien nicht eindeutig als die beiden Präsidentensöhne zu erkennen, sagten sie.

Haus bei Falludscha gestürmt

Amerikanische Soldaten haben bei ihrer Suche nach Saddam Hussein nach Informationen des TV-Senders El Dschasira am Freitag ein Haus in der westirakischen Stadt Falludscha gestürmt. Der arabische Sender zeigte Bilder eines verwüsteten Wohnhauses. Der Hausherr erklärte dem Sender, Dutzende von Soldaten hätten das Gebäude im Morgengrauen erst mit Panzern umstellt und dann angegriffen.

Sie hätten ihm später gesagt, dass sie den verschwundenen Ex- Präsidenten in seinem Haus vermutet hätten. Verletzt worden sei bei dem Angriff niemand. Falludscha ist eines der Hauptzentren des Widerstands gegen die US-Truppen.

Saddam Hussein und seine Söhne sollen sich sich mindestens noch eine Woche nach dem Fall Bagdads in der irakischen Hauptstadt aufgehalten haben. Der persönliche Leibwächter Udais berichtete der „Times“ in einem am Freitag erschienenen Interview, alle drei hätten zunächst in Bagdad ausgeharrt, weil sie davon überzeugt gewesen seien, die Stadt halten zu können. Alle Versuche der US-Truppen, sie zu fassen, seien gescheitert, weil die Husseins von einem so genannten sicheren Haus ins nächste gezogen seien, sagte der 28-jährige, der namentlich nicht genannt wurde.

Saddam nah bei US-Truppen

Als die ersten Bomben das Haus trafen, in dem die Amerikaner Saddam und seine Söhne vermuteten, hätten diese sich bereits am anderen Ende der Stadt in einem Haus vertrauenswürdiger Freunde aufgehalten. Als Bagdad am 9. April gefallen sei, hätten sich die drei Männer in verschiedenen Häusern im Vorort Adhamija befunden, nur wenige Kilometer von den US-Truppen entfernt.

Dort seien sie dann in aller Öffentlichkeit zum Freitagsgebet in einer Moschee erschienen. Saddam sagte dort nach den Worten des Leibwächters: „Ich habe meinen Kommandeuren vertraut, aber sie sind Verräter und sie haben den Irak verraten. Aber wir hoffen, in nicht allzuferner Zukunft wieder an der Macht zu sein.“

Die drei seien „unter den Augen der Amerikaner“ ungehindert in unauffälligen Autos von einem zum anderen „sicheren“ Haus gefahren. Sein früherer Chef Udai habe ihn letztlich entlassen, als er sich auf den Weg in den Norden gemacht habe, um dort den Widerstand zu organisieren. „Sie nahmen nur ihre Angehörigen mit, sie trauten niemandem mehr“, sagte der Mann.

Zwei US-Soldaten bei Anschlag in Bagdad verwundet

Am Freitagnachmittag sind bei einem Anschlag in Bagdad zwei US-Soldaten verwundet worden. Dies bestätigte ein Sprecher des US-Militärkommandos in Bagdad. Der Sprecher vermochte zunächst keine Angaben über die Art des Anschlags zu nennen. Doch seien drei Iraker im Zusammenhang mit der Tat festgenommen worden.

Kuwaitischer Offizier soll spioniert haben

Die kuwaitischen Sicherheitskräfte haben nach Angaben der Zeitung „Al-Rai Al-Aam“ einen Offizier des Innenministeriums verhaftet, der bis zum Sturz von Saddam Hussein für den irakischen Geheimdienst spioniert haben soll. Wie die kuwaitische Zeitung am Freitag unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, hatte der Mann nicht aus politischer Überzeugung, sondern aus Geldgier gehandelt.

Vor Beginn des Irak-Krieges soll er Informationen über den Aufmarsch der Briten und Amerikaner in Kuwait an Bagdad weitergegeben haben. Der Mann, der den Angaben zufolge auch Kontakt zu einem anderen bereits verhafteten Irak-Spion hatte, werde noch verhört, hieß es. Er solle bald in Kuwait vor Gericht gestellt werden.

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