„La Repubblica“: Ohrfeige für Freund Bush
Italiens Truppenabzug in der Talkshow

In Italien wird die Talkshow „Porta a Porta“ (Von Tür zu Tür) auch ironisch „Die dritte Parlamentskammer“ genannt. Wann immer Wahlen anstehen oder Ministerpräsident Silvio Berlusconi etwas Wichtiges mitzuteilen hat, lässt er sich im Rai-Fernsehen von Talkmaster Bruno Vespa interviewen.

HB ROM. So auch am Dienstagabend, als er die nicht nur für die Opposition, sondern auch für seine eigenen Koalitionspartner überraschende Ankündigung machte, Italien werde im Herbst mit dem Abzug seiner Truppen aus dem Irak beginnen. Eine Ankündigung, die Kommentatoren zufolge nicht rein zufällig wenige Wochen vor den Regionalwahlen in Italien erfolgte.

„Das Ziel ist ganz offensichtlich: Stimmen bei den Regionalwahlen Anfang April zu gewinnen und die Zeiten für den Beginn des Truppenabzugs so zu kalkulieren, dass dieser in den ersten Monaten 2006 - noch vor den Parlamentswahlen - abgeschlossen ist“, meinte die Zeitung „La Repubblica“. Schließlich hatte sich die ganz überwiegende Mehrheit der Italiener von Anfang an gegen den Militäreinsatz im Zweistromland gestellt - und auch mehrfach mit Massenkundgebungen ihrem Unmut Luft gemacht.

Nicht umsonst betonte Berlusconi in der Talkshow, „die öffentliche Meinung“ fordere diese Entscheidung. Dass er damit vor allem seinen engsten Verbündeten in den Rücken fällt, scheint den Medienmann Berlusconi dabei wenig zu stören. Schließlich hatte Außenminister Gianfranco Fini nur wenige Stunden zuvor in einem Interview mit der französischen Wochenzeitung „Le Point“ einen Rückzug kategorisch ausgeschlossen: „Es gibt überhaupt keinen Grund, die italienischen Truppen aus dem Irak abzuziehen.“ Noch am selben Abend hatte zudem das Abgeordnetenhaus der weiteren Finanzierung des Einsatzes zugestimmt.

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