"Labiler" Atomstaat
Bin-Laden-Gate schürt Angst vor Nuklearmacht Pakistan

Die CIA ist überzeugt, dass der pakistanische Geheimdienst schon lange die Hand über Osama bin Laden hielt. In Deutschland sorgen solche Nachrichten für Unruhe, zumal Pakistan im Besitz von Atomwaffen ist.
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DüsseldorfAngesichts des Streits zwischen den USA und Pakistan wegen des Aufenthalts von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden nahe Islamabads schlägt die SPD Alarm. US-Präsident Barack Obama befinde sich in einer Zwickmühle, da man wegen Afghanistan auf die Zusammenarbeit mit Pakistan angewiesen sei, sagte der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, Handelsblatt Online. "Zudem ist es äußerst gefährlich, wenn die ohnehin äußerst labile Nuklearmacht Pakistan weiter geschwächt wird." Deshalb sei die Stabilisierung der gesamten Region weiterhin eine politische Aufgabe, die auch im Interesse Europas liege.

Dessen ungeachtet sieht Mützenich mit der Tötung bin Ladens in der Nähe der pakistanischen Hauptstadt bestätigt, was seit langem vermutet worden war. "Pakistan treibt ein doppeltes Spiel: Offiziell unterstützt man die Bekämpfung des internationalen Terrorismus, gleichzeitig duldet man gewisse Aktivitäten von Al Kaida." Es sei "schwer vorstellbar, dass bin Laden sich jahrelang ohne systematische Unterstützung und Hilfe in Pakistan verstecken konnte - auch wenn Präsident Asif Ali Zardari nichts gewusst haben mag", sagte der SPD-Politiker. "Die USA werden ihr Verhältnis zu pakistanischen Regierungs- und Sicherheitsbehörden überdenken müssen."

Der SPD-Außenpolitiker Niels Annen sieht die Staatsführung in Islamabad in der Pflicht für Aufklärung zu sorgen, Pakistan habe die Frage zu beantworten, "wie es eigentlich sein kann, das der meistgesuchte Terrorist der Welt seit Jahren unbehelligt in einer pakistanischen Garnisonsstadt leben konnte", sagte Annen Handelsblatt Online. Der SPD-Politiker zeigte sich zudem überzeugt, dass die pakistanische Führung von Anfang an gewusst habe, dass die USA im Zweifelsfall alleine handeln würden. "Die Proteste aus Islamabad sind daher ebenso erwartbar wie in der Substanz wenig überzeugend." Überdies hätte ein Zugriff pakistanischer Behörden für Präsident Zardari "vermutlich mehr innenpolitische Probleme bedeutet als sie der Zugriff der Amerikaner nun ausgelöst hat".

"Entscheidende Teile" des pakistanischen Geheimdienstes ISI haben schon lange die Hand über den Terroranführer Osama bin Laden gehalten, sagte auch ein hochrangiger Angehöriger des amerikanischen Auslandsnachrichtendienstes CIA der Nachrichtenagentur dapd in Washington. In Kreisen des afghanischen Geheimdienstes NDS wird diese Einschätzung geteilt.

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