Labour-Abgeordnete Jo Cox getötet
Besinnung dringend notwendig

Sieben Tage vor dem Brexit-Referendum ist die europafreundliche britische Abgeordnete Jo Cox angegriffen und tödlich verletzt worden . Die Brexit-Debatte wurde zu emotional geführt, jetzt ist es an der Zeit, innezuhalten.

In genau sieben Tagen werden die Briten eine historische Entscheidung über ihre künftigen Beziehungen zu EU treffen – mit großen Konsequenzen für ihr Land und für die gesamte Staatengemeinschaft. Die Debatte darüber teilt Großbritannien, hat die Gemüter in den vergangenen Wochen immer mehr erhitzt – und jetzt möglicherweise ein erstes Todesopfer gefordert.

Mit den Worten „Britain first“ (Britannien zuerst) soll sich ein Mann am Donnerstag auf die europafreundliche britische Labour-Abgeordnete Jo Cox gestürzt, auf sie geschossen und eingestochen haben. Die Frau ist später an ihren schweren Verletzungen gestorben. Es scheint damit ein politisch motiviertes Attentat gewesen zu sein.

Wenn sich dieser politische Hintergrund erhärtet, dann macht das vor allem eines deutlich: Es ist an der Zeit, innezuhalten in der zuletzt teilweise sehr unsachlich geführten Debatte über die Vor- und Nachteile der EU-Zugehörigkeit und Schluss zu machen mit den Lügen und Halbwahrheiten, die beide Lager in den vergangenen Monaten verbreitet haben.

Misstrauen hat zuletzt alle Aufklärungsversuche geschlagen, Emotionen die Rationalität. Weil in Umfragen die Befürworter eines Austritts, des sogenannten Brexits, in den vergangenen Tagen an Boden gewonnen haben, hat das andere Lager seine Warnungen schriller werden lassen – Warnungen vor einer Rezession, vor einem großen Haushaltsloch, vor Steuererhöhungen. Viele Steigerungsmöglichkeiten gibt es aber nicht mehr, da diese Seite bereits zuvor sogar vor einem dritten Weltkrieg warnte.

EU-Kritiker, die für einen Brexit kämpfen, haben teilweise leichtes Spiel, so etwas als Panikmache abzutun. Doch ihre Zusicherungen, gar so schlimm werde es schon nicht kommen und das Land werde schon noch seinen Zugang zum europäischen Binnenmarkt behalten, sind auch nur hohle Versprechen, die jeder Grundlage entbehren.

Es wird Zeit, sich einzugestehen, dass man gewisse Dinge schlicht nicht vorhersagen kann. Die Politiker wissen einfach nicht, was nach einem Brexit passiert. Es wird Zeit, sich zu besinnen und in Ruhe zu analysieren, was auf dem Spiel steht und dies den Wählern zu vermitteln. Noch haben sie dafür sieben Tage.

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