Labour
David Miliband gibt auf

Er war immer der Kronprinz – erst von Tony Blair, dann von Gordon Brown. Als er selbst an der Reihe war, schnappte ihm ausgerechnet sein kleiner Bruder den Vorsitz bei der britischen Labour-Partei weg. Das war zuviel für David Miliband.
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LONDON. David Miliband war über mehr als ein Jahrzehnt der Mann hinter den Kulissen der britischen Politik. Als politischer Berater trug er zum kometenhaften Aufstieg von Tony Blair und drei Wahlsiegen von Labour bei. Blairs Nachfolger Gordon Brown holte ihn als Außenminister ins Kabinett.

Jetzt wollte David Miliband endlich Parteichef werden - und scheiterte an seinem jüngeren Bruder Ed. Das war zuviel für ihn. Einem Schattenkabinett unter einem anderen Miliband will er nicht angehören. Mit dem Verzicht ist die weitere politische Karriere des 45-Jährigen praktisch zu Ende.

Wie Hohn muss es ihm vorkommen, dass ausgerechnet sein Bruder ihm noch im „Wahlkampf“ um den Parteivorsitz vorgeworfen hat, zu oft gezaudert zu haben. Mehrere Chancen, den glücklosen Gordon Brown vom Sockel zu stoßen, habe David ausgelassen, soll Ed gemeckert haben.

Nicht nur deshalb wirken die Worte des neuen Parteichefs ein wenig wie Krokodilstränen, wenn er sagt: „David muss die Entscheidung treffen, die für ihn und seine Familie die richtige ist.“ Am Mittwoch präsentierte sich David Miliband demonstrativ vor seiner Haustür in London mit Freizeithemd und seiner Frau im Arm.

Erst vor einem Jahr hatte er sich für London und gegen Brüssel entschieden. Damals wurden neue Spitzenposten der EU verteilt, Miliband war für den des EU-Außenbeauftragten im Gespräch. Damals griff er nicht zu, stattdessen bekam die weitgehend unbekannte Catherine Ashton den Job.

Der 45 Jahre alte Ex-Außenminister gilt als brillanter Denker und hervorragender Stratege. „Er trifft Entscheidungen so, wie man sich das wünscht“, sagen Parteifreunde: „Unter Einbeziehung aller Strömungen.“ Seine Haltung, den britischen Militäreinsatz im Irak mitzutragen, gehört zu den Themen, die ihn politisch von seinem Bruder Ed entfernt haben.

Miliband begann seine politische Karriere im Büro von Tony Blair als dessen Chefplaner. Das Gesicht von „New Labour“ - das Motto, unter dem Blair seinen wirtschaftsnahen Kurs verkaufte - war von Miliband maßgeblich mitentworfen worden. Später wurde er Umweltminister, unter Brown dann 2007 der jüngste Außenminister des Vereinigten Königreichs. Im eher europakritischen Großbritannien gilt er als einer der Anhänger der Idee der Europäischen Union.

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