Labour-Partei
Ed Miliband will lernen

Der neue Labour-Chef Ed Miliband hat versprochen, Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen. Die Werte der Partei sollen wieder mehr im Mittelpunkt stehen.
  • 0

HB MANCHESTER. Der neue Labour-Chef in Großbritannien will die nötigen Lehren aus der Wahlniederlage vom Mai ziehen und seine Partei so zurück an die Macht führen. Auf dem Jahresparteitag der Labour-Partei erhielt Ed Miliband am Dienstag in Manchester starken Applaus, als er persönliche Zweifel an der britischen Invasion im Irak 2003 äußerte und einen kritischeren Umgangston gegenüber den USA ankündigte. Außerdem kritisierte er die tödliche israelische Kommandoaktion gegen eine Hilfsflotte für den Gazastreifen im Mittelmeer von Ende Mai. Die Außenpolitik müsse so geändert werden, dass sie stets auf Werten basiere, nicht nur auf Bündnissen, sagte Miliband.

Damit sei in der Vergangenheit viel Vertrauen verspielt worden. “Wir müssen einige schmerzlichen Wahrheiten darüber erkennen, wo wir falsch lagen und wie wir den Kontakt (zur Basis) verloren haben“, sagte der 40-Jährige vor den Delegierten. Die Partei dürfe nicht die Wähler für eine Regierung verantwortlich machen, „die wir nicht mögen“, sondern müsse den Fehler bei sich selbst suchen. Er unterstütze die Rolle Großbritanniens in Afghanistan, sei aber seinerzeit entschieden gegen die Invasion im Irak gewesen. Der frühere Labour-Premierminister Tony Blair hatte das Land an der Seite des damaligen US-Präsidenten George W. Bush in den Irak-Krieg geführt. „Es war falsch, Britannien in den Krieg zu führen, und wir müssen dies ehrlich sagen.“

Miliband erklärte, er werde sich im Nahen Osten für eine Zwei-Staaten-Lösung einsetzen und sich mit aller Macht dafür stark machen, dass Israel die Blockade des Gazastreifens aufhebe. Ferner versprach er, sich des umstrittenen Themas Einwanderung anzunehmen. Einen Linksruck der Partei werde es unter seiner Führung nicht geben, wies Miliband Befürchtungen von Kritikern zurück, die ihm eine zu starke Gewerkschaftsnähe vorwerfen. Dennoch werde er Tempo und Ausmaß des Sparprogramms von Premierminister David Cameron bekämpfen, der das Haushaltsdefizit innerhalb von fünf Jahren mit Entlassungen im öffentlichen Dienst und Kürzungen bei Sozialprogrammen ausgleichen will. Man dürfe ein schlechte Situation nicht verschlimmern, indem man mit der Defizitreduzierung die wirtschaftliche Erholung gefährde, sagte er.

Ed Miliband hatte sich in einer Abstimmung am Samstag knapp gegen seinen älteren und bekannteren Bruder durchgesetzt, den früheren Außenminister David Miliband.

Kommentare zu " Labour-Partei: Ed Miliband will lernen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%