Labour-Parteitag Brown kämpft um seine Reputation

Wenige Tage vor dem für ihn entscheidenden Labour-Parteitag in Manchester inszeniert sich der britische Premier Gordon Brown als Retter in der Krise. Doch sein einstiges Erfolgsimage ist dahin – Brown läuft Gefahr, dass ihm die drohenden Massenentlassungen bei den fusionierten Banken angelastet werden.
Premierminister Gordon Brown will Tatkraft demonstrieren, doch seine Inszenierung als Retter in der Not ist unglaubwürdig. Foto: Archiv

Premierminister Gordon Brown will Tatkraft demonstrieren, doch seine Inszenierung als Retter in der Not ist unglaubwürdig. Foto: Archiv

LONDON. Nachdem sein Amt am Mittwoch noch dementiert hatte, präsentierte sich der Regierungschef gestern als Drahtzieher der Übernahme der vom Zusammenbruch bedrohten Hypothekenbank HBOS durch Lloyds/TSB. Er werde das „Finanzsystem säubern“, versprach der Regierungschef.

„Ich und der Schatzkanzler haben mit den betroffenen Parteien gesprochen“, sagte Brown mit Blick auf die Rettung der Bank. „Die Menschen werden auf diese Entscheidung zurückblicken und sehen, dass die Regierung schnell und effektiv handelte. Und wir haben dabei keine öffentlichen Gelder benutzt.“ Nach seinem Zögern angesichts der Schieflage der Hypothekenbank Northern Rock, die nach sechs Monaten Unsicherheit verstaatlicht wurde, wolle Brown nun offenbar Tatkraft demonstrieren, glauben Beobachter. In der Northern-Rock-Krise habe der Premier seine Reputation als kompetenter Wirtschaftsmanager verspielt.

Doch jetzt läuft Brown Gefahr, dass ihm die drohenden Massenentlassungen bei den fusionierten Banken angelastet werden. Die Gewerkschaften warfen dem Premier gestern vor, Tausende von Finanzarbeitern im Stich gelassen zu haben.

Brown steckt in einer dramatischen Doppelkrise. Die Vertrauenswerte seiner Regierung brechen im gleichen Tempo ein wie der Wert der Aktienportfolios britischer Pensionskassen und Privatanleger. War die Wirtschaft für die Wähler Anfang des Jahres noch ein untergeordnetes Thema hinter Gewaltverbrechen und Einwanderung, steht sie jetzt bei 90 Prozent der Briten ganz oben. „Dies ist die dramatischste Veränderung, die ich je gesehen habe“, sagt der Politologe Patrick Dunleavy von der London School of Economics (LSE). „Browns Unglück ist, dass er seine ganze Reputation in den letzten zehn Jahren ausschließlich mit seiner Wirtschaftskompetenz begründete.“

Jede negative Wirtschaftsmeldung liest sich wie ein Paragraf aus Browns Sündenregister. Der Aufstieg der Londoner City war seit den frühen 90er-Jahren Symbol für die wiedererrungene Wirtschaftsmacht Großbritanniens. Brown stellte sich als Architekt von 15 Jahren ununterbrochenem Aufschwung hin. Nun liefert die City die Bilder für die Rezession. Zehntausende von Arbeitsplätzen werden in der Londoner Finanzszene verloren gehen.

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