Labour-Parteitag
Gordon Brown: Die Pirouetten des Premiers

Gordon Browns Plan gegen die Finanzkrise besteht aus drei Zutaten: neue internationale Regelsysteme, Geld für die schwächelnde Wirtschaft und ein schärferes Vorgehen gegen Gier und Kurzzeitdenken in der City. Aber alle setzen den englischen Premier auf einen Kollisionskurs mit seiner eigenen Vergangenheit.

MANCHESTER. Selbst der abgebrühte Labourveteran lauscht plötzlich aufmerksam. Vorne auf der Parteitagsbühne trägt der Chef der Gewerkschaft Unite, Derek Simpson, sein Rezept gegen die Krise vor. "Entweder wir regulieren diese Banken so, dass sie sich anständig aufführen, oder wir besteuern sie so, dass ihnen die Luft ausgeht." Sogar eine republikanische US-Regierung verstaatliche jetzt Banken. "Das können wir auch. Aber nicht nur die Risiken, auch die Profite!" Die Krise im Weltfinanzsystem blies gestern frischen Wind in die Segel der Labourlinken.

Nach Simpson trug Schatzkanzler Alistair Darling seinen Aktionsplan gegen die Finanzkrise vor. Dieser fiel erwartungsgemäß moderater aus. "Wir werden tun, was immer nötig ist", wiederholte er - und folgte damit der Linie seines Premiers. Gordon Brown hatte diesen Satz in den vergangenen Tagen fast drohend deklamiert.

Großbritanniens Regierungschef hatte schon am Sonntag in einem BBC-Interview erklärt, wie er die Krise anzupacken gedenkt. "Wo immer wir im Finanzsystem Schwächen finden, werden wir sie abstellen. Aber dies ist eine globale Krise, und wir brauchen dafür globale Lösungen." Was im Klartext heißt: Die USA sind schuld, nicht wir Briten. Die Finanzzauberer in der City sind schuld, nicht wir in der Labour-Regierung.

Drei Ingredienzen hat Browns Plan: neue internationale Regelsysteme, Geld für die schwächelnde Wirtschaft und ein schärferes Vorgehen gegen Gier und Kurzzeitdenken in der City. Aber alle setzen ihn auf einen Kollisionskurs mit seiner eigenen Vergangenheit.

Auf ihrem Parteitag in Manchester konzentrierte sich Labour erst einmal auf die Gier in der City. Prämien und Bonuszahlungen sind der beste Feind, schon weil man damit hoffen kann, den Konservativen eins auszuwischen. "Unverantwortliche Prämien haben zu gefährlichen Spekulationen geführt", eröffnete Brown die Offensive. Darling schwächte ab und nannte das als "einen von mehreren Punkten", die von der Finanzaufsichtsbehörde FSA geprüft würden. Die FSA äußerte sich noch vorsichtiger: Man werde untersuchen, ob zu hohe Prämien für "unwirkliche Profite" bezahlt wurden, erklärte Behördenchef Lord Turner. Es sei aber nicht die Aufgabe der Behörde, den Banken ihre Gehaltsstrukturen vorzuschreiben. Brown musste daran erinnert werden, dass die FSA unabhängig ist. Sie, nicht der Premier, hat letzte Woche das "Short Selling" von Finanzpapieren bis Januar verboten.

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