0 Bewertungen
09.03.2007 
Umstrittene Steuervorteile

Labour setzt Private Equity unter Druck

In Großbritannien wird der Druck auf die Private-Equity-Branche immer größer. Nach langen Diskussionen denkt die Labour-Regierung darüber nach, umstrittene Steuervorteile für die Beteiligungsgesellschaften zu streichen. Derzeit arbeitet jeder fünfte britische Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft bei einem Betrieb, der Finanzinvestoren gehört.

Der britische Premier Tony Blair hat die Beteiligungsgesellschaften mehrfach in Schutz genommen, doch der linke Labourflügel zeigt Sympathie fürdie Forderungen der Arbeitnehmervertreter.Lupe

Der britische Premier Tony Blair hat die Beteiligungsgesellschaften mehrfach in Schutz genommen, doch der linke Labourflügel zeigt Sympathie fürdie Forderungen der Arbeitnehmervertreter.

mm/pk LONDON. Der einflussreiche Staatssekretär im britischen Finanzministerium, Ed Balls, kündigte am Donnerstag in einer Rede an, dass die Regierung die Steuerbefreiung für einen Teil der Fremdfinanzierung von Übernahmen bis Ende des Jahres überprüfen werde.

In Großbritannien tobt derzeit eine heftige Diskussion um das Thema Private Equity. Kritik an den Beteiligungsgesellschaften kommt vor allem von den Gewerkschaften, die ihren politischen Einfluss auf die regierende Labour-Partei nutzen, um den Druck auf die „Heuschrecken“ zu erhöhen.

Vor wenigen Wochen verschickte Paul Kenny, Chef der Gewerkschaft GMB, einen Brief an alle 352 Labourabgeordneten des Unterhauses: Es sei an der Zeit, den „unregulierten und unverantwortlichen“ Aktivitäten von Finanzinvestoren „Zügel anzulegen“. Die Abgeordneten sollen von Schatzkanzler Gordon Brown die Änderung der Steuergesetze verlangen. Mit Steuergeschenken wie Zinsabschreibungen für die Kredite, mit denen Private-Equity-Fonds, ihre Übernahmen finanzieren, müsse Schluss sein. GMB-Funktionär Pat Maloney drohte: „Wir können den ultimativen Showdown versprechen, politisch und industriell.“

Die Gewerkschaften werfen den Fonds vor, dass sie Arbeitsplätze vernichten und die übernommenen Firmen finanziell aussaugen. In Großbritannien arbeitet nach dem Private-Equity-Boom der vergangenen Jahre mittlerweile jeder fünfte Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft, bei einem Unternehmen, das Finanzinvestoren gehört.

Zuletzt sorgte das Interesse eine Private-Equity-Konsortiums aus den Firmen CVC, KKR und Blackstone an der Supermarktkette Sainsbury’s für Aufregung. Der Wert des Einzelhändlers wird auf bis zu elf Mrd. Pfund geschätzt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Private-Equity-Investoren verteidigen sich mit dem Argument, dass sie zur Modernisierung der Volkswirtschaft beitragen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück vor
  • Der glücklose Beck – Chro...

    Der glücklose Beck – Chronik eines Abstiegs

    Kurt Beck gibt auf. Nach immer neuen Tiefschlägen ist er vom SPD-Parteivorsitz zurückgetreten. Die Negativ-Schlagzeilen, denen er sich seit Sommer 2007 ausgesetzt sah, ließen die Popularitätswerte der SPD auf Bundesebene und zuletzt sogar in Becks Heimatland sinken. Di...Bildergalerie 

  • Steinmeiers Freunde und F...

    Steinmeiers Freunde und Feinde

    Frank-Walter Steinmeier führt die SPD bei der Wahl 2009 an. Doch nicht alle führenden Genossen sind ihm wohl gesonnen. Wie jeder Politiker hat auch Steinmeier parteiinterne Gegner und Unterstützer. Seine Freunde und Feinde im Überblick.Bildergalerie 

  • Müntefering ist wieder ga...

    Müntefering ist wieder ganz oben

    Franz Müntefering soll Kurt Beck als SPD-Vorsitzenden ablösen. Damit übernimmt der Sauerländer einen Posten, den er schon einmal hatte – und zwar von März 2004 bis November 2005. Er legte damals das Amt nieder, weil er seinen Wunschkandidaten im Parteivorstand nicht al...Bildergalerie 

  • „Datendieben den Garaus m...

    „Datendieben den Garaus machen“

    Auf einem Gipfeltreffen, das heute in Berlin stattfindet, suchen die Bundesregierung und Verbraucherverbände Wege, den illegalen Handel mit Kundendaten einzudämmen. Unternehmen fürchten das Verbot und warnen vor zu viel Regulierung. Einen Kompromiss zu finden könnte sc...Bildergalerie 

 

weiterGlobal Reporting

Ein-Parteien-Parlament in Ankara? 

07.09.2008Global Reporting

Wie schnell sich die Zeiten ändern: noch vor sechs Wochen balancierten der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan und seine islamisch-konservative AKP im Verbotsverfahren vor dem türkischen Verfassungsgericht am Rand eines politischen Abgrunds. Nun steht die Partei stärker da als je zuvor. Blog


weiterMadagaskar

Back to the USSR 

20.08.2008Madagaskar

Krieg als Mittel der Politik ist auch im 21. Jahrhundert keine Ausnahme und nicht den Despoten vorbehalten. Blog