Labour-Wahlniederlage
Druck auf Blair wächst

Nach der Labour-Niederlage bei den Kommunalwahlen in England und der radikalen Umbildung der Regierung ist der Druck der eigenen Partei auf Premierminister Tony Blair deutlich gewachsen.

HB LONDON. Unterstützer des Schatzkanzlers und innerparteilichen Blair-Rivalen Gordon Brown forderten am Samstag von Blair einen klaren Zeitplan für die Übergabe der Macht an Brown. Dieser gilt seit langem innerparteilich als designierter Nachfolger Blairs. Die beiden Spitzenpolitiker vereinbarten nach Angaben des Senders BBC noch für dieses Wochenende ein Gespräch.

Der Entwurf eines Schreibens mit der Aufforderung an Blair ist nach Angaben der linksliberalen Zeitung „The Guardian“ vom Samstag von einer großen Gruppe von Labour-Abgeordneten in Umlauf gebracht worden. „Wenn Blair sich dem Druck nicht beugt, wollen die Labour- Parlamentarier den Brief bis Ende der kommenden Woche veröffentlichen“, schreibt das Blatt, das gewöhnlich über Angelegenheiten der Labour-Partei gut informiert ist.

Den Angaben zufolge verlangen rund 75 Labour-Abgeordnete, Blair solle entweder einem klaren Zeitplan für „eine geordnete Machtübergabe“ oder einer baldigen offiziellen Debatte in der Partei über seine Nachfolge zustimmen. Der Premierminister hatte zuvor als Konsequenz aus dem Verlust von insgesamt 319 Mandaten in Stadtkreisen und Gemeinden Englands und dem Abrutschen von Labour auf den nur noch dritten Platz in der englischen Kommunalpolitik eine radikale Regierungsumbildung verfügt.

Dabei wurde Innenminister Charles Clarke wegen eines Skandals um unterlassene Abschiebungen straffälliger Ausländer gefeuert. Außenminister Jack Straw wurde auf den Posten des Labour- Fraktionschef im Parlament geschoben. Insgesamt wurden 13 Posten in der Regierung und Labour-Partei neu besetzt.

Große Gewinnerin der Wahlen war die Konservative Partei unter ihrem neuen Vorsitzenden David Cameron. Die Tories konnten 316 Mandate dazu gewinnen. Damit wurden sie auf kommunaler Ebene mit insgesamt rund 40 Prozent der Stimmen - bei einer Wahlbeteilung von nur 36 Prozent - stärkste politische Kraft. Die Liberaldemokraten legten nur leicht auf nun 27 Prozent zu, gefolgt von Labour als großer Verliererin mit nur noch 26 Prozent.

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