Länder Asiens können Bedarf nur über Importe decken
Die Abhängigkeit vom Öl wächst stetig

An den heißesten Tagen dieses Sommers gehen in Chinas Wirtschaftsmekka Schanghai die Lichter in Parks und Hochhäusern einfach aus. Die Metropole muss Strom sparen, und auch in der Hälfte aller chinesischen Provinzen wird mehrmals pro Woche der Strom abgeschaltet. Selbst Top-Hotels müssen ihren Verbrauch um ein Fünftel drosseln.

TOKIO/PEKING/DELHI.Chinas Energiedefizit bremst mittlerweile die Konjunktur der zweitgrößten asiatischen Volkswirtschaft – ein Problem, das weiten Teilen der Region Kopfzerbrechen bereiten wird, warnen Ökonomen.

Asien verspricht in den nächsten Jahren höchste Wachstumsraten. Damit steigt der Energieverbrauch rapide. Das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) schätzt, dass die Region inklusive Japan und Korea bis 2030 der weltgrößte Nachfrager für Energie sein wird. 40 Prozent der Primärenergie werde dann vermutlich aus dem Öl stammen, von dem wiederum 80 Prozent importiert werden, hauptsächlich aus dem Mittleren Osten. „Die Energiesicherheit gilt als Schlüsselherausforderung für das künftige Wirtschaftswachstum in Asien“, so METI.

Längst ist Öl für die asiatischen Staaten ein strategischer Rohstoff geworden – schon jetzt hängen sie stark vom Import des schwarzen Goldes ab. Die Boomregion produziert selbst gerade einmal zehn Prozent des weltweiten Bedarfs an Öl. Doch ihr Verbrauch macht schon jetzt fast ein Viertel des globalen Angebots aus. Japan, Südkorea, China, die Philippinen, Singapur und Thailand importieren einen Großteil ihres Verbrauchs. Die Asiatische Entwicklungsbank warnte erst im Juni, die Region bleibe „besonders verletzlich gegen einen Öl-Schock wegen ihrer hohen Abhängigkeit von Einfuhren“. Im Jahr 2000 wurden 62 Prozent des Bedarfs aus ausländischen Quellen gedeckt, bis 2010 werde der Anteil auf 74 Prozent steigen, prognostiziert Yasushi Kono, General Manager bei Nippon Oil.

Auch in Südostasien und Indien erwarten Energieexperten einen drastischen Anstieg des Energiebedarfs. Allein Indien wird nach Angaben des Energy Research Institutes in Delhi im Jahr 2030 rund 5,6 Mill. Barrel Öl pro Tag schlucken statt derzeit 2,2 Mill. Barrel. Die Zahl der Autos steigt, und die Regierung bemüht sich, dass eklatante Elektrizitätsdefizit auszugleichen. Bereits jetzt hängt Indien viel stärker als China von Energieeinfuhren ab. Deckte die eigene Ölförderung in den 80er Jahren 70 Prozent des Bedarfs, ist es heute nur noch ein Drit-tel. Indische Firmen bohren zwar im Arabischen Meer, der Wüste Thar und der Bucht von Bengalen nach neuen Quellen. Doch wegen der steigenden Nachfrage soll die eigene Förderung 2020 nur noch zehn Prozent des Verbrauchs ausmachen, erwartet die Internationale Energieagentur IEA.

Selbst Indonesien, Asiens einziges Opec-Mitglied, wurde 2004 zum Netto-Rohölimporteur. Auch hier wurden die Investitionen in die Förderinfrastruktur jahrelang vernachlässigt. So fördert Asien immer weniger der benötigten Energie selbst. Auch mit dem Bau von Kraftwerken kommen viele Staaten nicht nach. „Das daraus resultierende Ungleichgewicht ist ein enormer potenzialer Flaschenhals und droht, das viel versprechende Wachstum abzuschneiden“, warnt Robert Bestani, Generaldirektor der Asiatischen Entwicklungsbank. Da sich Kraftwerksprojekte im Schnitt über vier Jahre hinzögen, müsse man jetzt handeln.

Den Regierungen fehlt jedoch oft das Geld und ausländische Investoren sind skeptisch, nachdem sie sich zuletzt in der Asienkrise 1997/98 die Finger verbrannt haben. Wichtige Schritte, um sie mit ins Boot zu bekommen, sind bessere rechtliche Rahmenbedingungen in vielen Ländern und mehr Möglichkeiten der langfristigen Projektfinanzierung in lokaler Währung. Genau in diesen Bereichen aber bleibt viel zu tun.

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