Länder auf der Warteliste
Den Euro fest im Blick

Für Estland hat das Warten bald ein Ende. Andere Länder warten noch darauf, in die Gemeinschaftswährung aufgenommen zu werden. Das motiviert einige Länder zu starken Sparanstrengungen. Denn nur gesunde Währungen dürfen im Euro aufgehen.
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Lettland und Litauen

Während Estland am 1. Januar 2011 den Euro einführen darf, müssen sich die beiden baltischen Nachbarn Lettland und Litauen noch gedulden. Frühestens 2014 werden sie die Gemeinschaftwährung bekommen. Dass Estland den Euro jetzt einführt, wird die beiden Länder nach Meinung von Ökonomen noch stärker beflügeln, ihren strikten Sparkurs fortzusetzen.

Auch während der Finanzkrise haben die Regierungen in Riga und Vilnius an ihrem Ziel festgehalten, sich für den Euro zu qualifizieren. Das war einer der Gründe, warum die lettische Regierung trotz des Drucks von außen die eigene Währung nicht abgewertet hat. Eine Abwertung des einseitig an den Euro gebundenen Lats wäre ein Verstoß gegen die Maastrichter Vorgaben gewesen und hätte unweigerlich die Euro-Einführung verzögert.

Während die Regierungen in Lettland und Litauen die Einführung der Gemeinschaftswährung als ihr oberstes Ziel formuliert haben, ist der Euro in der Bevölkerung nicht unumstritten. Gerade die aktuelle Euro-Krise hat das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung beschädigt. Viele fürchten außerdem, dass die Preise mit der Einführung anziehen werden. Für viele Menschen im Baltikum ist die eigene Währung auch ein Symbol der Unabhängigkeit von der damaligen Sowjetunion, die man erst 1991 erzielt hat. Dennoch gibt es weder in Lettland noch in Litauen ernsthaften Widerstand gegen die Einführung des Euros.

H. Steuer, Stockholm

Ungarn

Auch in Ungarn gibt es keine ausgeprägte Euro-Gegnerschaft. Grundsätzlich überwiegen dort die Kräfte, die sich für die Einführung der Gemeinschaftswährung aussprechen. Allerdings regiert in Ungarn in Sachen Euro auch ein ziemlich nüchterner Realismus. "Ein Beitritt ist erst in zehn Jahren realistisch", sagte Ministerpräsident Viktor Orban kurz vor Weihnachten. Die wirtschaftlichen Probleme des Landes sind so groß, dass an eine schnelle Einführung des Euros überhaupt nicht zu denken ist. Erst muss Ungarn seine wirtschaftlichen Probleme in den Griff bekommen.

S. Menzel, Wien

Polen

Der polnische Finanzminister Jacek Rostowski will sein Land mit aller Macht bis 2015 in die Euro-Zone führen. Die Bundesregierung begrüßt dies, weil mit Warschau ein weiterer Verfechter von Haushaltsdisziplin hinzukäme. Polen hat seit Jahren die Maastricht-Obergrenze für die Staatsverschuldung in Höhe von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in der Verfassung.

Allerdings dürfte Rostowskis Plan nur schwer aufgehen: Polen hat derzeit ein Haushaltsloch von acht Prozent des BIP, erlaubt sind maximal drei. Außerdem ist 2011 Wahljahr, so dass kaum mit Kürzungen zu rechnen ist. Danach müsste dann umso radikaler gespart werden, wenn das Zieldatum 2015 erreicht werden soll.

Rumänien und Bulgarien

Auch Rumänien und Bulgarien – die jüngsten Mitglieder der Europäischen Union und vor der Finanzkrise fiskalische Musterschüler – wollen "so schnell wie möglich" den Euro. Doch Bukarest konnte den Staatsbankrott nur mit Milliarden-Hilfskrediten der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) abwenden. Auch Bulgarien reißt inzwischen die Maastricht-Haushaltskriterien; nur bei der gesamtstaatlichen Schuldenquote liegen die jungen osteuropäischen EU-Staaten deutlich besser als ihre westlichen Partner. Bulgarien hat zudem den Vorteil, dass sein Lew mit exakt demselben Kurs wie einst die D-Mark an den Euro gekoppelt ist. Und der Euro-Beitritt Estlands gilt als Zeichen, dass auch "gekoppelte" Währungen später in der Gemeinschaftswährung aufgehen können.

M. Brüggmann, Berlin

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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