Länderbonität
Deutschland rückt deutlich nach vorne

Nach jahrelanger Euphorie über die weltwirtschaftlichen Wachstumsaussichten sind Banker und Analysten mit Blick auf die Kreditwürdigkeit vieler Schwellen- und Entwicklungsländer skeptischer geworden.

BERLIN. Die bis dahin favorisierten Schwellenländer (Emerging Markets) bekommen nach dem Einbruch der Finanzmärkte im Frühjahr die Flucht der Investoren in weniger risikobehaftete Anlagen zu spüren. Davon profitieren die großen Industrieländer. Unter ihnen macht Deutschland den größten Sprung nach vorne und ist wieder unter den Top Ten vertreten. Dies geht aus der aktuellen Liste des Bankenmagazins „Institutional Investor“ über die Länderbonität hervor.

Nachdem das Bonitätsbarometer im März dieses Jahres einen Höchststand erreicht hatte, kühlte die Stimmung ein halbes Jahr später deutlich ab. Der Durchschnittswert sank im September um 1,2 auf 43,9 Punkte. Die einhundert Bankökonomen und Länderanalysten, die für das Wall-Street-Magazin zwei Mal im Jahr auf einer Skala von null bis 100 Punkten den Großteil der Volkswirtschaften auf dem Globus taxieren, setzten 89 von insgesamt 173 Ländern um einen Punkt und mehr herab.

Im Kontrast dazu hatte die Liste vom März noch 100 Länder aufgewiesen, die sich um einen Punkt und mehr verbesserten. Dass sich von den 25 Ländern mit den besten Ratings – also den Industrieländern –in der neuen Bonitätsliste immerhin 23 Länder um einen oder mehr Punkte verbesserten, bestätigt die Flucht der Investoren aus riskanten Emerging Markets in sichere Anlagen an den großen Finanzplätzen.

Dieser deutliche Rückgang des globalen Bonitätsbarometers für staatliche Schuldner kommt nicht von ungefähr. Von offizieller wie von privater Seite häufen sich in letzter Zeit die negativen Prognosen. Sie deuten auf niedrigeres Wirtschaftswachstum hin, vor allem in den USA, auf höhere Zinsen, fortdauernde weltwirtschaftliche Ungleichgewichte, höhere Erdölpreise und zunehmende geopolitische Risiken, vor allem im Nahen Osten. Das dämpft den immer noch vorhandenen Optimismus über die künftigen Wachstumsperspektiven und die Gewinnaussichten an den Aktienmärkten.

Hinter der Schweiz, Norwegen, Luxemburg, den Niederlanden, Finnland, Großbritannien, Schweden, den USA und Dänemark rangiert Deutschland mit 94,3 Bonitätspunkten auf dem 10. Platz der Institutional-Investor-Liste. Wahrscheinlich wegen der anziehenden Konjunktur und besserer Aussichten für den Haushalt rückte Deutschland gegenüber dem Vorjahr um fast drei Punkte höher. Dies war gleichzeitig der stärkste Anstieg unter den großen Industrieländern.

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