Lage im Irak falsch eingeschätzt - Aufständ seien Nebenprodukt des schnellen Sieges
Bush und Rumsfeld räumen erstmals Fehler in Sachen Irak ein

Die Sicherheitslage im Irak ist katastrophal. US-Präsident George Bush und Verteidungsminister Donald Rumsfeld übten jetzt erstmals öffentlich Selbstkritik.

HB NEW YORK. US-Präsident George W. Bush und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld haben erstmals öffentlich wegen der Lage im besetzten Irak Selbstkritik geübt. Bush räumte in einem Interview der „New York Times“ ein, die Bedingungen im Nachkriegs-Irak falsch eingeschätzt zu haben. Rumsfeld gestand laut der „Daily Sun“ ein, dass auch er für die Misshandlungen im Militärgefängnis von Abu Ghoreib Mitverantwortung trage.

Es habe eine „Fehleinschätzung“ der Nachkriegsbedingungen gegeben, sagte Bush. Der seit 17 Monate andauernde Aufstand gegen die US-geführten Besatzungstruppen sei „ein Nebenprodukt des schnellen Sieges“ über Saddam Husseins Armee. Wegen der raschen Auflösung und des Untertauchens der irakischen Militärs sei es schneller zum Aufstand gekommen, als er und seine Berater dies vorhergesehen hätten, so Bush.

Die Strategie der US- Regierung sei aber flexibel genug, um angemessen reagieren zu können. Dies zeige sich auch jetzt bei den Kämpfen um die schiitische Pilgerstadt Nadschaf.

Rumsfeld übernahm zwar Mitverantwortung für den Abu Ghoreib- Skandal, wies aber die Forderung des demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry nach seinem Rücktritt zurück. „Als Verteidigungsminister muss man eine Verantwortlichkeit akzeptieren, wenn so etwas geschieht“, meinte Rumsfeld im Blick auf die Misshandlungen. „Was da geschehen ist, hätte nicht geschehen dürfen.“

Allerdings sei er zuständig für über drei Millionen Militärs und Angestellte des Ministeriums sowie für 70 Militärgefängnisse, in den 12 000 Soldaten, Offiziere und Angestellte tätig seien. „Es ist überflüssig zu sagen, dass man in Washington nicht wissen kann, was in der Nachtschicht in einem der Gefängnisse weltweit geschieht“, wurde Rumsfeld von der „Daily Sun“ zitiert.

Zwei Untersuchungskommissionen des Verteidigungsministeriums waren zu dem Schluss gekommen, dass die zivile und militärische Spitze des Pentagons eine Mitverantwortung für die Vorgänge in Abu Ghoreib trage.

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