Lage in Goma eskaliert
EU scheut vor humanitärem Kampfeinsatz im Kongo zurück

Die Europäische Union setzt sich für eine rasche Beendigung des Bürgerkriegs im Ostkongo ein, will jedoch keine eigenen Kampftruppen in das Krisengebiet schicken. Während Frankreich einen Rückzieher macht, eskaliert die Lage in Provinzhauptstadt Goma.

BRÜSSEL/KAPSTADT. Europa setze auf eine diplomatische Lösung des Konflikts und wolle mit humanitären und technischen Mitteln helfen, so Kouchner. Ein Einsatz der EU-eigenen schnellen Eingreiftruppe (Battle Group) sei hingegen nicht geplant.

Die EU bemüht sich bereits seit Jahren um eine Stabilisierung des drittgrößten afrikanischen Staats. Vor zwei Jahren schickten die Europäer rund 2400 Soldaten in den Kongo, um die ersten freien Wahlen zu sichern. Für einen neuerlichen Militäreinsatz hat sich vor allem die ehemalige Kolonialmacht Belgien ausgesprochen. Die EU solle 2 000 bis 3 000 Soldaten schicken, um einen Waffenstillstand zu erzwingen, sagte Außenminister Karel de Gucht.

Auch Kouchner hatte sich zunächst für Kampftruppen ausgesprochen, dann aber einen Rückzieher gemacht. "Es gibt bereits 16 000 Uno-Soldaten vor Ort", sagte Kouchner auf einer Pressekonferenz mit dem EU-Außenbeauftragten Javier Solana. "Wir arbeiten daran, über den Flughafen Goma humanitäre Hilfe zu schicken", fügte Kouchner hinzu. Auch Solana sprach sich für EU-Hilfen aus. Man müsse alle Optionen prüfen, sagte er. Mit Vorschlägen wird allerdings erst beim nächsten Treffen der EU-Außenminister am 10. November gerechnet.

Im Mittelpunkt der heftigen Kämpfe im Kongo steht die Provinzhauptstadt Goma. Ihre Bewohner verstecken sich aus Angst vor einer heranrückenden Rebellenarmee in ihren kleinen Häusern und verbarrikadieren die Eingänge. Zu frisch ist bei vielen noch die Erinnerung an das, was sich vor vier Jahren in Bukavu, Gomas Schwesterstadt am anderen Ende des Kivu-Sees, ereignete. Damals eroberten die Milizen des Rebellengenerals Laurent Nkunda die Hauptstadt der kongolesischen Provinz Süd-Kivu und begingen im Anschluss daran angeblich Grausamkeiten gegen die Zivilbevölkerung. Seitdem liegt in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa ein Haftbefehl gegen den hoch gewachsenen Rebellenchef vor, den Sohn eines Kuhhirten und einstmaligen Psychologiestudenten. Auch bei der Uno wird der 40-Jährige offiziell als Kriegsverbrecher bezeichnet und gesucht.

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