Lage in Melilla und Ceuta spitzt sich zu - Zehntausende wählen gefährliche Route über das Mittelmeer
Uno warnt vor Massenexodus aus Afrika

Experten der Uno haben vor einem Exodus von Afrikanern nach Europa gewarnt. "Die Länder Europas sollten die Lage in den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla in Nordafrika extrem ernst nehmen", sagte die Sprecherin des Flüchtlingshilfswerkes UNHCR, Astrid van Genderen Stort. "Die Zahl der notleidenden Menschen Afrikas, die alles daransetzen, nach Europa zu kommen, könnte weiter ansteigen."

HB GENF.Für viele Bewohner des Schwarzen Kontinents sei Europa die letzte Hoffnung, um Armut, Seuchen, Verfolgung und Kriegen zu entkommen, sagte Stort. Schon jetzt beziffert die Uno die Zahl der Illegalen unter den 56 Millionen Migranten in Europa auf bis zu 15 Prozent. Der Großteil der Papierlosen dürfte aus Afrika stammen.

Gestern wehrten marokkanische und spanische Sicherheitskräfte mit Unterstützung von Helikoptern einen weiteren gewaltsamen Anlauf von Afrikanern auf Melilla ab. Die Polizei nahm auf marokkanischer Seite 265 illegale Einwanderer fest. Rund 500 Afrikaner hatten versucht, auf das Territorium des EU-Landes zu gelangen.

Viele der Menschen stammen nach Angaben des UNHCR aus der Elfenbeinküste und Niger. Zwei Länder, in denen sich die Misere des Schwarzen Kontinents exemplarisch zuspitzt. In der Elfenbeinküste tobte ein blutiger Bürgerkrieg. Tausende Menschen flüchteten vor den Gewaltexzessen der Rebellen und der Regierungstruppen. Nach einem formalen Friedensabkommen geriet der Versöhnungsprozess ins Stocken. Unlängst verlangte Uno-Generalsekretär Kofi Annan, die für Ende Oktober geplanten Wahlen zu verschieben. Das Land, so die resignierte Botschaft Annans, kann sich aus dem Chaos nicht befreien.

Über die Einwohner Nigers hingegen kam im Frühjahr eine gewaltige Hungersnot. Tausende Menschen starben, Hunderttausende bleiben von Entbehrungen körperlich versehrt und traumatisiert. "Die Menschen in der Elfenbeinküste und Niger machen Schreckliches mit", bilanzierte der Uno-Koordinator für humanitäre Hilfe, Jan Egeland.

Doch auch die anderen Lebensmittel-Katastrophen, die Konflikte, die Seuchen wie Aids und Malaria lassen Afrika nicht zur Ruhe kommen. Ob Sudan, die Demokratische Republik Kongo, Liberia oder Malawi, der Kontinent bietet vielen seiner Bewohnern nur Leid und Hoffnungslosigkeit. Allein in Schwarzafrika irrten Ende 2004 rund drei Millionen Flüchtlinge umher - in der Statistik der Weltregionen ist das ein trauriger Spitzenplatz.

Hinzu kommen rund 13 Millionen Vertriebene. Menschen also, die innerhalb ihres eigenen Landes vor Gewalt und Elend Reißaus nehmen. "In Afrika leben mehr Vertriebene als im gesamten Rest der Welt", heißt es in einer Studie des Norwegischen Flüchtlingsrates. Um direkt nach Europa zu kommen, wählen jährlich Zehntausende der Verzweifelten nach UNHCR-Schätzungen die gefährliche Seeroute über das Mittelmeer.

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