Lage spitzt sich zu
15.000 Flüchtlinge auf Lesbos gestrandet

Der Flüchtlingsandrang auf Griechenland hält an. Sowohl auf Lesbos als auch an der griechisch-mazedonischen Grenze droht die Lage außer Kontrolle zu geraten. Den Behörden fehlt Geld, um die Flüchtlinge unterzubringen.
  • 13

AthenAuf der griechischen Insel Lesbos harren seit Tagen mehr als 15.000 Flüchtlinge aus - und jeden Tag kommen Hunderte von Neuankömmlingen aus der Türkei hinzu. Nach vorläufigen Daten der EU-Grenzschutzagentur Frontex trafen allein in der vergangenen Woche mehr als 23.000 Bootsflüchtlinge in Griechenland ein. Das sei ein Anstieg um fast 50 Prozent, hieß es am Dienstag in Warschau. An der serbisch-ungarischen Grenze seien in der vergangenen Woche nach bisherigen Erkenntnissen rund 9.400 Migranten eingetroffen.

Die Lage der Flüchtlinge ist desolat. Wegen der schweren Finanzkrise in Griechenland haben die Kommunalbehörden auf den Inseln kein Geld, um den Menschen zu helfen. Es gibt kaum Toiletten, viele Migranten müssen im Freien schlafen. Auf Lesbos harrten Hunderte Migranten bei glühender Hitze im Hafen von Mytilini aus, darunter Hunderte Kinder. Die Küstenwache gab an, sie habe vor den Inseln der Ostägäis binnen 24 Stunden mehr als 1.200 Menschen aufgegriffen.

Auf Lesbos, Samos, Kos, Leros, Agathonisi und anderen kleineren Inseln warten Tausende von Menschen auf die Weiterreise zum Festland. Von dort wollen sie über die Balkanroute nach Westeuropa. Die griechischen Behörden versuchen die Lage auf den Ostägäisinseln zu entschärfen, indem sie Flüchtlinge mit Fähren nach Piräus zum Festland zu bringen. Allein am späten Dienstagabend und Mittwochfrüh sollten mehr als 4.200 Migranten die Inseln auf diesem Weg verlassen.

An der griechisch-mazedonischen Grenze kam es am Dienstag wiederholt zu Rangeleien und Schlägereien zwischen Migranten, die bei glühender Hitze auf ihre Ausreise warteten. Die Polizei auf der mazedonischen Seite lasse jede halbe Stunde nur etwa 50 Migranten durch. Damit komme es auf der griechischen Seite zu langen Warteschlangen, wie Augenzeugen berichteten. „Alle Flüchtlinge aus allen Inseln kommen nun hierher. Niemand hilft uns“, sagte der Bürgermeister der Region, Christos Goudenoudis, im griechischen Fernsehen. 

Der Weg der Flüchtlinge führt von Griechenland über Mazedonien und Serbien nach Ungarn und Österreich. Viele der überwiegend syrischen Flüchtlinge wollen weiter nach Deutschland.

Auf der Balkanroute versuchen nach Uno-Angaben auch immer mehr Frauen und Kinder in nördliche EU-Länder zu gelangen. Von den etwa 3.000 Flüchtlingen, die derzeit täglich von Griechenland aus Mazedonien durchqueren, seien rund ein Drittel Frauen und Kinder, teilte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) am Dienstag mit. Dies seien etwa dreimal so viel wie noch vor drei Monaten, sagte Unicef-Sprecher Christophe Boulierac in Genf. Zudem seien etwa 12 Prozent der über Mazedonien fliehenden Frauen schwanger.

Unicef beruft sich auf Zahlen der Regierung Mazedoniens. Die weitaus meisten der zurzeit dort ankommenden Flüchtlinge stammen laut Unicef aus Syrien, einige auch aus Afghanistan und dem Irak. „Die Menschen sind seit Monaten unter schwierigen Bedingungen unterwegs, viele leiden an Dehydrierung und Durchfall“, erklärte Boulierac. Ihre Versorgung mit Trinkwasser müsse dringend verbessert werden.

Frontex-Direktor Fabrice Leggeri sprach von einer „dunklen Woche“ angesichts der Tragödien um die tot in einem Lastwagen in Österreich gefundenen Flüchtlinge in Österreich und der 55 Toten, die auf Booten im Mittelmeer gefunden wurden. „Frontex wird weiterhin alles tun, um so viele Leben wie möglich zu retten“, sagte Leggeri. „Aber es ist klar, dass wir es mit Schleusern zu tun haben, denen eindeutig nicht daran liegt, eine sichere Reise zu gewährleisten.“ Allein im Rahmen der Operation Triton seien in der vergangenen Woche .5400 Menschen aus der Mittelmeerregion zwischen Libyen und Italien gerettet worden.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Lage spitzt sich zu: 15.000 Flüchtlinge auf Lesbos gestrandet"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Auf dem Weg ins gelobte Land
    --------------------
    Auf Lesbos, Samos, Kos, Leros, Agathonisi und anderen kleineren Inseln warten Tausende von Menschen auf die Weiterreise zum Festland. Von dort wollen sie über die Balkanroute nach Westeuropa. Ihr Ziel ist vor allem Deutschland.
    Von den über Ungarn nach Österreich eingewanderten Flüchtlingen haben gerade einmal sechs in Österreich Asyl beantragt. Der Rest ist nach München weitergereist.

  • Zwischendurch mal eine Quizfrage: „Wo wollen die meisten, wenn nicht alle wohl hin???????????????“

    So schaffen wir noch ganz locker die Mio für dieses Jahr und je mehr hier ankommen desto größer sind die Begehrlichkeiten.
    Auch müssen dann noch die unverfrorenen Forderungen wenn auch z.T. durch Erpressung nach Familienzusammenführungen erfüllt werden.
    Dieser Andrang kommt über Europa wie ein Tsunami unhaltbar und alles vernichtend und zerstörend und sich noch verstärkend hereingebrochen wenn nicht umgehend gegengesteuert und dem Treiben ein Ende gesetzt wird. Denn diese Ausmaße die ja nicht nur ein Phänomen für dieses Jahr sind und dann ein Ende finden, nein es wird sich noch mal beschleunigen, eventuell in der kalten Jahreszeit etwas abflachen um dann bei besserer Witterung mit noch größerer Wucht zurück kehren.
    Nur sehr wenige sprechen oder stammeln die dt. Sprache wie man bei den wenigen Befragungen hören muß, daß einzige einiger ist ein grausames „pitchen English“ welches kaum jemand versteht. Aber alles „Fachleute“ nur einen eindeutigen Beleg und Nachweis der Qualifikation hat wohl kaum jemand gesehen.
    Wie werden mit einer ungeheuren Kraft von einer uns total fremden Kultur, aber selbst verschuldet von der Politik, als Volk in Dtl. und in ganz Europa über rollt,

  • zu Frau Elisabeth Goldman Artikel
    endlich mal nicht nur Gezeter sondern Klartext.
    gefällt mir
    schon Konfuzius sagte
    Wenn die Worte nicht stimmen, dann ist das Gesagte nicht das Gemeinte. Wenn das, was gesagt wird, nicht stimmt, dann stimmen die Werke nicht. Gedeihen die Werke nicht, so verderben Sitten und Künste. Darum achte man darauf, daß die Worte stimmen. Das ist das Wichtigste von allem.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%