Lampedusa-Drama

Rufe nach neuer Flüchtlingspolitik werden lauter

Die Schreckensmeldungen reißen nicht ab: Immer mehr Leichen werden aus dem vor der italienischen Küste gesunkenen Flüchtlingsschiff geborgen. Eine Diskussion über Konsequenzen für die Politik entbrennt.
Update: 07.10.2013 - 17:25 Uhr 15 Kommentare
Lampedusa: Rettungskräfte haben am Wochenende weitere Leichen geborgen. Die Zahl der Opfer stieg auf  derweil 194. Quelle: ap

Lampedusa: Rettungskräfte haben am Wochenende weitere Leichen geborgen. Die Zahl der Opfer stieg auf derweil 194.

(Foto: ap)

Rom/BrüsselEuropa setzt nach der Tragödie vor Lampedusa die Flüchtlingspolitik ganz oben auf die Agenda. Die EU-Innenminister werden am Dienstag in Luxemburg über Konsequenzen aus dem Drama mit mehr als 200 Toten beraten. Zahlreiche Politiker forderten einen grundlegenden Umbau der europäischen Einwanderungspolitik.

Die Bundesregierung wies Kritik an ihrer Asylpolitik zurück. Regierungssprecher Steffen Seibert widersprach am Montag dem Vorwurf, Deutschland nehme nicht genug Flüchtlinge auf. Deutschland tue das, „was seiner Größe und seiner Bevölkerungszahl in Europa entspricht“.

Vor der Küste der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa bargen Taucher am Montag 17 weitere Leichen. Die Zahl der Opfer stieg damit offiziell auf 211, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. In dem Schiffswrack in mehr als 40 Metern Tiefe werden jedoch noch weitere Tote vermutet.

Von den mehr als 400 Menschen an Bord des gesunkenen Flüchtlingsschiffes konnten nur 155 lebend gerettet werden. Bis auf einen Tunesier sollen sie aus Eritrea stammen. Das Schiff mit den Migranten war am Donnerstag vor der Insel in Flammen aufgegangen und gekentert.

Am Montag kamen weitere Migranten an den italienischen Küsten an. Etwa 200 Menschen wurden am Morgen vor der Küste Siziliens gerettet.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso kündigte an, am Mittwoch selbst nach Lampedusa zu reisen. Er werde vor Ort der Opfer gedenken und den Menschen in Lampedusa seine Unterstützung und die Solidarität Europas aussprechen, teilte die EU-Kommission mit.

CDU verlangt „umfassende Antwort“
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15 Kommentare zu "Lampedusa-Drama: Rufe nach neuer Flüchtlingspolitik werden lauter"

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  • Die hier geäußerten Meinungen sind so widerlich, dass ich mich allen ernstes fragen muss, ob Handelsblatt-online-Leser dumpfen NPD-Parolen verfallen sind... Trennung nach Ethnien, totale Abschottung, und ähnlicher Schwachsinn.

    Afrika wird nach wie vor ausgebeutet, die Schere zwischen Afrika und den reichen Ländern geht immer weiter auseinander. Die Menschen, die die Flucht nach Europa wagen sind bestimmt nicht faul und dumm, und wer bereit ist, Freunde und Familie hinter sich zu lassen und sein Leben zu riskieren, um nach Europa zu kommen, muss wohl einen sehr, sehr guten Grund dafür haben. NIEMAND tut dies weil er zu faul zum arbeiten ist.

    Und nur als kleiner Denkanstoss: Deutschland hat bestimmt kein Problem mit Über-Bevölkerung. Im Gegenteil hat Deutschland schon in einigen Jahren mit einem Mangel an Arbeitskräften zu kämpfen. Wir benötigen also Menschen, die Kinder bekommen möchten. Und dass Kinder von Immigranten inDeutschland ungebildet bleiben, ist eine eklatantes Versagen der Deutschen Politik, das seit 50 Jahren besteht. Vergleiche der Bildungsgerechtigkeit mit Skandinavien zeigen das deutlich.

    In diesem Sinne,
    Viel Spass beim Reflektieren.

  • "Menschen verteidigen nun mal auch ihr erwirtschaftetes Refugium."

    Richtig, aber auf wessen Kosten "erwirtschaften" denn die Industrieländer ihren Wohlstand?
    Es wird nur helfen den restlichen Millarden Menschen auf der Erde eben auch Wohlstand zu ermöglichen, damit sinkt automatisch die Geburtenrate.
    Wozu ist Europa Mitglied in der UN? Diktatoren und Menschenschinder abschaffen, dann braucht keiner mehr 7 Kinder um sich im Alter versorgt zu wissen, schont die Umwelt, schafft Besitz und den Willen das eigene Land zu bewirtschaften, geht mit modernen und auch wenig Mitteln sogar in der Wüste.
    Ansonsten haben die paar Billionäre, die nicht mal Steuern zahlen wo sie ihre Gewinne machen, noch die Möglichkeit ein großes Feuer unter ihre Papiergeldhaufen zu machen, statt mal wieder teile und herrsche zu spielen. Soylent Green scheint nicht mehr weit weg zu sein.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Gern würde ich Martin Schulz loben, denn die humanitäre Katastrophe verlangt ein Umdenken. Allerdings erscheint mir die wissentliche Unterschlagung der Ursachen für diese Katastrophe extrem hinderlich bei der Lösungsfindung zu sein. Die entscheidende Ursache für Armut, Not und Verteilungskämpfe sind die Kolonialverbrechen einiger EU-Mitgliedsländern - darunter Italien, dass sich nun seiner Opfer entledigen will. Den sehen wir den durch koloniale Ausplünderung menschenverachtend erworbenen Reichtum (prunkvolle Landsitze, finanziert ggf. sogar durch Sklavenhandel) führen uns sonntäglich die Heile-Welt-Filmchen vor. Wieso siedeln wir dort nicht die Opfer an, aus deren Blut die Üppigkeit heraus gepresst worden ist. Völlig zu Recht musste Deutschland für seine Verbrechen während der NS-Zeit Sühne leisten. Dieses Selbstverständnis wird in Brüssel leider bezüglich der Ursachen der Massenfluchten nicht diskutiert - auch nicht von Schulz. So unterbleibt angemessen umfangreiche Hilfe vor Ort seitens der ehemaligen Täterstaaten. Die Folge sind menschenunwürdige Zustände an den Tatorten. Tatorte, die ganze Staaten und Erdteile umfassen. Geschädigt von der Sühneverweigerung sind auch alle unbeteiligten Staaten durch verhinderte Exportchancen infolge Armut der Kaufinteressenten und Zuwanderungsdruck. USA und Deutschland sollten als in dieser Weise Betroffene gemeinsam Druck ausüben, damit die moralische Sühnepflicht endlich umfassend angenommen wird.

  • Es erscheint unaBDIngbar, die nachweislichen Verursacher der Massenflucht an den finanziellen Folgen zu beteiligen!

  • netshadow
    Es sind aber Menschen, und Menschen werden immer der Nahrung nachwandern, ob das Europa ist oder andere Länder.
    -------
    [...]

    Menschen verteidigen nun mal auch ihr erwirtschaftetes Refugium.
    Auch ihr Steuergeld,das sie mühsam aufbringen und nicht jeden dahergelaufenen hinterherschmeißen wollen..
    [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die "Entwicklungshilfe" sollte in der ersten Phase ausschlißlich aus Hilfe zur Sexualaufklärung und Geburtenreduzierung bestehen; [...]
    [...] Während die Menschen, die über das Problem Übervölkerung nachdenken, sich bei der Zahl ihrer Nachkommen zurücknehmen, [...]
    Es ist geradezu sträflich, wie das Kernproblem Übervölkerung totgeschwiegen, verdrängt und verharmlost, ja sogar abgeleugnet wird.
    Jedes Land sollte seine Bevölkerung der optimalen Einwohnerzahl anpassen - Bevölkerungsüberschuß war schon immer nur dazu da andere - neue - Länder zu erobern oder andere Leute (zwangs-) zu bekehren! Ein Volk das friedlich ist/ sein will, wächst zuerst einmal nicht!

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • "Es ist traurig aber wahr, wir und vor allem nicht Europa können die Welt nicht retten, wir können dazu betragen durch fairen Handel etc. aber ansonsten müssen die Menschen in ihren Ländern bleiben, einmal wegen der kulturellen Unterschiede vor allem aber auch weil sonst aus dem gelobten Land schnell eine Hölle wird, und auch weil die Menschen hier in Europa sich das ganze irgendwann nicht mehr gefallen lassen"

    Dagegen spricht doch auch nichts.
    Es sind aber Menschen, und Menschen werden immer der Nahrung nachwandern, ob das Europa ist oder andere Länder. Die USA haben dasselbe Problem, auch das ist ein Einwanderungsland. Und das sind alle EU-Staaten auch, ob man es wahr haben will oder nicht.
    Die Arbeitslosen werden nie wirklich weniger werden, wovon träumen Sie denn eigentlich? Aber warum wird die Arbeit nach Fernost exportiert, und nicht auch weiter südlich, quasi vor die Haustür?
    Wirtschaftsflüchtlingen kann man doch nur beikommen, wenn tatsächlich die Wirtschaft dort, wo die Flüchtlinge herkommen, ankurbelt.
    Ich lasse mir doch nicht von Finanzjongleuren, Diktatoren und anderen "Großmächten" meine Menschlichkeit diktieren, in dem ich mir eine Kultur- und Religionsdiskussion und auch noch eine Quotenregelung für Armut aufzwingen lasse.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Gegen die 155 Überlebenden soll wegen illegaler Einwanderung ermittelt werden
    _________________

    Und dann fordert Schulz eine gerechtere Verteilung der Asylanten....das ist doch total am Punkt vorbei.

    Oder will er jetzt das Konzept "illegale Einwanderung" streichen?

    Mit einer anderen Verteilung kann man die illegale Einwanderung nicht stoppen!

    Ob dieser Impuls/Gedanke schon mal sein Reptiliengehirn verlassen hat und durchgedrungen ist, zu den höheren kognitiven Funktionen?

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