Land-Angriffe
Deutscher Admiral will Anti-Piraten-Kampf ausweiten

Die jüngsten Übergriffe von Piraten auf zwei Supertanker vor der Küste Somalias, steigende Lösegeldzahlungen und die mangelnde Durchsetzung des Waffenembargos gegen Somalia beunruhigen den deutschen Marineinspekteur Wolfgang Nolting. Der Chef der Deutschen Seestreitkräfte, kritisiert Defizite und Hindernisse im Kampf gegen Seeräuberei.
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BERLIN. Zusehends werde klar, dass der jetzige Kampf auf See nicht reiche, um die Piraterie zu beenden. "Sie schießen schneller und zunehmend mit Panzer brechenden Waffen", sagte Nolting dem Handelsblatt: "Der Kampf gegen die Piraterie ist nur effektiv, wenn man auch an Land gegen sie vorgeht". Das sei in Somalia nicht der Fall. "Da will keine Macht rein."

Auch der deutsche Auftrag im Rahmen der EU-Operation "Atalanta" ist nach Auffassung des Marineinspekteurs nicht optimal: "Der Auftrag der Marine ist es nur, Piratenübergriffe zu verhindern, nicht die Piraterie zu bekämpfen." Anders als etwa Frankreich, wo es keine strikte Trennung von Polizei und Militär gibt und die Gendarmerie militärische Aufgaben übernimmt, dürfen die Deutschen am Horn von Afrika nicht strafverfolgend aktiv werden. "Wir haben ein deutsches Dilemma. Selbst wenn die Nato-Verbände eine Verfolgung anordnen, dürfen wir nach unserem Mandat nicht teilnehmen." Der Uno-Sicherheitsrat hat gestern das Mandat zur Bekämpfung der Piraterie um ein Jahr verlängert.

Nolting kritisierte auch die verbreitete Haltung der Reeder, keine Soldaten auf ihre Schiffe zu lassen und somit dem Militär abschreckende Wirkung zu versagen: "Hier sind die Reeder gefragt. Es wäre eine wirksame Gegenmaßnahme gegen Piraterie. Aber aus Angst vor Eskalation verhindern Reeder dies. Wir haben keine Möglichkeit, das zu erzwingen." Besonders jene Reeder, die Kreuzfahrten organisieren, müssten sich neue Routen aussuchen, so Nolting. "Es kann nicht sein, dass es eine Art Piraterie-Tourismus gibt, in dem Schiffe ganz bewusst die gefährlichen Regionen vor Afrika ansteuern."

Beschluss des Bundestags

Der Deutsche Bundestag hat am 19. Dezember 2008 beschlossen, dass sich Deutschland an der Anti-Piraterie-Mission der EU beteiligt. Diese erste maritime Mission der Europäischen Union, "Atalanta", verfolgt das Ziel, die Piraten am Horn von Afrika und im Seegebiet bis zu 500 Seemeilen vor der Küste Somalias und seiner Nachbarländer abzuschrecken und die Seeräuberei einzudämmen. Nicht nur vor Somalias Küste und dem Horn von Afrika sieht Nolting einen gesteigerten Bedarf an Marineinterventionen. Zwar sei der Indische Ozean die für die weltweite Sicherheit und für den Welthandel bedeutendste Region, aber auch im "hohen Norden" Europas zeichnen sich dem Marineinspekteur zufolge neue Einsätze ab. "Die deutsche Marine wird schon bald - als Folge der Eisschmelze - neue Passagen kontrollieren müssen, und dort auf den neuen Seewegen zunehmend Transporte von Rohstoffen, Öl und Erdgas sichern müssen." Neue Handelswege, neue Pipelines, insgesamt die Energiesicherung werde ebenso des militärischen Schutzes bedürfen wie die "Verteidigung der Weltordnung" im Norden Europas.

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  • Zum Thema Marinehubschrauber:

    Wer den kanadischen Marinehubschrauber als goldene Alternative heranzieht, verschließt vor der Realität die Augen.
    Die Kanadier - bei denen der MH-92 entgegen der Deutung des Autors noch lange nicht fliegt - haben enorme Probleme bei der Einführung des Hubschraubers. Dieser wird zunehmend schwerer und vor Allem von Jahr zu Jahr teurer. Die kanadische Marine kann sich glücklich schätzen, wenn sie nächstes Jahr überhaupt eine initial Operational Capability (iOC) Konfiguration erhalten kann. Die kanadische Fachpresse berichtet kontinuierlich über Probleme des bestellten Marinehubschraubers.
    Ein beispiel:
    Das Hauptgetriebe erfüllt bei weitem nicht die geforderten Trockenlaufeigenschaften, was bereits zu tödlichen Abstürzen geführt hat. Weitergehende Details würden jetzt zu weit führen.
    Will sagen:
    Die industrie durch einen offenen Wettbewerb zum Entgegenkommen zu bewegen ist sicherlich ein guter Ansatz, doch bei der beschaffung eines neuen Hubschraubers - der mindestens 30 Jahre in der Marine fliegen wird - sollte jetzt kein Schnellschuss in die falsche Richtung erfolgen.
    Vergleichen ja, aber dann bitte auch nachhaltig und fundiert.

  • Sehr geehrter Herr Admiral Nolting,
    ich möchte sie bitten den ball flach zu halten, sie werden noch früh genug ihren Kriegseinsatz erhalten. Haben sie das Fiasko der USA schon vergessen? Sie als Admiral sollten nicht voreilig nach neuen Aufgaben rufen. Man sollte die jetzt gültigen befehle richtig umsetzen. Waren sie nicht bei der Ausarbeitung des Einsatzes der Deutschen-Marine beteiligt? Also Herr Admiral bitte den ball flachhalten.

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