land droht mehr und mehr beschleunigte Abwanderung ausländischer Fachkräfte
Analyse: Saudi-Strategie greift nicht

Weder die zahlreichen Razzien der vergangenen Monate noch die Festnahme extremistischer Geistlicher konnten den El-Kaida-Sumpf im Islamischen Königreich austrocknen. Im Gegenteil.

HB BAGDAD/RIAD. Das Geiseldrama in der saudiarabischen Ölstadt El Chobar macht deutlich, dass die Anti-Terror-Strategie des Königshauses nicht greift. Weder die zahlreichen Razzien der vergangenen Monate noch die Festnahme extremistischer Geistlicher konnten den El-Kaida-Sumpf im Islamischen Königreich austrocknen. Im Gegenteil: Die Anschläge, die sich gegen jegliche westliche Präsenz und gegen den staatlichen Sicherheitsapparat richten, haben seit Anfang des Jahres sogar zugenommen. Nach Einschätzung westlicher Beobachter in Saudi-Arabien liegt das auch daran, dass die Prinzen nicht konsequent gegen die Kultur der religiösen Intoleranz vorgehen, aus der diese blutrünstige Variante des politischen Islam hervorgegangen ist.

Zwar wurden im Fernsehen Religionsgelehrte vorgeführt, die nach einer Zeit der „Läuterung“ im Gefängnis plötzlich erklärten, sie hätten sich leider geirrt, die Ermordung saudiarabischer Polizisten sei wohl doch nicht von Gott gewollt. Doch letztlich fahren die saudischen Herrscher nach Ansicht arabischer Terrorexperten jetzt die bittere Ernte ihrer eigenen anti-westlichen Propaganda ein. Dieses über die staatlichen Schulen und das mit dem Königshaus verbandelte Establishment der Religionsgelehrten jahrzehntelang verbreitete Bild vom dekadenten Westen mit seinen „Ungläubigen“ lässt sich nun nicht mit einem Handstreich wegwischen. Neben einer militärischen Anti-Terror-Strategie sei es auch notwendig, mit dem Rotstift durch die Lehrbücher zu gehen, meint der saudiarabische Politikwissenschaftler Abdullah el Otaibi.

In den Augen der Reformer reicht es eben nicht aus, dass der Kronprinz Abdullah Ibn Abdelasis wie nach jedem Anschlag reflexartig Drohungen ausstößt: „Diese korrupte und (vom rechten Weg des Islam) abgewichene Gruppierung muss ausgerottet werden.“ Gleichzeitig droht er auch den schweigenden Sympathisanten der Terroristen, deren passive Komplizenschaft es für die Sicherheitskräfte fast unmöglich macht, den Extremisten beizukommen: „Diejenigen, die schweigen über (die Taten der) Terroristen, werden als Mittäter angesehen werden“.

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