Landesweite Mahnwachen fordern Abzug der US-Truppen – Republikaner sorgen sich um Wahlchancen
Protest gegen Bushs Irak-Kurs wächst

US-Präsident George W. Bush steht unter wachsendem öffentlichen Druck, die Truppen aus dem Irak abzuziehen. In der Nacht zum Donnerstag gedachten Zehntausende Menschen mit landesweiten Mahnwachen der mehr als 1 800 US-Soldaten, die bisher im Irak ihr Leben verloren.

tor/HB NEW YORK/MOSKAU.In Washington wurde bekannt, dass ranghohe Beamte noch kurz vor dem Einmarsch in den Irak vor gravierenden Lücken in der Nachkriegsplanung gewarnt hatten. Dies geht aus bislang unter Verschluss gehaltenen amtlichen Dokumenten hervor. Russlands Präsident Wladimir Putin mahnte einen Zeitplan für den Rückzug ausländischer Truppen an.

Täglich neue Anschläge, eine wachsende Zahl von Toten und die immer noch nicht verabschiedete Verfassung haben selbst bei eingefleischten Republikanern zu einer deutlichen Ernüchterung geführt.

„Keiner ist glücklich über die Lage. Und den republikanischen Kandidaten hilft das sicher nicht“, sagte John Duncan, Abgeordneter des Repräsentantenhauses aus Tennessee. Duncan hat wie andere Republikaner bereits die Halbzeitwahlen zum Kongress im November 2006 im Kopf. „Wenn wir Irak dann immer noch vor der Windschutzscheibe haben, wird es Probleme geben“, prophezeit der konservative Politikberater Grover Norquist.

Die Republikaner verfügen sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat über große Mehrheiten. Dennoch könnten die oppositionellen Demokraten in wichtigen Schlüsselstaaten wie zum Beispiel Pennsylvania Boden gutmachen. Bush selbst spürt den Unmut im Land schon geraume Zeit. Seine Zustimmungsrate liegt nach den letzten Umfragen nur noch bei 42 Prozent – der absolute Tiefpunkt in seiner Amtszeit. Nur noch ein Drittel der US-Bürger glaubt, dass der Präsident die Lage im Irak im Griff hat.

Newt Gingrich, der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses, forderte Bush auf, eine „Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede“ zu halten. Mit der ständigen Versicherung, man sei auf dem richtigen Weg, könne man die Bevölkerung nicht mehr hinhalten. Politische Beobachter halten es gar für möglich, dass der Irak auch noch die Präsidentschaftswahl 2008 dominieren und sich innerhalb der Republikaner ein „Anti-Kriegs-Kandidat“ um die Kandidatur bemühen könnte. Der demokratische Senator Russ Feingold forderte, den 31. Dezember 2006 als Datum für das Ende des Militäreinsatzes am Golf festzulegen.

An den rund 1 600 Mahnwachen nahmen mehr als 60 000 Bürger in allen 50 Bundesstaaten teil, berichtet die Bewegung MoveOn.org, die den Demokraten nahe steht. Die Menschen schlossen sich dem Protest von Cindy Sheehan, der Mutter eines getöteten Soldaten an, die inzwischen als Verkörperung der Kritik an der Irak-Politik gilt. Sheehan harrt seit dem 6. August vor der Ranch von Bush aus. Sie fordert ein Gespräch mit dem Präsidenten und einen Rückzug der US-Soldaten.

Immer mehr Demonstranten hatten sich in den vergangenen Tagen in Sheehans Lager vor der Bush-Ranch versammelt. Die Aktivitäten der Demonstranten erregten aber auch Unmut unter einigen Anwohnern. Ein Autofahrer fuhr über die Kreuze, die zur Erinnerung an die gefallenen Soldaten aufgestellt worden waren.

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