Landtagswahl
Jörg Haider geht in Wien gegen seine Ex-Partei unter

Nach der Spaltung im April schon totgesagt, hat die FPÖ gegen ihren einstigen Vorsitzenden Jörg Haider im Bundesland Wien einen Überraschungserfolg eingefahren: Mit rechten Parolen und offen zur Schau gestellter Fremdenfeindlichkeit langte es für 15 Prozent der Stimmen.

HB WIEN. FPÖ-Frontmann Heinz-Christian Strache ging in Wien mit Slogans wie „Arbeit statt Zuwanderung“ oder "Herr im eigenen Haus bleiben" erfolgreich auf Stimmenfang. Ein Triumph, der die politische Konkurrenz schockierte und Meinungsforscher überraschte.

Für den Ex-FPÖ-Vorsitzenden und Kärntner Ministerpräsidenten Jörg Haider, der die Rechtsnationalen nach der Gründung seines „Bündnis Zukunft Österreich“ (BZÖ) verlassen hatte, wurde die dritte Landtagswahl innerhalb von drei Wochen zum erneuten Debakel. Nur rund ein Prozent der Wähler wollte dem einst so zugkräftigen Rechtspopulisten - wie schon in der Steiermark - noch die Stimme geben. Im Burgenland, wo Straches FPÖ ebenfalls wieder in den Landtag einzog, war das BZÖ mangels Kandidaten erst gar nicht angetreten.

„Haider ist Geschichte“, rief ein strahlender Strache am Sonntagabend seinen Anhängern entgegen. Und kein Kommentator wollte ihm am Montag widersprechen. Der Politiker, der die „Freiheitlichen“ bei den Nationalratswahlen 1999 zur zweitstärksten Kraft gemacht hatte, scheint politisch am Ende. Haider muss nach Einschätzung aller Experten ernsthaft fürchten, spätestens nach der im Oktober 2006 fälligen Parlamentswahl in die politische Bedeutungslosigkeit zu fallen. Kein gutes Omen auch für Kanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP), der mit dem BZÖ noch bis zur Wahl regieren will.

Haiders Bündnis, das zurzeit nur noch in Kärnten Rückhalt findet und im Nationalrat von den drei Ex-FPÖ-Ministern getragen wird, hat seit seiner Gründung weder die Anhänger, noch Sponsoren gewonnen, um einen erfolgreichen Wahlkampf zu finanzieren. Sein Versuch, das rechte Image abzustreifen, ist daneben gegangen: Umfragen bestätigen, dass kaum ein Österreicher weiß, wofür das BZÖ steht.

Anders sein politischer Zögling Strache, der es geschafft hat, die Parteistruktur der FPÖ zu erhalten. Strache führte in Wien einen Wahlkampf mit Sprüchen, die den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Wiens, Ariel Muszikant, an die Nazi-Parolen in den 20er und 30er Jahren erinnerten. „Deutsch, statt „nix verstehen““ oder „Freie Frauen statt Kopftuchzwang“: Eine Sprache, die nach Wahlanalysen vom Montag in Wien vor allem bei der Arbeiterschaft ankommt.

Strache selbst schien am Wahlabend vom Ergebnis trotz des Verlusts von fünf Prozent gegenüber 2001 überrascht und sprach von der „Wiedergeburt“ der FPÖ. Dass Experten wie der Politikwissenschaftler Anton Pelinka den von ihm geführten Wahlkampf als „widerwärtig“ bezeichnen, stört ihn nicht. Den Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit wies er „entrüstet“ zurück. Er wolle doch nur, „dass Österreicher im eigenen Land nicht länger Bürger zweiter Klasse“ seien.

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