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Langstreckenraketen: Nordkorea lässt neue Raketenrampe verfallen

Vor zwei Jahren begann Nordkorea mit dem Bau einer Abschussrampe für hochmoderne Langstreckenraketen. Nun wächst Gras über die Rohbauten. Steckt Geldmangel dahinter? Oder eine politische Entscheidung?

Nordkoreas ganzer Stolz sind die Waffen - wie diese Sohae-Raketenrampe an der Nordwestküste. Doch eine neue Abschussbasis zerfällt nun. Warum nur? Quelle: dpa
Nordkoreas ganzer Stolz sind die Waffen - wie diese Sohae-Raketenrampe an der Nordwestküste. Doch eine neue Abschussbasis zerfällt nun. Warum nur? Quelle: dpa

Nordkorea lässt Satellitenbildern zufolge seit acht Monaten die Arbeiten an einer neuen Abschussbasis für hochmoderne Langstreckenraketen ruhen. Dies ergibt sich aus einer Auswertung der Bilder, die der Nachrichtenagentur AP vorliegt. Der Baustopp könnte aus Sicht von Beobachtern ein Zeichen sein, dass die Regierung in Pjöngjang sein international verurteiltes Raketenprogramm verlangsamt oder gar ganz gestoppt hat.

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Auf 26 Satellitenbildern der US-Firmen Digital Globe und Astrium ist zu sehen, dass auf dem Gelände der Raumfahrtbasis Tonghae im Nordosten des Landes seit acht Monaten nicht an den halbfertigen Straßen weitergebaut wird und Gras in den Rohbauten der Anlage wächst. Diese sollt es Nordkorea ermöglichen, eine neue Generation von Langstreckenraketen abzufeuern. Die Bilder wurden von 38 North, der Webseite des US-Korea-Institutes an der John-Hopkins-Universität, analysiert und an die Nachrichtenagentur AP übermittelt.

Unklar blieb zunächst, ob der Baustopp von Dauer ist und was die Gründe dafür sind. Die Arbeiten hatten erst 2011 begonnen. Nordkorea hüllt sich im Bezug auf seine Waffenprogramme grundsätzlich in Schweigen. Eine mögliche Theorie ist, dass die Bauarbeiter, die vergangenes Jahr von der Abschussbasis zu Aufräumarbeiten nach schweren Regenfällen abkommandiert wurden, noch anderswo eingesetzt werden. Eine andere spekuliert über eine etwaige Entscheidung der nordkoreanischen Führung, dass die modernere Sohae-Raketenrampe an der Nordwestküste, von der im April und Dezember 2012 Raketen abgefeuert wurden, für das Langstreckenraketenprogramm ausreicht.

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Die für den Westen interessanteste Variante wäre allerdings, wenn der Baustopp bedeuten würde, dass Pjöngjang weniger oder gar keine Langstreckenraketen mehr bauen will. „Wenn Pjöngjang Einrichtungen zum Abschuss großer Raketen aufgibt, mit deren Bau es erst 2011 begonnen hat, könnte das wichtige Folgen für das Raumfahrtprogramm sowie die Entwicklung von Langstreckenraketen haben, die Atomwaffen transportieren sollen“, sagt Joel Wit, ehemaliger Mitarbeiter des US-Außenministeriums und jetzt Redakteur von 38 North.

Ein anderer Analyst mutmaßt, dass der Stopp der Bauarbeiten ein Versuch Nordkoreas ist, die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel abzubauen. Diese hatten im März und April stark zugenommen, als der Norden Südkorea und den USA mit Atomwaffenangriffen und Krieg drohte. Zuvor hatte Nordkorea sowohl Raketen als auch Nuklearwaffen erfolgreich getestet und war deshalb mit neuen UN-Sanktionen belegt worden.

„Nordkorea könnte zu dem Schluss gekommen sein, dass es durch Konfrontation nichts gewinnen kann“, sagt Ohm Tae Am vom staatlichen Korea-Institut für Verteidigungsanalysen in Südkorea. Ein weiterer Grund könnte auch die darniederliegende nordkoreanische Wirtschaft sein: Damit könnte Geld für die Anlage fehlen.

Auch wenn Nordkorea den Bau an der Abschussrampe wieder aufnehme, könnte sie möglicherweise erst 2017 fertiggestellt werden, mindestens ein Jahr später als bisherige Schätzungen, heißt es in der Analyse von 38 North. Seit 2006 hat Nordkorea drei Atomwaffen von offensichtlich zunehmender Kraft getestet und eine Reihe von Langstreckenraketen erfolgreich gestartet. Die Führung in Pjöngjang beharrt darauf, dass sie mit den Raketen nur Satelliten zur friedlichen Nutzung in den Erdorbit bringen will.

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