Langzeitwettervorhersage
Mediterranes Strandleben in Cornwall

Der britische Umweltminister Hilary Benn hat am Donnerstag die Langzeitwettervorhersage für das 21. Jahrhundert veröffentlicht. Im Internet können sich die Briten nun auf interaktiven Landkarten genau ansehen, wie sich das Klima ihrer Nachbarschaft in den nächsten 50 Jahren entwickelt – bis auf 25 Quadratkilometer genau.

LONDON. Das Klimaforschungszentrum des Britischen Wetterdienstes Met Office und das Ministerium haben mit den Klimaprojektionen den „umfassendsten Datensatz der Welt mit Klimavorhersagen“ aufbereitet und lokalisieren Gefahren wie Wasserknappheit und Fluten, Hitzewellen, Trockenheit, aber auch angenehme Entwicklungen wie warme Sommernächte und milde Winter. In Kent wird Champagner angebaut. In Cornwall dürfte sich ein mediterranes Strandleben entwickeln.

„Sie sagen das Wetter für 2080 voraus und bringen nicht einmal einen richtigen Vorhersage für morgen zustande“, warf ein Anrufer eines Londoner Lokalsenders skeptisch ein. „Es stimmt, wir können die Zukunft nicht mit absoluter Sicherheit vorhersagen, aber wir können versuchen, uns mit unseren Planungen darauf einzustellen“, erklärte Umweltminister Hilary Benn. Er will die Leute nicht vor den Kopf stoßen, sondern „eine riesige Debatte darüber anstoßen, wie wir uns für den Klimawandel rüsten können“.

Über 100 britische Behörden, darunter Polizei, Armee und die Gesundheitsdienste müssen auf Grundlage der Studie nun Aktionspläne entwickeln oder aktualisieren. Im Agrarland von Lincolnshire wird das Wasser für Kartoffel- und Weizenfeldern ausgehen. Bis zu 60 Prozent der Niederschläge werden fehlen.

Weite Teile von Norfolk werden vom Meer überflutet. Landesweit wird sich die Zahl der Wohnungen in Überschwemmungsgebieten nach den neuen Karten verdoppeln. London muss sich in 30 Jahren auf regelmäßige Hitzewellen von über 40 Grad Celcius einstellen – mit enormen Folgen für die Gesundheitsdienste. Es bilden sich „urbane Hitze– inseln“, die sich nachts nicht mehr abkühlen, weil die Häuser und Straßen die Hitze wie Heizkörper speichern. Die Folgen sind Umschichtungen im Energieverbrauch – gebraucht wird mehr Strom für Klimaanlagen und weniger Gas und Öl für die Winterheizung.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%