Last für die Bürger
Spanien erhöht die Mehrwertsteuer

In Spanien tritt an diesem Samstag eine Erhöhung der Mehrwertsteuer in Kraft. Für die Bewohner des krisengeschüttelten Landes bedeutet das erhebliche Mehrausgaben. Manche Branchen trifft die Erhöhung besonders hart.
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Madrid.Der eine geht noch rasch zum Friseur, der andere kauft sich vor Monatsende ein neues Auto. In Spanien werden von diesem Samstag (1. September) an viele Produkte und Dienstleistungen teurer. Dann tritt in dem von Schulden und Arbeitslosigkeit geplagten Land die Erhöhung der Mehrwertsteuer in Kraft. Benutzer von Fitness-Studios haben im August noch rasch die Gebühren für mehrere Monate im Voraus bezahlt. In Katalonien kamen Veranstalter von Musikfestivals gar auf die Idee, Eintrittskarten schon jetzt zu verkaufen, obwohl die Konzerte erst im nächsten Frühjahr stattfinden und noch gar nicht fest steht, welche Musiker dort auftreten werden.

In Spanien scheint kurz vor der Steueranhebung ein Konsumrausch zu herrschen. Aber der Eindruck täuscht. „Zum Monatsende ist ohnehin kein Geld da für größere Einkäufe“, sagt eine Madrider Angestellte. Nach Angaben der Branchenverbände ist es nur eine kleine Minderheit unter den Spaniern, die geplante Anschaffungen vorzieht.

Die Supermarktkette Mercadona hatte schon vor Wochen angekündigt, die Steuererhöhung vorerst nicht an die Kunden weiterzugeben. Konkurrenten wie Eroski oder Lidl folgten. In vielen Bereichen dürfte nach dem 1. September zunächst kaum eine Verteuerung zu spüren sein. Die Preise werden nach Erwartung von Experten vielmehr im Laufe der Zeit schrittweise angehoben werden.

Der normale Satz der Mehrwertsteuer steigt von 18 auf 21 und der ermäßigte von 8 auf 10 Prozent. Die „super-ermäßigte“ Steuer für Grundnahrungsmittel oder Bücher bleibt bei 4 Prozent. Am ärgsten betroffen sind die Eltern von Schulkindern, denn der Satz für Schulbedarf wie Hefte oder Stifte wurde von 4 auf 21 Prozent heraufgesetzt - und das zu Beginn des neuen Schuljahrs.

Hart getroffen fühlt sich auch die Kultur- und Freizeitindustrie. Kino- und Konzertkarten sowie der Besuch von Diskotheken oder Fitness-Studios werden künftig nicht mehr mit 8, sondern mit 21 Prozent besteuert. 4000 Betriebe der Kulturbranche schickten einen Protestbrief an Ministerpräsident Mariano Rajoy und warnten vor einem „erschütternden Szenario“: Den Kinos, Theatern und Konzerten gingen 43 Millionen Besucher im Jahr verloren, 20 Prozent der Betriebe müssten schließen, und 4200 Beschäftigte verlören ihre Jobs, heißt es in den Schreiben.

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Rajoy musste Versprechen brechen

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  • Da Spanien bei den direkten Steuern nicht zugreifen will (z.B. bei den SICAV) oder nicht zugreifen kann (wegen Steuerhinterziehung), müssen eben die indirekten Steuern erhöht werden.
    Und da in Spanien jede Menge Geld in den Konsum und wenig in Investitionen fließt, ist es nur sachgerecht, Umsatzsteuer zu erhöhen.

    Herr Rajoy sollte außerdem erklären, wie der explodierende Targetsaldo Spaniens zustande kommt. Durch massive Importe mitten in der Rezession wohl nicht. Wohl eher durch massiven Abfluss spanischer Anlagegelder nach Deutschland.

  • Mindestlohn Spanien sie Dumpfback
    Für 2012 liegt der Mindestlohn bei 21,38 €/Tag, 641,40 €/Monat plus 2 Extrazahlungen und bei 8979,60 €/Jahr (bei 14 Monatsgehältern).[112] Dies entspricht etwa 748,30 €/Monat bei 12 Monatsgehältern pro Jahr.

  • @Rechner

    Korrekt ! Wobei Waltraud, Reiner, hallo-magritt, hans und wie die Type sich sonst noch nennt eh immer dieselbe arme Gestalt ist.

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