Lateinamerika-Reise
Bush versucht Mexikaner zu besänftigen

Mexiko und die Vereinigte Staaten wollen gemeinsam stärker gegen die organisierte Kriminalität vorgehen. US-Präsident George W. Bush musste sich beim Besuch beim südlichen Nachbarn allerdings eine Menge anhören. Er versuchte die Mexikaner unter anderem mit Zusagen zu einer Lockerung des Einwanderungsrechts zu besänftigen.

MERIDA. „Wir haben heute eine neue Etappe unserer Beziehung begonnen, die auf gegenseitiger Verantwortung beruht“, sagte Calderón bei einem Abendessen zu Ehren Bushs am Dienstagabend in Mérida auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan. Vor allem den Drogen- und Waffenhandel wollen beide Staaten eindämmen. Bush sagte seinerseits zu, die Nachfrage nach Drogen in seinem Land zu verringern.

In einem inhaltlich angespannten Klima war der US-Präsident am Montag zu der letzten Station seiner sechstägigen Lateinamerikareise eingetroffen. Der seit drei Monaten amtierende Präsident Calderón kritisierte in den vergangenen Tagen wiederholt die Unausgewogenheit des nachbarschaftlichen Verhältnisses. „Wir wollen eine Beziehung gegenseitigen Respekts und nicht der Unterordnung“. Mexiko ist die längste und wichtigste Station von Bushs Reise in fünf Länder. Im Mittelpunkt der zweitägigen Visite standen die Themen Einwanderung, Drogenkriminalität und Handel.

Bush sagte Mexiko zu, sich für eine Lockerung des Einwanderungsrechts in seinem Land einzusetzen. „Ich werde mein Möglichstes tun, um eine umfassende Immigrationsreform zu erreichen“. Die Einwanderungsreform, das größte Konfliktthema zwischen beiden Ländern, ist im US-Kongress blockiert, weshalb Bush den mexikanischen Wunsch nach einem Gastarbeiterprogramm und durchlässigeren Grenzen nicht erfüllen kann.

Calderón übte bei dem Treffen mit Bush offen Kritik an den USA. Migration könne nicht per Dekret gestoppt werden, betonte er. „Zur Verhinderung der Auswanderung wäre es besser einen Kilometer Straße in einem armen mexikanischen Bundesstaat zu bauen als zehn Kilometer Grenzzaun in Texas oder Arizona“.

Der jüngst vom US-Kongress beschlossene Ausbau der Sicherungsanlagen entlang weiter Teile der 3 200 Kilometer langen Grenze empfinden die Mexikaner als Demütigung und einen Schlag ins Gesicht unter Partnern. Mexiko ist in Lateinamerika der wichtigste Partner der USA. Gemeinsam mit Kanada sind beide Staaten seit 1994 in der Nordamerikanischen Freihandelszone Nafta vereint. Seither hat sich der bilaterale Handelsaustausch verdreifacht und belief sich vergangenes Jahr auf 332 Mrd. Dollar. Mexiko wickelt fast 90 Prozent seines Außenhandels mit den USA ab, wo 17 Millionen Mexikaner leben, drei bis vier Millionen unter ihnen ohne die notwendigen Papiere.

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