Lauschangriff in Paris
Sarko im multiplen Abhörstress

Ist Frankreichs Ex-Präsident ein rücksichtsloser Gauner oder Opfer einer ruchlosen Justiz? Hat sich Sarkozy vom libyschen Diktator Gaddafi den Wahlkampf finanzieren lassen? In Paris gibt es kunterbunte Komplott-Theorien.
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ParisMit scharfen Worten hat sich Frankreichs Premier Jean-Marc Ayrault gegen Vorwürfe der konservativen Opposition verwahrt, Ex-Präsident Nicolas Sarkozy sei mit Wissen und Billigung der Regierung abgehört worden. „Die Opposition versucht, die Arbeit der unabhängigen Justiz zu behindern und das Vertrauen der Bürger in die Gewaltenteilung zu zerstören“, griff der Premier zur besten Sendezeit die Konservativen an. Die Tatsache, dass er sich extra in die Nachrichtensendung des Senders France 2 begab, zeigt aber, dass die Regierung die Angelegenheit ernst nimmt.

Für Außenstehende ist mittlerweile kaum noch nachzuvollziehen, um was es geht, da innerhalb weniger Tage bekannt wurde, dass Sarkozy von den verschiedensten Leuten mit unterschiedlichen Medien auf allen möglichen Kanälen abgeschöpft wurde. Sarko steht gewissermaßen im Zentrum eines multimedialen Lauschangriffs. Zuerst erfuhren die erstaunten Beobachter, dass Sarkos engster Polit- und Wahlkampfberater Patrick Buisson über Jahre hinweg interne Gespräche im Elysée-Palast heimlich aufzeichnete, als Sarkozy noch dort residierte. Dabei ging es möglicherweise nicht nur um Carla Brunis Kontostand, sondern auch um Staatsgeheimnisse.

Weniger als eine Woche später kam heraus, dass auch am Mobiltelefon mitgehört und mitgeschnitten wurde, was Sarkozy von sich gab – diesmal allerdings auf Anweisung von zwei Untersuchungsrichtern. Die sollen herausfinden, ob der Ex-Präsident seine Wahlkampagne 2007 mit Millionen aus dem Vermögen des damals noch quicklebendigen libyschen Diktators Gaddafi finanzierte. Was heute, Jahre nachdem Sarko den durchgeknallten Diktator aus dem Amt bombte, wie eine groteske Erfindung wirkt, hat durchaus realen Gehalt. Immerhin hat Sarkozy sofort nach seiner Wahl 2007 Verhandlungen mit Libyen über die Lieferung eines Atomreaktors aufgenommen, der eine Entsalzungsanlage antreiben sollte. Gaddafi hatte also enge Kontakte zu dem Politiker, der ab 2007 für fünf Jahre Präsident der Republik wurde, und es nicht völlig abwegig, dass er ihm einen Gefallen tun wollte.

Der Klärung der Frage, ob Sarko, der selber Anwalt ist, tatsächlich Wahlkampfhilfe aus Libyen erhielt, was er stets abgestritten hat, diente die Abhörung der Telefonate mit seinem Anwalt und engen Vertrauten Thierry Herzog. Schon kurz nachdem die Aktion startete, wurden Sarkozy und Herzog aber von einem hohen Justizmitarbeiter gewarnt. Sie kauften schnell anonym zwei neue Handys mit Prepaid-Karten, die sie wie Walkie-Talkies benutzten, also ausschließlich für Gespräche miteinander. Eine Technik, die weniger von Anwälten als von Mitgliedern der organisierten Kriminalität angewandt wird, um dem Abhören zu entgehen. Das funktioniert allerdings nur, wenn die beiden Partner extrem diszipliniert sind, also keine anderen Nummern anrufen, und außerdem die auf den normalen Handys mitlauschenden Schlapphüte geschickt in die Irre führen, indem sie so tun, als würden sie ihre Gespräche ahnungslos weiterführen.

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