Laut Anwalt
Manning ersucht Obama um Begnadigung

35 Jahre Haft muss Wikileaks-Informant Bradley Manning laut seinem Urteil absitzen. Doch der Whistleblower hofft auf Strafminderung, er hat ein Gnadengesuch bei Barack Obama eingereicht – das Weiße Haus reagiert kühl.
  • 53

Fort MeadeDer zu 35 Jahren Haft verurteilte Wikileaks-Informant Bradley Manning hat US-Präsident Barack Obama um eine Begnadigung gebeten. Mannings Anwalt David Coombs sagte am Mittwoch in Fort Meade, dass sein Mandant zumindest auf eine Herabsetzung des Strafmaßes hoffe. In einer Botschaft von Manning an Obama, die Coombs verlas, hieß es: „Wenn Sie meine Bitte um Gnade ablehnen, dann werde ich meine Zeit absitzen in dem Wissen, dass man manchmal einen hohen Preis bezahlen muss, um in einer freien Gesellschaft zu leben.“

Das Weiße Haus reagierte kühl. Sollten der 25-jährige Manning oder seine Anwälte ein Gnadengesuch einreichen, werde dies „wie jedes andere Gesuch“ geprüft, sagte Obamas Sprecher Josh Earnest.

Ein Militärgericht in Fort Meade hatte den Wikileaks-Informanten zu 35 Jahren Haft verurteilt. Der Soldat hatte Hunderttausende Geheimpapiere an die Enthüllungsplattform gegeben. Die Staatsanwaltschaft hatte mindestens 60 Jahren Haft gefordert.

Manning hatte eingeräumt, während seiner Stationierung im Irak zwischen November 2009 und Mai 2010 rund 700.000 Geheimdokumente von Militärrechnern heruntergeladen und der Enthüllungsplattform Wikileaks zugespielt zu haben. Die Veröffentlichung der Dokumente sorgte weltweit für Wirbel.

Der Militärprozess gegen Manning läuft bereits seit dem 3. Juni. Ende Juli erklärte ihn Lind in 20 von 22 Anklagepunkten für schuldig, darunter Spionage sowie Diebstahl von Militärdokumenten und Depeschen der US-Diplomatie. Vom besonders schwerwiegenden Vorwurf der Feindesunterstützung wurde der Obergefreite aber freigesprochen. Richterin Lind verurteilte ihn außerdem zur unehrenhaften Entlassung aus der Armee. Er wird zudem zum Gefreiten degradiert und büßt einen Teil seines Soldes ein.

Wikileaks sprach in einer ersten Reaktion von einem „strategischen Sieg“, da Manning in weniger als neun Jahren seine Begnadigung beantragen könne.

Seite 1:

Manning ersucht Obama um Begnadigung

Seite 2:

Manning für Friedensnobelpreis vorgeschlagen

Kommentare zu " Laut Anwalt: Manning ersucht Obama um Begnadigung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich bin entsetzt.
    Wo sind sie hin, die Amerikaner die ich noch kenne?
    Die wirklich helfen wollten, die uns Demokratei brachten.
    Warum wehrt sich die USA nicht, gegen die Entdemokratisierung die seit Bush jun. im Gange ist und von Obama noch schlimmer verfolgt wird?

  • leser
    besonders Ihr letzter Satz gefällt mir.
    Abr so lange hier bei uns auf Befehl der Nazikrempel immer noch hochgehalten wird, um uns, dem Volk um die Ohren zu hauen, wird sich nichts ändern

  • Ich sehe dieses Urteil als größte Schande für die USA
    Besser kann Obama nicht zeigen, dass er die USA zu einer Diktatur machen will

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%