Laut Polizei
US-Soldaten erschießen vier Zivilisten

Im Süden Afghanistans haben US-Soldaten nach Angaben der Polizei vier Zivilisten erschossen. Unter ihnen seien zwei Kinder und eine Frau, sagte ein Beamter aus der Stadt Kandahar am Samstag. Das ist Wasser auf die Mühlen der Kriegsgegner. In Großbritannien fordert inzwischen eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung den Abzug der eigenen Soldaten.
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HB KANDAHAR/LONDON. Ein US-Militärkonvoi habe das Feuer auf ihr Fahrzeug eröffnet. Ein Nato-Sprecher sprach von drei toten Zivilisten und zwei Verletzten. Nato-Soldaten hätten auf das Fahrzeug geschossen, weil es nach mehrmaligen Halteaufforderungen nicht stoppte. Ob sich unter den Opfern Kinder befanden, konnte der Sprecher nicht bestätigen - ebenso wenig, ob es sich bei den Soldaten um US-Amerikaner gehandelt habe.

Die Stimmung in Großbritannien dreht sich unterdessen immer mehr gegen den Krieg in Afghanistan: Am Samstag demonstrierten in London mehr als 2000 Menschen gegen den Einsatz. Angeführt wurden sie von einem dienenden Soldaten und von Angehörigen der Streitkräfte. Die Anti-Kriegs-Gruppe Stop The War Coalition erklärte, es sei das erste Mal, dass ein dienender Soldat an einer Anti-Kriegs-Demo teilnimmt.

In Afghanistan sind derzeit rund 9000 Briten stationiert, über 200 kamen bisher ums Leben. An dem Protest beteiligte sich auch die älteste Anti-Kriegs-Aktivistin des Landes. Die 104 Jahre alte Hetty Bowyer sagte: "Ich kann keinen Sinn im weiteren Töten sehen. Ich war auf jeder einzelnen Anti-Kriegs-Demo ... So lange mich meine Beine tragen, werde ich weitermachen." Die Protestierenden zogen bei Nieselregen durch die Innenstadt zum Trafalgar Square.

Zugleich zeigte eine repräsentative Umfrage für den Sender Channel 4, dass die Zustimmung für den Einsatz weiter sinkt. Die große Mehrheit (62 Prozent) forderte einen Abzug der Truppen sofort oder im kommenden Jahr. Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) war zudem davon überzeugt, dass ein militärischer Sieg unmöglich ist - bei einer ähnlichen Umfrage im Jahr 2007 glaubten das nur 36 Prozent. Im Gegensatz zum Irak-Krieg war der Afghanistan-Einsatz in Großbritannien nie so umstritten.

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