Lawrows zu Gast bei Trump
Moskau glaubt an Besserung

Nach dem Treffen mit US-Präsident Trump lobt ihn Russlands Außenminister Lawrow als „Mann der Tat“. Die Visite im Weißen Haus sei Vorbereitung für ein Treffen mit Putin. Einen Seitenhieb gibt es für die Obama-Regierung.
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MoskauEs hat gefunkt: Zumindest die russische Führung ist nach dem ersten persönlichen Kontakt mit Donald Trump überzeugt: Das ist „ein Mann der Tat“, mit dem man einen Deal abschließen könne. „Um es kurz zu machen, unser Dialog jetzt ist frei von der Ideologisierung, die charakteristisch für die Obama-Administration war“, lobte ihn Russlands Außenminister Sergej Lawrow. Trump und dessen Außenminister Rex Tillerson gehe es um „die Lösung konkreter Fragen, von denen die Entwicklung des Landes und das Wohlergehen der Bürger abhängt“, fügte Lawrow hinzu. Daher seien sie ehrlich an einer Verbesserung des russisch-amerikanischen Verhältnisses interessiert.

Auch in Moskau wurde das Treffen positiv bewertet: Konstantin Kossatschow, als Leiter des Außenausschusses im Föderationsrat – dem Parlamentsoberhaus in Russland – einer der wichtigsten Männer in der Moskauer Außenpolitik, sprach vom Beginn der „Wiederherstellung normaler Beziehungen“. „Der Prozess erfordert allerdings eine bestimmte Zeit“, fügte Kossatschow hinzu.

Seiner Ansicht nach ist allein der Empfang Lawrows bei Trump ein gutes Zeichen. Zuvor hatte Russlands Präsident Wladimir Putin im April US-Außenminister Tillerson in Moskau getroffen. Dass Trump nun mit einer spiegelgleichen Geste antworte, bedeute, dass der Dialog auf gleichberechtigter Basis verlaufe und keine Seite versuche, der anderen ihren Standpunkt aufzuzwingen, schätzte Kossatschow. Die Beziehungen hätten keine schlechte Perspektive. „Lawrows Visite kam genau zur richtigen Zeit und war daher resultativ“, sagte Kossatschow.

Mit demselben Begriff - „resultativ“ - kennzeichnete auch der Leiter des Außenausschusses der Duma, Leonid Sluzki, das Treffen. Der Dialog sei vom „Nullniveau“ auf eine konstruktive Ebene gehoben worden. Eine augenblickliche Erwärmung habe dabei niemand erwartet.

Als nächster Schritt soll nun ein persönliches Treffen zwischen Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin folgen, das Lawrow für Juli während des G-20-Gipfels in Hamburg annoncierte. Die Visite Lawrows, seine erste seit der Ukrainekrise in den USA, diente der Vorbereitung des Gesprächs, auch wenn der russische Chefdiplomat auf seinem Washingtoner Zwischenstopp Richtung Alaska wenig Konkretes mitbrachte.

Bewegung in der Ukrainekrise gibt es nicht. Auch die Sanktionen gegen Moskau bleiben vorläufig erhalten. Dies sei aber ohnehin kein russisches Problem und daher auch kein Thema bei den Gesprächen mit Trump gewesen, betonte Lawrow. Stattdessen erläuterte der 67-Jährige im Weißen Haus den russischen „Stabilitätsplan“ für Syrien, den Moskau auch durch den Sicherheitsrat bringen will. Die unter anderem in Astana unter russischer Federführung zwischen den Kriegsparteien ausgehandelten Flugverbotszonen will Moskau nicht als Ausgrenzung der USA verstanden wissen. Wenn diese einen Beitrag zur Befriedung Syriens leisten wolle, sei der jederzeit willkommen, versicherte er.

Dass Lawrow ausgerechnet in dem Moment, in dem die Affäre um die Moskau-Verbindungen der Regierung auf den nächsten Höhepunkt zusteuert, im Weißen Haus empfangen wurde, hat zwar in Washington die Emotionen hochkochen lassen, war aber beim Gespräch selbst kein Thema. Die russische Führung entgegnete auf Fragen zum Rauswurf James Comeys sarkastisch: Der FBI-Chef sei gefeuert worden? „Echt“, fragte Lawrow in spielerischer Unwissenheit die Journalisten, die ihn dazu bedrängten.

In Sotschi hatte zuvor schon Putin selbst – vor einem Showauftritt als Eishockeyspieler - die ganze Affäre als rein innere Angelegenheit der USA abgestempelt, die keine Auswirkungen auf das russisch-amerikanische Verhältnis haben werde. „Ihre Frage – seien Sie bitte nicht gekränkt – belustigt mich. Wir haben damit nicht das Geringste zu tun“, versicherte der russische Präsident launig.

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  • Tja, zwei Macher die sich eben auf Augenhöhe verstehen.

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