Le Pen im Libanon
Ohne Kopftuch, aber pro Hisbollah

Die Chefin des Front National wollte bei einem Besuch eines libanesischen Geistlichen kein Kopftuch tragen und brach diesen deswegen ab. Trotzdem ist die Reise für sie insgesamt ein Erfolg.
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BeirutOb mit oder ohne Kopftuch, Reisen ins Ausland werden für Marine Le Pen leicht zur Peinlichkeit. Am Dienstag verzichtete sie im Libanon auf ein Treffen mit dem Mufti des Landes, dem höchsten sunnitischen Würdenträger, angeblich weil dessen Mitarbeiter völlig überraschend verlangt hätten, sie möge ihre Haare bedecken. „Ich trage kein Kopftuch, auch nicht vor dem Mufti“, gab die Front National-Chefin sich unbeugsam. In Wirklichkeit dürfte ihr das Gespräch mit dem Sunniten zu heikel geworden sein: Der Front National schwimmt im Kielwasser der russischen Regierung und des syrischen Diktators Bashar el Assad, der militärisch von der schiitischen Hisbollah abhängt, Feinde der Sunniten.

Trotz mancher Tiefen ist die Libanon-Visite insgesamt ein Erfolg für Le Pen. So gut sie in den französischen Umfragen abschneiden mag, international ist die Front nach wie vor eine Partei, die gemieden wird. Aus dem Trump-Tower musste Le Pen im Januar unverrichteter Dinge abziehen, in Kanada wurde ihre Reise im vergangenen Jahr zu einem PR-Desaster, vor allem im französischsprachigen Landesteil: keine Gespräche mit der Regierung, dafür Massenproteste unter der Losung: „Le Pen, hau ab!“ auf den Straßen.

Noch in keiner Demokratie wurde Marine Le Pen von einem Staats- oder Regierungschef eingeladen. Im Libanon ist es ihr nun gelungen, die Blockade zu durchbrechen. Am Montag empfing Staatspräsident General Michel Aoun, Verbündeter der Hisbollah, die rechtsextreme Chefin des Front National, die in den Umfragen zur französischen Präsidentschaftswahl führt. Die Libanesen selber sagten dazu, es sei ihnen nichts anderes übrig geblieben: Sie hätten Emmanuel Macron offiziell begrüßt, da könnten sie die Kandidatin, die demoskopisch noch besser dasteht, nicht schneiden.

Le Pen geht es im Libanon nicht nur darum, ihr Standing zu verbessern und sich so etwas wie Ansätze einer präsidialen Aura zu verleihen. Sie sucht auch nach Geldgebern, denn nach wie vor ist ihre Wahlkampagne nicht durchfinanziert. Die Familie hat enge Beziehungen zur harten Rechten unter den Christen des Libanons. Einige „Frontler“ haben sich sogar persönlich am libanesischen Bürgerkrieg beteiligt. Marines Vater Jean-Marie hat die Beziehungen stets gepflegt. Die heutige Parteiführerin will sie nun wieder aufleben lassen, mit der Hoffnung, von libanesischen Millionären unterstützt zu werden.

Dennoch ist der Besuch alles andere als ein Heimspiel für Le Pen. Vor allem ihre Forderung, die doppelte Staatsbürgerschaft für Nicht-Europäer abzuschaffen, wird ihr sehr verübelt von vielen Libanesen, die ihre Wurzeln in beiden Ländern haben. Frankreich war Protektoratsmacht Syriens, zu dem der Libanon früher gehörte, und hat seitdem besondere Beziehungen zum Land in der Levante.

Heikel ist auch die Schaukelpolitik Le Pens: Zu Hause gibt sie sich als härteste Kämpferin für Sicherheit und gegen den Terror. Doch in Syrien folgt sie strikt der russischen Politik pro Assad, zu der das enge Bündnis mit dem Iran und der libanesischen Hisbollah gehört. Assads Kriegsführung hat sie nie verurteilt. Mehr noch: Frédéric Chatillon, einer ihrer engsten Berater, betreibt eine Hisbollah-freundliche, Pro-Assad-Webseite. Außenpolitik im Umkreis einer Organisation, die von vielen Ländern als terroristisch eingestuft wird – man muss Le Pen heißen, um das fertigzubringen.

Ähnlich merkwürdig ist, dass Le Pen großzügig über die diversen Affären hinweggeht, die ihr anhängen. Sie schuldet dem Europäischen Parlament 300.000 Euro, weil sie ihre Bürochefin in der Front als Parlaments-Mitarbeiterin von der verhassten „EU-Tyrannei“ bezahlen ließ. Sogar ihren Leibwächter soll sie dem europäischen Steuerzahler aufgehalst haben. Unbekümmert bezeichnet sie die Untersuchungen der französischen Justiz inklusive Durchsuchung der Parteizentrale Anfang der Woche als „Hexenjagd“ gegen sich. Die französischen Medien, die – zu Recht – intensiv auf den Skandal um die familiäre Scheinbeschäftigung durch den konservativen Kandidaten Fillon eingehen, befassen sich mit Le Pen weitaus weniger. Es wirkt, als hätten sie bereits resigniert.  

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

Kommentare zu " Le Pen im Libanon: Ohne Kopftuch, aber pro Hisbollah"

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  • Die sagen ich solle kündigen, als Provokateur wäre ich sinnlos.

  • Der eine Vollidiot aus Österreich hat hier unter den verschiedensten Namen wieder alles vollgeschissen. Sein Anteil macht etwa 50% der gesamten Kommentare aus.

    Immer mehr ernsthafte Kommentatoren ziehen sich deshalb zurück. Wer will seine Beiträge schon zwischen dem ganzen Spam von diesem Spiegel-Troll sehen?

  • And the Winter is....

    Germany, the same as every Year.

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