Le Pen und die Front National: Zoff im braunen Familienstadl

Le Pen und die Front National
Zoff im braunen Familienstadl

Die Tochter greint, der Vater bockt. Frankreichs Rechtsradikale ergötzen das Land mit der Fehde zwischen Parteigründer Jean-Marie Le Pen und seiner Tochter Marine. Der Alte geht in die Vollen – und wird so zur Gefahr.
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ParisGanz staatsmännisch gab sich die rechtsradikale Marine Le Pen bei ihrem Auftritt zur besten Sendezeit: „Es wäre ein Zeichen großer politischer Reife und ein Dienst an der Partei, wenn Jean-Marie Le Pen selber die Konsequenzen zöge und seine Ämter niederlegte.“

Die Vorsitzende der Front National (FN) will reif und respektvoll wirken. Doch in Wirklichkeit kneift sie seit Tagen vor der einzig möglichen Konsequenz: Sie hätte ihren Vater, den 18 Mal verurteilten Holocaust-Leugner und Juden-Verhöhner Le Pen längst achtkantig aus der Partei werfen müssen.

Davor aber scheut sie zurück. Und der Alte denkt nicht daran, ihr den Gefallen zu tun und still und leise abzutreten. Er sucht den Knalleffekt: „Indem sie mich angreift, geht sie ein großes Risiko ein“, drohte er der Tochter am Freitag im Sender RTL. „Sie sprengt die Partei in die Luft, wenn die Front National sich ändert, ist sie nichts mehr“, agitierte er einmal mehr gegen die Strategie der Vorsitzenden, die Partei gemäßigter wirken zu lassen.

Seit über einer Woche amüsiert das Familiendrama, das die Rechtspopulisten erschüttert, Deutschlands Nachbarland. Die Formation, die allen anderen vorwirft, nur für die eigenen Interessen zu leben und sich in kleinlichen Streitereien zu zerreiben, führt die übelste aller denkbaren Schmierenkomödien auf: zwischen dem Vater, der um jeden Zentimeter Einfluss kämpft und der Tochter, die ihren Vorgänger als lästiges Hindernis auf dem Weg an die Macht sieht.

Akuter Anlass der Zuspitzung war eine Äußerung von Jean-Marie, dem Parteigründer und heutigen Ehrenvorsitzenden, aus der vergangenen Woche. In einem Radiointerview hatte er eine Äußerung aus den 80er-Jahren wiederholt, für die er damals verurteilt worden war: „Die Gaskammern waren ein Detail der Geschichte. Ich bereue es überhaupt nicht, das gesagt zu haben“, polterte er ins Mikrophon. Die neue Führung der Partei reagierte wie stets: sie distanzierte sich, ohne den Alten zur Rechenschaft zu ziehen.

Erst als die politische Öffentlichkeit nicht zur Tagesordnung überging, sondern eine klare Positionierung der FN-Spitze verlangte, wurde der stellvertretende Vorsitzende Florian Philippot vorgeschickt, um Le Pen Senior zu rüffeln, aber auf dem niedrigsten möglichen Level: „Das ist eine nutzlose Provokation.“ Die Äußerung muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, um den Zynismus der angeblich so moderaten FN-Führung zu begreifen: Millionen Opfer des Holocaust zu verhöhnen, wie Le Pen es tut, ist „nutzlos“?

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Der Alte geht nochmal in die Vollen

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