Lebensmittelkrise
Mugabe nimmt am Welternährungsgipfel teil

Willkommen ist er nicht, aber erscheinen darf er trotzdem – so sehen es die Regeln von Uno-Gipfeln vor: Robert Mugabe, der sein Volk verarmen und hungern lässt, nimmt ausgerechnet am Hungergipfel der Vereinten Nationen in Rom teil. Dabei hat der greise Diktator mit der gewaltsamen Vertreibung von über 4 000 weißen Großfarmern aus seinem Land das Elend erst heraufbeschworen.

KAPSTADT. Rassismus, Machtgier und Demokratieverlust haben die einstige Kornkammer des Kontinents in ein Notstandsgebiet verwandelt. Jeder Dritte der rund zwölf Millionen Simbabwer ist laut Welternährungsprogramm der Uno (WFP) heute von Lebensmittelhilfe abhängig. Deshalb sei es „obszön“, dass Mugabe beim Gipfel in Rom auftrete, wetterten die Vertreter Großbritanniens und Australiens. Schließlich sei der 84-Jährige derjenige, „der sein Volk in den Hunger geführt hat“, sagte der australische Außenminister Stephen Smith.

Im Zuge der von ihm proklamierten „Landreform“ wollte Simbabwes Präsident schwarze Kleinbauern auf dem Land der enteigneten weißen Farmer ansiedeln. Ein Blick auf die beschlagnahmten Höfe macht jedoch deutlich, dass statt bedürftiger Kleinbauern vor allem Parteibonzen und andere Günstlinge des Diktators die Farmen übernommen haben – und die Felder oft brachliegen lassen. „Früher waren wir hinter Südafrika der Brotkorb der Region“, klagt Eddie Cross, der Wirtschaftssprecher der oppositionellen Bewegung für demokratischen Wandel. „Heute haben wir nicht einmal mehr die Notreserven an Lebensmitteln, um eine Hungersnot abzuwenden.“

Seit dem Beginn von Mugabes ökonomischem Amoklauf vor acht Jahren leidet das Land unter einer Hungerkrise. Anders als in den meisten anderen Staaten der Region ist die Krise hier ausschließlich hausgemacht. Selbst eine Reihe von Ministern hat inzwischen hinter vorgehaltener Hand eingeräumt, dass bei der gewaltsamen Umverteilung von Land in den letzten Jahren Fehler unterlaufen seien. So haben auch Menschen Flächen erhalten, die weder über das Wissen noch die Geräte oder den Dünger für eine erfolgreiche Bewirtschaftung verfügen. Verschärft wird die Krise noch dadurch, dass Devisen fehlen, um Agrargüter importieren zu können. Denn mit der Landwirtschaft sind auch alle anderen Wirtschaftszweige abgestürzt.

Das frühere Entwicklungsmodell Simbabwe ist ein extremer Fall – und steht dennoch in vieler Hinsicht stellvertretend für Afrika. Fast überall auf dem Kontinent ist die Lage düster, resümiert das Welternährungsprogramm. So gebe es südlich der Sahara rund 15 Millionen Aids-Waisen. Die Seuche verschärfe auch die Hungerkrise, da sie oft die produktivsten Gruppen der Bevölkerung dahinraffe.

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