Lebensmittelskandal: Angst vor Pferdefleisch grassiert

Lebensmittelskandal
Angst vor Pferdefleisch grassiert

Statt Rind landete in größerem Stil Pferdefleisch in Fertigmahlzeiten. Der Skandal zieht nun immer weitere Kreise: Der deutsche Handel reagiert, die Briten schließen Betriebe. Auch die Agrarministerin ist beunruhigt.
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LondonIm Pferdefleisch-Skandal haben deutsche Supermärkte vorsorglich Fertigmahlzeiten aus den Regalen genommen. Real stoppte den Verkauf seiner „TiP“-Lasagne und der „Mini Cheeseburger“ des Lieferanten „Agro on“, wie ein Sprecher am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Zuvor hatte Kaiser's Tengelmann einen Verkaufsstopp für die „A&P“-Tiefkühl-Lasagne bestätigt. Edeka lässt wegen der Diskussion um Lebensmittel mit Pferdefleisch derzeit „alle relevanten Eigenmarkenprodukte prüfen“. Die deutschen Unternehmen haben aber - anders als einige Ketten in Großbritannien - bislang keine Bestätigung für Pferd statt Rind in ihren Produkten.

Eine Sprecherin des Bundesverbraucherschutzministeriums in Berlin sagte am Dienstag, es gebe weiterhin keine Anhaltspunkte, dass falsch deklarierte Fleischprodukte in den Handel gelangt seien. Ministerin Ilse Aigner (CSU) forderte eine schnelle Aufklärung des Skandals. „Was drauf steht, muss auch drin sein - darauf müssen sich Verbraucher verlassen können“, sagte die Bundesministerin der „Bild“-Zeitung (Mittwoch).

Der Skandal hat vor rund einem Monat in Großbritannien und Irland begonnen, wo Spuren von Pferdefleisch in Hamburgern in Supermärkten gefunden wurden. Später zeigten Tests, dass Rindfleisch-Lasagne bis zu 100 Prozent Pferdefleisch enthielt. Die Behörden wissen bisher nicht, seit wann und in wie groß der Betrug mit Pferdefleisch läuft.

In Deutschland weiteten viele der für Lebensmittelkontrollen zuständigen Bundesländer ihre Tests auf Pferdefleischspuren in Rinderhack-Produkten aus. Im bevölkerungsreichsten Land Nordrhein-Westfalen laufen seit Freitag Stichprobenuntersuchungen. Die Analyse der Rindfleisch- und Tiefkühlprodukte dauere noch an, teilte der Sprecher des NRW-Verbraucherschutzministeriums, Frank Seidlitz, mit.

Alle in NRW beheimateten Discount- und Lebensmittelketten waren aufgerufen, über eventuell falsch deklarierte Pferdefleisch-Produkte Auskunft zu geben. Rewe hat demnach angegeben, keine der falsch ausgezeichneten britischen Produkte eingeführt zu haben. In einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa hieß es auch von Aldi Nord und Aldi Süd sowie Lidl, das sie in Deutschland keine Waren aus dem Handel genommen haben und nicht betroffen seien.

Die Ursachenforschung geht weiter. Der britische Ernährungsminister Owen Paterson hielt ein weiteres Krisentreffen mit Spitzenvertretern der Nahrungsmittelbranche ab, um mögliche Schritte zu diskutieren. Am Mittwoch soll es ein Ministertreffen auf EU-Ebene geben, an dem auch Paterson teilnehmen wollte.

Der Verzehr von Pferdefleisch - in Ländern wie Italien, Frankreich oder auch Deutschland durchaus üblich - gilt in Großbritannien und Irland als gesellschaftliches Tabu. Es gibt, anders als in Zentraleuropa, keine Schlachter, die Pferdefleisch zu Wurst oder Fleischwaren verarbeiten.

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„Kriminelle Machenschaften“ vermutet

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  • Da Fleisch eh ein Produkt ist, bei dem man sich nie sicher sein kann was man bekommt, wie das Tier gehalten wurde, was dem Tier verabreicht wurde, ist dieser ganze Aufruhr ziemlich lächerlich. Heutzutage müssen Lebensmittel die das Wort "Kalb" oder "Rind" in ihren Namen enthalten, dieses gar nicht oder nur zu geringstem Anteil enthalten. Es müsste dem zu Folge bei so ziemlich jedem Fleischprodukt ein solcher Aufstand veranstaltet werden. Der wahre Skandal ist es doch, dass Bestandteile von Lebensmitteln, die unter eine bestimmte Prozentzahl fallen, nicht mehr deklariert werden müssen. Als Verbraucher sollte man das Recht haben alle Inhaltsstoffe des Produktes einsehen zu können. Und der weit schlimmste Lebensmittel-Skandal von allen ist ja wohl das Bio- oder Tierschutzlabel, welches nur zu Marketing- und Vertuschungsaktionen für Tierquälerei dient. Ein solches Label, welches dem Verbraucher tierfreundlichen Umgang und glückliche Nutztiere suggeriert, auf einem Fleischprodukt ist doch ein Widerspruch an sich. Dass in vermeintlich veganen oder vegetarischen Produkten, die sich zumindest damit rühmen es zu sein, denoch Spuren von Eiern, Milch, Tierfetten, etc. enthalten sind, ist unzumutbar. Den Verbrauchern sollte nicht weiterhin vorgelogen werden, dass Fleischkonsum und der sinnlose Mord an Tieren bei der Eier- und Milchproduktion moralisch vereinbar sind. Obwohl sich jeder halbwegs gescheite Mensch noch denken kann, dass für Fleisch Tiere sterben müssen. Bei Eiern und Milch jedoch ist es vielen nicht bewusst. Wie sollte man es auch ahnen? Der Tod der Tiere ist dafür nicht erforderlich, doch aufgrund der Massenproduktion, werden Kälber und männliche Küken überflüssig und werden kurzerhand auf grausamste Art entsorgt. Das darf so nicht weitergehen. Wenn etwas getan werden muss, dann ist es die Verbannung von Tierquälerei und -mord aus der Lebensmittelindustrie.

  • ANGST VOR PFERDEFLEISCH GRASSIERT!!!

    Hahaha, habt ihr Angst vor Pferdefleisch????? Fändet ihr Hundefleisch noch angsteinflößender? Und warum hat niemand Angst vor Rindfleisch??
    An alle Fleischfresser: Ein Pferd ist nicht mehr wert als ein Rind, Männer sind nicht besser als Frauen und Schwarze nicht weniger wert als Weiße. Nur zur Info. Am besten gar kein Fleisch essen. Es schont die Umwelt, Menschen verhungern auch nicht mehr durch unseren Fleischkonsum und die Tiere müssen nicht mehr bis auf`s Äußerste gequält werden.

  • In Rumaenien wurden doch auch Lebensmittel aus Italien mit falschen "Bio"-Kennzeichnungen versehen und dann nach Deutschland eingefuehrt.

    Ein tolles System, unsere Lebensmittel ueber zig Zwischenhaendler durch halb Europa zu karren um so mit Lug und Betrug den Verbraucher ueber den Tisch zu ziehen.


    "Kapitalismus in seiner Jetzt-Form scheint zu bedeuten: Verkauf jedem deinen Müll gut. Verkaufe jedem klebrige Cola oder dich selbst, als sei es Gold." (aus www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/s-p-o-n-fragen-sie-frau-sibylle-a-882023.html)


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