„Leere Hände und Sprechblasen“
Barroso wegen Lampedusa-Auftritt unter Beschuss

EU-Kommissionschef Barroso hat sich mit seinem Besuch der italienischen Flüchtlingsinsel Lampedusa keinen Gefallen getan. Die Anwohner empfingen ihn mit Buhrufen. Auch in Berlin erntete er harsche Kritik.
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BerlinDer Auftritt von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso auf der italienischen Flüchtlingsinsel Lampedusa stößt in Deutschland auf Kritik. „Die Flüchtlinge im völlig überfüllten Camp auf Lampedusa brauchen konkrete Hilfe und keinen Barroso mit leeren Händen und Sprechblasen“, sagte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck Handelsblatt Online. Auf Lampedusa fehle es vielmehr an Unterkünften und Matratzen für eine menschenwürdige Versorgung der Flüchtlinge. Im Mittelmeer gebe es zudem „keine See-Notrettung für Ertrinkende, sondern Strafen für Helfer“. 

Barroso will die Probleme vor allem mit Geld lösen. Er sicherte am Mittwoch bei einem Besuch auf der Mittelmeerinsel Italien Hilfsmittel in Höhe von 30 Millionen Euro zu. Trotzdem wurden der EU-Kommissionchef und die Vertreter der italienischen Regierung bei ihrer Ankunft von aufgebrachten Anwohnern mit Buh-Rufen empfangen. Italiens Ministerpräsident Enrico Letta kündigte ein Staatsbegräbnis für die Opfer des Unglücks an.

Die Demonstranten riefen „Schande!“ und „Mörder!“ und schwenkten Fotos von Flüchtlingen, als die Politiker am Flughafen eintrafen. Begleitet wurden Letta und Barroso von Italiens Innenminister Angelino Alfano und EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström.

Die Millionen-Hilfe solle Rom zur Bewältigung des Flüchtlingsandrangs einsetzen, sagte Barroso. „Wir wissen aber, dass noch viel mehr getan werden muss“, fügte er hinzu. Die EU dürfe vor solchen Flüchtlingsdramen nicht die Augen verschließen und zulassen, dass tausende Menschen an ihren Grenzen ums Leben kommen.

„Das Problem eines unserer Länder, wie jetzt Italien, muss als ein Problem von ganz Europa wahrgenommen werden“, betonte der Kommissionspräsident. Barroso zeigte sich bestürzt über das Ausmaß der Tragödie. „Ich werde den Anblick dieser Särge niemals vergessen“, sagte er. Auch Letta sprach von einem „europäischen Drama“. Es handele sich um die schlimmste menschliche Tragödie im Mittelmeer. Für die Verstorbenen werde ein Staatsbegräbnis organisiert. Die Opfer hätten ein Recht auf ein solches Begräbnis, sagte Letta.

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„Europa verweigert seine Verantwortung“

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  • Ich bin auch da für Italien bei der Bewältigung des Flüchtlingsproblem zu unterstützen, denn es ist schon eines der gesamten EU, aber in erster Linie beim umgehenden Rücktransport der zu meist Wirtschaftsflüchtlinge und Verhinderung neuer Boote in Italien/Spanien. Mit der Zunahme der Dauer des Verbleib der Flüchtlinge in Europa bis zur Abschiebung desto größer werden die Begehrlichkeiten der Menschen in deren Heimatländern gleiches zu tun (aus deren Sicht nicht unverständlich)

    Europa kann und darf nicht weiter das Sozialamt für Afrika, Nahost und anderer islamischen Staaten sein

  • Wir sprechen doch über Wirtschaftsflüchtlinge, oder?
    Und dass diese ohne das Einwanderungsreglement zu beachten, in das Territorium anderer Staaten illegal eindringen wollen, oder?

    Ich glaube, beide Fragen können mit 'Ja' beantwortet werden!

    Wenn dem also so ist, sprechen wir doch über eine strafbare Handlung, die diese Menschen billigend in Kauf nehmen, oder?

    Wer sich also bei einer strafbaren Handlung selbst verletzt, oder gar umkommt, dessen Schiksal wird hier in Deutschland lapidar als Pech oder 'dumm gelaufen' abgetan, oder?

    Hat das Pech der Wirtschaftsflüchtlinge jetzt einen anderen Stellenwert, nur weil diese Menschen schwarzer Hautfarbe sind? Ist also das Pech eines weißen Menschen weniger wert als dass eines Schwarzen?

    Oder läßt sich etwa -und diese Frage geht an die Medien- mit schwarzem Schicksal eine bessere Quote erzielen?

    Wer oder was ist eigentlich das Problem?

  • Wieviel Geld hatte die EU den Flutopfern 2013 zur Verfügung gestellt?
    Lass mich mal kurz erinnern.
    Ach ja, die Kassen waren gerade leer, so dass hierür keine Gelder zur Verfügung standen.
    Vielleicht hätte Herr Barroso damals auch in die Flutgebiete reisen sollen um Buh- Rufe zu ernten.
    Eventuell wäre er ja damals auch so entsetzt darüber gewesen, dass er die Dinge mit Geld geregelt hätte.
    Nun denn, eventuell beim nächsten mal.

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