Leere Kassen in Griechenland
Ökonomen warnen vor der Staatspleite

Für Griechenland wird die Lage immer bedrohlicher. Top-Ökonomen in Deutschland halten einen Zahlungsausfall inzwischen für ein realistisches Szenario, sollte Athen zu keiner Einigung mit den EU-Partnern kommen.
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BerlinAlexis Tsipras scheint sich seiner Sache sehr sicher zu sein. Zwei Wochen nach seinem Wahlsieg fordert der griechische Regierungschef heute das Vertrauen des Parlamentes in Athen für seine Links-Rechts-Regierung ein.

Tsipras will damit nichts anderes als den parlamentarischen Segen für den Konfliktkurs, den er eingeschlagen hat. Nachdem eine große Mehrheit der Griechen hinter seiner Anti-Troika-Politik steht, dürfte die Zustimmung der Athener Parlamentarier nur Formsache sein. Ob die geballte Rückendeckung für Tsipras' Bewegung in das Schuldendrama bringen wird, ist allerdings derzeit nicht sehr wahrscheinlich.

Die Geldgeber aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) scheinen jedenfalls nicht gewillt, auf den Kurs des Premiers einzuschwenken. Der hatte in seiner Regierungserklärung das griechische Rettungsprogramm für beendet erklärt und neue Verhandlungen über den Umgang mit den griechischen Schulden gefordert. Die internationalen Partner verlangen dagegen, dass das noch laufende Rettungsprogramm abgeschlossen wird.

In dieser Gemengelage stehen sich die griechische Regierung und die Gläubiger unversöhnlich gegenüber. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist ohne Reformzusagen nicht zu weiteren Hilfen bereit, Tsipras erklärte demgegenüber den bisherigen Kurs dagegen für gescheitert. Und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sieht vor diesem Hintergrund kaum noch Chancen für eine rasche Einigung.

Die Brisanz der Lage wird auch daran deutlich, dass die britische Regierung bereits auf höchster Ebene die Folgen eines Euro-Austritts durchspielt und an den Börsen die Angst vor einem chaotischen Euro-Austritt, dem sogenannten Grexit, unaufhörlich wächst.

Die Tsipras-Regierung warnte schon, eine Destabilisierung des Landes hätte schwere Folgen für ganz Europa. Führende Ökonomen sehen das jedoch anders – und prophezeien vielmehr den Hellenen eine düstere Zukunft bis hin zur Staatspleite, wenn im Verhandlungspoker nicht rasch eine Lösung gefunden wird.

„Die Politik in Griechenland und Europa muss dringend eine Einigung finden und wieder Vertrauen schaffen“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Der gegenwärtige Konflikt ist der sichere Weg in die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands, und damit zu hohen Verlusten auch für den deutschen Steuerzahler.“

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  • unser ganzer Wohlstand ist auf Schulden aufgebaut. Schulden auf der einen Seite ist Guthaben auf der anderen. Deshalb ist es eigentlich gar nicht nötig, die Schulden zurückzuzahlen. Jeder neue Kredit bringt die Banken dazu Geld aus dem Nichts zu schaffen. Je höher die Zinsen, um so höher erwarteten EInnahmen, um so mehr kannn an andere verliehen werden. Das klassische Schneeballsystem. Man bürgt einfach mit seinem Guten Namen. Blöd nur das in diesem System die Kohle nach oben fließt, und der kleine irgenwann mit leeren Taschen da steht.
    Und wenn dann einer noch öffentlich fordert, das was von oben nach unten verteilt werden soll, ist schnell Schluß mit lustig. Wo kommen wir denn hin, wenn das jeder macht.....
    Man könnte z.B. die Schulden so lassen, und nur die Zinsen stunden, aber dann wäre auch schluß mit Fiat Money...

  • Ich weiß nicht, wer die Mähre erfunden hat, dass der Euro scheitert, wenn ein oder mehrere Staaten nur noch teilweise zahlungsfähig sind. Als Detroit zahlungsunfähig wurde hat doch auch keiner behauptet der Dollar wird scheitern. Griechenland den Zugang zur Druckerpresse zu sperren? So what. Dann können die eben nur die Steuereinnahmen ausgeben. Es gibt Länder bei denen ist der Euro offizielles Zahlungsmittel, ohne dass deren Nationalbank Mitglied des EZB Systems ist. Es wird auch kein Dominoeffekt geben. Und selbst wenn, dann soll der Staat die Banken übernehmen die sich verspekuliert haben. Ist garantiert am Ende viel günstiger als ein Reformunwilliges Land auf ewig zu alimentieren.

  • naja, immer gut für etwas Kurzweil

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