Leichen nach Libanon überstellt
Radikale Palästinenser drohen mit weiteren Entführungen

Nur einen Tag nach dem Gefangenenaustausch mit Israel, bei dem Hunderte Palästinenser freikamen, haben die radikalen islamischen Gruppen Hisbollah und Hamas mit der Entführung weiterer israelischer Bürger gedroht.

HB BEIRUT. Es gebe keinen anderen Weg, palästinensische Gefangene freizubekommen, als durch die Gefangennahme gegnerischer Soldaten, sagte das geistige Oberhaupt der Hamas, Scheich Ahmed Jassin, am Freitag in Gaza-Stadt. Schon unmittelbar nach der Ankunft der freigelassenen Araber aus Deutschland hatte die Hisbollah am Donnerstagabend ebenfalls die Entführung von Israelis angedroht. Israel warnte die Hisbollah davor und drohte mit Gegenschlägen.

In Israel war befürchtet worden, dass die radikalen islamischen Gruppen sich durch den Austausch zu Geiselnahmen ermutigt fühlen könnten, eigene Leute freizupressen. Die israelische Armee unternahm als Reaktion auf einen palästinensischen Selbstmordanschlag vom Vortag zum ersten Mal seit einem halben Jahr wieder einen Vorstoß nach Bethlehem.

Die von Israel übergebenen Leichen von 60 Hisbollah-Kämpfern trafen am Freitag im Libanon ein. Die Übergabe war Teil des unter Vermittlung Deutschlands vereinbarten Gefangenenaustauschs zwischen Israel und der Hisbollah. Israel waren dabei am Donnerstag ein israelischer Geschäftsmann und die Leichen dreier Soldaten übergeben worden. Israel ließ im Gegenzug 400 Palästinenser und 30 arabische Gefangene frei.

Die Hisbollah drohte mit weiteren Entführungen, sollte Israel nicht zumindest die libanesischen Gefangenen freilassen. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hatte für diesen Fall harte Gegenmaßnahmen angekündigt. „Was der Ministerpräsident zu Entführungen gesagt hat, gilt auch für (Hamas-Chef) Ahmed Jassin und seine Bande, sagte ein ranghoher Vertreter Israels. „Sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass wir zusätzliche Gegenmaßnahmen haben und raten ihnen, sich nicht mit uns anzulegen, es nicht einmal zu versuchen.“

Hisbollah-Chef Scheich Hassan Nasrallah hatte am Donnerstagabend unter dem Jubel seiner Anhänger in Beirut gesagt: „Wir haben drei Möglichkeiten (...) Die dritte ist diese“ und zeigte dabei auf ein großes Bild von einem Anschlag aus dem Jahr 2000, bei dem die Hisbollah drei israelische Soldaten tötete und ihre Leichen als Faustpfand nahm. „Beim nächsten Mal, das verspreche ich, werden wir sie lebendig schnappen“, sagte er in Beirut.

Israels Botschafter in Deutschland, Schimon Stein, warnte vor den Folgen der Hisbollah-Ankündigung. Unter Verweis auf Äußerungen Scharons, sagte er, die Politik der Entführung werde Folgen haben. „Man soll den Gefangenenaustausch von gestern nicht als Schwäche wahrnehmen und die Fortsetzung der Politik der Entführung wird auch Folgen haben und darauf hat der Ministerpräsident hingewiesen“, sagte Stein in der ARD.

Einen Tag nach dem Anschlag in Jerusalem wurden bei Zusammenstößen im Westjordanland und im Gaza-Streifen nach Angaben aus israelischen Armeekreisen drei Palästinenser getötet. Beim Vorstoß der Armee nach Bethlehem wurden Augenzeugen zufolge zudem zwölf Palästinenser festgenommen. Eine Militärsprecherin sagte, die Palästinenser seien ihren Verpflichtungen zur Bekämpfung des Terrors nicht nachgekommen. „Das wurde gestern bei dem Bombenanschlag deutlich.“ Der Vorstoß sei eine Reaktion auf den Selbstmordanschlag.

Für Verwirrung sorgten indes verschiedene Bekennerschreiben zu dem Anschlag. Die El-Aksa-Brigaden, die der Fatah-Bewegung von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat nahe stehen, zogen ihre Selbstbezichtigung wieder zurück. Dafür ging bei der Nachrichtenagentur Reuters in Gaza-Stadt ein Bekennerschreiben der Hamas ein. In dem Schreiben hieß es, der Anschlag sei eine Vergeltung für die Razzia der israelischen Armee vom Mittwoch in Gaza-Stadt, bei der acht Palästinenser getötet wurden.

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