Leserbriefe zur Euro-Rettung
„Den Wählern nicht mehr vermittelbar!“

Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart hat die Leser aufgefordert, ihre Meinung über die Maßnahmen zur „Euro-Rettung“ mitzuteilen. Die interessantesten Stimmen hat die Redaktion hier zusammengetragen.
  • 32

Holt mich hier raus!
Von Beruf bin ich Bankbetriebswirtin und behaupte, dass ich wirtschaftlich sinnvolle Entscheidungen von unwirtschaftlichen unterscheiden kann. Wenn ich allerdings zu meiner Entscheidungsfindung Politik als weitere Komponente hinzufügen soll, wird alles schnell unlogisch, fadenscheinig und unergründlich! Politiker machen sich den Satz, „Regeln sind da, um gebrochen zu werden“, zur Leitmaxime.

Ich würde mich gerne politisch engagieren und in Deutschland und der EU gerne aufräumen, aber Politik ist ein viel zu dreckiges Geschäft! Im Gegensatz zu unseren gewählten Volksvertretern mag ich Regeln und weiß um ihre Bedeutung. Deutschland sollte den Euro behalten, allerdings sollten wir Griechenland in die Insolvenz schicken. Lieber ein Ende mit Schrecken ...

Die EU sollte sich das Motto der Genossenschaftsbanken zunutze machen: Hilfe zur Selbsthilfe. Momentan ist es wohl eher: „Hilfe, ich bin ein Staat mit zu großem Ego, holt mich hier raus (ohne dass ich was dazulernen muss)!“

- Theresa Dornieden

Glaubwürdigkeit der EU
Der Euro ist gut für Deutschland und die EU und als Kontrapunkt zum Dollar – aber nicht um jeden Preis. Das Beispiel der hemmungslosen US-Verschuldung wäre die Chance gewesen, Europa und seine Währung voranzubringen. Die Politik hat’s verbaselt, erschreckende Schwächen offenbart und gerade hierzu bestehende Vorschriften und Regeln über den Haufen gerannt unter Inkaufnahme enormer Glaubwürdigkeitsverluste (Stichwort: EZB-Anleihenkauf). Das lässt nicht darauf schließen, dass die EU die Probleme in der Zukunft in den Griff bekommt.
- Carsten Kayatz

Keine Kleinstaaterei

Meine Meinung ist, dass der Euro unbedingt gerettet werden muss. Ich würde es als Rückfall in Kleinstaaterei empfinden, wenn man in Europa wieder zu eigenen Landeswährungen zurückkehrte. Dies wäre in meinen Augen ein Rückschritt mit unabsehbaren Folgen für die Weltwirtschaft. Ich habe es als großen Erfolg empfunden, dass durch die Euro-Zone ein erfolgreicher Gegenpol zur „Supermacht“ Amerika und zum Dollar aufgebaut wurde.

Welchen Preis sollte man für die Rettung des Euros zahlen? Das müssen sich die Politiker und Wirtschaftsexperten sehr genau überlegen. Nach meiner Vorstellung muss man dabei über sehr viel „nationalstaatliche Schatten“ springen, um zu erreichen, dass global das Vertrauen in den Euro/die Währungssysteme wieder wächst. Es ist wohl nicht nur europäisches, sondern kosmopolitisches Denken und Handeln erforderlich. Aber es sollten größte Anstrengungen unternommen werden, um dieses Ziel zu erreichen.

- Brigitte Lorenz

Kommentare zu " Leserbriefe zur Euro-Rettung: „Den Wählern nicht mehr vermittelbar!“"

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  • ff:
    Anfang 2010 wurde die Anleihe noch zum Nominalwert gehandelt. Es gab keine übermässigen Renditen! Oder soll man NRW-Anleihen nach den gemachten Erfahrungen jetzt auch nicht mehr kaufen? Man kann den betroffenen Gläubigern nur empfehlen, die Staatshaftung in Anspruch zu nehmen. Nochmal, Deutschland ist ein Rechtsstaat, da kann sich auch der Staat nicht aus der Verantwortung stellen.

    Wer seine Schulden nicht bezahlt ist kreditunwürdig! Der € wird endgültig beschädigt. Ja, dann ist er reif für die Tonne und richtig, die EU mit großer Wahrscheinlichkeit mit dazu. Warum liest man keine Artikel aus diesem Blickwinkel?

  • Warum wird die Angelegenheit nicht aus der Perspektive der ganz normalen Anleger betrachtet. Journalisten haben fast ausschliesslich die zugelassene Spekulation im Fokus. Das zeigt auch wieder der heute Artikel "376 Prozent Rendite - ein riskanter Deal".

    Die Politik kann sich allerdings nicht für gemachte Fehler aus der Verantwortung stehlen. Wer hat denn die Kriterien der Euro-Stabilität gebrochen? Doch fast alle beteiligten Staaten, darunter auch Deutschland! An der aktuellen Krisen ist die Politik schuld, nicht die Banken und die anderen Gläubiger, darunter auch Private und ihr Angespartes für Altersversorgung bei Versicherungen etc. pp.. Insofern sind die Aktionen gegen die Banken zum Teil großes Ablenkungsmanöver von der eigenen Verantwortung. Mancher Politiker sieht das offensichtlich bei den Staatsanleihegläubigern so wie Bankier Fürstenberg bei den Aktionären:

    "Die Aktionäre sind dumm und frech, dumm, weil sie ihr Geld geben, und frech, weil sie noch eine Dividende verlangen."

    Schuldenschnitt? Ja, der ist wohl unverzichtber; aber selbstverständlich in Wahrnehmung der Verantwortung zu Lasten der €-Staaten! Banken müssen so nicht gerettet werden! Warum wird das gesteuert propagiert und diskutiert? Doch nur, weil Staatsanleihen nicht ordentlich getilgt werden sollen! Das ist fortgesetzte Ablenkung und Täuschen der Politik? Hätte man die "sicheren" Anleihen (Kein € Eigenkapital wird dafür gefordert!) sofort garantiert, hätte der Spekulationsspuk nicht begonnen.

    Man haftet unabhängig davon, wie man Griechenland wieder auf die Beine hilft, insbesondere für die mangelhafte Beitrittsprüfung. Man hat den Griechen die Verschuldung mit dem € erst ermöglicht. Auch griechische Anleihen wurden so mit A bewertet und von den Banken zum Kauf empfohlen, die auch selbst kräftig gekauft haben. Es gibt auch noch private Gläubiger, was Politker gerne vergessen! Wer Mitte 2005 nominal 100 € der 2014 fälligen 4,5 % Anleihe gekauft hat, mußte dafür rund 108 € bezahlen.

  • "Über ihre Verhältnisse gelebt" das ist eine fiese Unterstellung die eigentlich vom echtem Problem ablenken und das Hungern als moralische Pflicht erscheinen lassen soll.
    Man kann über seiner Verhältnisse und trotzdem unter seiner Bedürfnisse leben. Viele tun das auch, sie sind überschuldet und haben trotzdem kaum genug Geld um sich Kleider oder Lebensmittel für sich selbst und für die Kinder zu kaufen.

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