
STOCKHOLM. Als im Herbst 2008 die zweitgrößte Bank des Landes, die Parex Bank, über Nacht verstaatlicht werden musste, ahnte noch niemand der knapp 2,3 Mio. Einwohner, dass das der Anfang eines der schmerzhaftesten Sanierungsprogramme der jüngeren europäischen Geschichte war. Der baltische Staat hatte wie seine Nachbarn Estland und Litauen jahrelang weit über die Verhältnisse gelebt. Ein völlig überhitzter Immobilienmarkt, Lohnsteigerungen von bis zu 30 Prozent und vor allem billiges Geld der zumeist schwedischen Banken heizten die kleine Volkswirtschaft dermaßen an, dass sie mehrfach nach dem EU-Beitritt 2004 zum europäischen Wachstumsspitzenreiter mit einem zweistelligen Plus wurde.
Mit der Lehman-Pleite kam der Zusammenbruch. Lettland musste sich als erstes Land an den Internationalen Währungsfonds (IWF) mit der Bitte um einen Notkredit in Höhe von 7,5 Mrd. Euro wenden. Der IWF willigte unter der Voraussetzung ein, dass die Regierung einen strammen Sparkurs durchzieht. Die lettische Regierung unter Premier Valdis Dombrovskis machte von vornherein deutlich, dass sie ohne Abwertung die Krise meistern wolle. Der Grund für die strikte Ablehnung einer Abwertung: Lettland will sich nicht den Euro-Weg verbauen, hofft, dass die Gemeinschaftswährung ab etwa 2012 eingeführt werden kann. Durch eine Abwertung würde das Land um etliche Jahre zurückgeworfen werden, da es wichtige Konvergenzkriterien nicht mehr erfüllt. Hinzu kommt, dass etwa 85 Prozent aller in Lettland vergebenen Kredite Fremdwährungskredite sind. Bei einer Abwertung würde es zu massiven Firmenpleiten und Privatinsolvenzen kommen, da die Kreditnehmer ihre Schulden nicht mehr tilgen können.
Druck von Spekulanten nimmt ab
Deshalb gab Dombrovskis das Motto der „internen Abwertung“ aus. Was sich harmlos anhört, macht den Menschen jetzt zu schaffen: Denn die Regierung beschloss in mehreren Runden, die Löhne der staatlich Bediensteten um bis zu 40 Prozent zu senken. Die Rechnung scheint aufgegangen zu sein. Lars Christensen von der dänischen Großbank Danske Bank meint, dass die Lohnsenkungen „das einzige Mittel für Lettland sind, um den festen Wechselkurs gegenüber dem Euro“ zu behalten. Sirkka Hämäläinen, frühere finnische Zentralbankchefin, berät heute die lettische Regierung. Auch sie macht sich für die interne Abwertung stark. „Die Situation in Lettland erinnert an Finnland, wo wir Anfang der neunziger Jahre abwerten mussten und so viele Unternehmen in die Pleite trieben, weil sie Fremdwährungskredite hatten“, sagt sie. In den vergangenen Monaten hat der Druck von Währungsspekulanten abgenommen. Das Abwertungsgespenst ist verschwunden.