Lettlands Premier: „Euro-Bonds sind nicht die Lösung“

Lettlands Premier
„Euro-Bonds sind nicht die Lösung“

Im Streit um eine gemeinsame Haftung der EU-Staaten in der Eurokrise bezieht der lettische Premier Dombrovskis klar Stellung: Für die Einführung von Euro-Bonds sei es noch zu früh.
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BrüsselDie Europäische Zentralbank (EZB) hat den Euro-Ländern nach Ansicht des lettischen Premiers Valdis Dombrovskis die nötige Atempause in der Euro-Krise verschafft. Zumindest bis zur Rückzugsankündigung von Italiens Premier Mario Monti hätten sich die Finanzmärkte beruhigt, sagte Dombrovskis dem Handelsblatt (Dienstagausgabe): „Das haben wir maßgeblich der EZB und deren Ankündigung zu verdanken, Staatsanleihen ohne Limit aufzukaufen.“

Gemeinsame Anleihen der Länder der Währungsunion, sogenannte Euro-Bonds, hält der lettische Regierungschef dagegen nicht für hilfreich: „Sie bringen uns nicht weiter, um die aktuelle Krise zu lösen. Ganz am Ende einer gelungenen Integration könnten sie vielleicht stehen, aber nicht im jetzigen Stadium.“

Dombrovskis hatte Lettland zurück auf Wachstumskurs gebracht, nachdem die Wirtschaft des Landes 2008 und 2009 um insgesamt ein Viertel eingebrochen war. Überschuldete Euro-Länder im Süden Europas könnten vom lettischen Beispiel lernen, sagte der Premier: „Unsere Strategie war: schnell und effektiv handeln, um zügig zu Wachstum zurückzukehren. Wenn die Finanzmärkte einem Staat nicht mehr trauen, muss die Regierung alles tun, um die finanzielle Stabilität herzustellen. Das ist eine Vorbedingung für Wachstum. Das haben wir sehr ernst genommen und den Sanierungsprozess von Anfang an konsequent gestaltet.“

Die Bürger seines Landes hätten damals erkannt, dass an harten Maßnahmen kein Weg vorbeiführe. Zu Protesten sei es auch deshalb kaum gekommen, weil die Regierung soziale Maßnahmen für die am stärksten Betroffenen beschlossen habe, zum Bespiel eine Verlängerung des Arbeitslosengelds und eine Ausweitung von Zeitarbeitsprogrammen. Die ersten drei Quartale deuteten darauf hin, dass die lettische Wirtschaft in diesem Jahr um bis zu fünf Prozent wachsen könnte. „Es gibt also offensichtlich nicht diesen Gegensatz zwischen Austeritäts- und Wachstumspolitik, wie er so oft beschworen wird“, sagte Dombrovskis.

Trotz der gegenwärtigen Krise hält Lettland am Ziel fest, 2014 den Euro einzuführen. So hätten sich im Nachbarland Estland nach der Euro-Einführung die ausländischen Investitionen binnen eines Jahres verdoppelt, ohne den Finanzsektor. Außerdem erhoffe sich Lettland von der Gemeinschaftswährung bessere Kreditratings und niedrigere Zinsen.

 

Kommentare zu "„Euro-Bonds sind nicht die Lösung“"

Alle Kommentare
  • Ich finde die lettischen Empfehlungen geradezu unsäglich daneben. Ich kann mich schlecht entscheiden, was mich mehr vor den Kopf stößt: Die Arroganz oder die Ignoranz.
    Nur mal zwei Beispiele von mehreren Äußerungen, die mich stören:
    1.) "Zu Protesten sei es auch deshalb kaum gekommen, weil die Regierung soziale Maßnahmen für die am stärksten Betroffenen beschlossen habe, zum Bespiel eine Verlängerung des Arbeitslosengelds und eine Ausweitung von Zeitarbeitsprogrammen" - Würden die Griechen und die Spanier u. a. m. sicherlich auch gern tun, die schlimmsten Folgen des Strukturwandels sozial abfedern. Haben sie leider kein Geld für. Schön, dass Lettland es hatte. Dies nutzt aber den Anderen nichts.
    2)"Außerdem erhoffe sich Lettland von der Gemeinschaftswährung bessere Kreditratings und niedrigere Zinsen" - Und diese Äußerung von dem Mann, der einige Sätze zuvor die Eurobonds abgelehnt hat. Ich stimme ihm ja zu, dass sie am Ende einer Fiskalunion sowieso stehen würden. Aber jetzt hätten sie dazu dienen sollen, für die Krisenstaaten die (Zwischen)finanzierung des Strukturweandels zu gewährleisten, und zwar durch verteilung des Risikos und der Last auf alle Eurostaaten zu niedrigeren Zinsen und besseren Konditionen, als den Staaten alleine gewährt werden. Also genau das, was Herr PM von Lettland auch will. Bin ich wirklich der Einzige, der hierin Heuchelei sieht?

  • ...am Ende wird für Deutschland keiner mehr haften, auch duie Nichteuroländer in der EU nicht, insofern ist der Exodus, bzw. die Implosion vorprogrammiert - mit Ansage !

  • Einfach nicht mehr zu ertragen. Wir beschäftigen uns mit Details und wollen nicht das EU Problem lösen. Das Problem sind nicht die kleinen EU Länder (weniger als 10 Millionen Einwohner). Wir Europäer müssen dafür sorgen das die großen Länder wirtschaftlich und militärisch stark bleiben.
    Alles nötige muss getan werden damit Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien wirtschaftlich wettbewerbsfähig bleiben. Wenn die großen EU Länder keine wirtschaftlichen Probleme mehr haben dann geben wir den kleineren europäischen Ländern die Möglichkeit sich wirtschaftlich zu erholen. Ich wollte es nicht erwähnen aber es erscheint mir doch wichtig:
    -> General Motors will Opel in Bochum dichtmachen
    -> Nokia Siemens Networks gibt Teile seines Deutschlandgeschäftes auf
    Die deutsche Industrie wird in Deutschland abgebaut und in nicht EU Ländern wieder aufgebaut. Deutschland investiert in China, Indien und andere aufstrebende Märkte.
    Ich habe nicht dagegen aber es kann nicht sein das die Deutsche Industrie deshalb kaputt geht. Es kann nicht sein das der deutsche Erwerbstätige im Durschnitt seit mehr als 10 Jahren keine Lohnerhöhung mehr bekommt. Deutschland muss strategisch und längerfristig denken.

  • zu fruh?...es war einen versprechen das sowas nie passieren wird...kein staat wird für ein andere haften..

    also...eurobonds darf es NIE geben...

  • Der Joungster hat´s gut: Bei ihm entwickelt sich die Wirschaft nach jahrelanger Stagnation, da kann man nichts falsch machen. In den überreifen, hochverschuldeten Alt-Ökonomien ist ohne Bereinigung (Austerität, nennen es Unsere), Deflation Ökonomen, Abspecken Lieschen Müller,
    kein Wachstum mehr möglich. Schöne Feiertage:
    Pro Familie in den baltischen Staaten: Eine fette Gans.
    Pro Familie in den cholesterin geplagten: Eine magere Ente.
    Und Alles wird gut!

  • Ich fürchte, dass sich das Euro-Desaster auch auf die Motivation der Menschen auswirken wird, auch wenn das nur schwer messbar ist.

    Die Menschen in den Geberländern: "Warum sollen wir uns anstrengen, wenn unser Geld in andere Länder wandert?"

    Die Menschen in den Nehmerländern: "Warum sollen wir uns anstrengen, wenn der reiche Onkel bezahlt?"

  • • Nachdem die klammen Balten befriedigt sind, stehen die Balkanstaaten vor der Tür, die den € wollen samt Transferleistungen aus der EU; dann haben wir noch 10 Mio. Weissrussen, denen man zu Demokratie verhelfen sollte ( natürlich geht sowas nur über den € ), dann sind die 55 Mio. Ukrainer dran, damit sie nicht nach Russland abdriften ( natürlich auch über € ), dann sind die Russen vielleicht selbst dran, weil sie sehr lange unter Putin und seinem Berater Schröder gelitten haben ( natürlich über € ), dann kommt wieder die totale Globalisierung und Indien will auch den €...?

    Gute Nacht Senorita, ich hab kein Quartier, nimm mich mit in dein Bettchen, ich will nur Euros von dir....

  • Der Euro ist gescheitert. Bei der illegalen Retterei vergisst man völlig die Außenwirkung und das Image der "Eurozone". Die gebrochenen Versprechen, das nicht einhalten von Regeln, der Betrug anderer Länder, das fälschen von Zahlen, die Drohungen und das beleidigen der Geberländer, ständiges Lügen usw. usw. usw.

    Der Imageschaden ist jetzt schon gewaltig und wird größer.

    Wie wirkt das auf Länder wie Dänemark, Schweden, Schweiz oder England? Das Vertrauen ist für die nächsten 30-40 Jahre (wahrscheinlich sogar länger) völlig dahin. An einer stärkeren Integration denkt in diesen Ländern keiner mehr und auch in Deutschland wird der Druck der Bürger immer stärker werden.

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