Letzte Mittel zur Rettung des Euros
Pest oder Cholera

Die Regierungswechsel in Rom und anderswo beruhigen die Märkte nicht, der Rettungsschirm ist zu klein. Um den Euro zu stützen, muss die EU nun zwischen zwei Übeln wählen: Euro-Bonds kommen oder die Notenpresse läuft an.
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Die Hoffnungen auf eine Beruhigung in der Eurokrise haben sich längst zerschlagen. In Griechenland, Italien und Spanien haben sich die neuen Regierungen auf einen strikten Sparkurs verpflichtet. Aber die Märkte beruhigen sich nicht - im Gegenteil: Die Krisenstaaten müssen weiterhin sehr hohe Risikoaufschläge auf ihre Staatsanleihen zahlen, obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) kräftig interveniert. Und auch die Pläne, den Europäischen Rettungsschirm EFSF kräftig aufzupumpen, sind gescheitert. Die Euro-Zone verfügt nicht über die Mittel, ein Land wie Spanien aufzufangen, von Frankreich ganz zu schweigen.

Daher setzt sich in der Politik die Erkenntnis durch, dass den Märkten nun endlich mit einer ultimativen Lösung, mit einer sogenannte "Big Bazooka" Respekt eingeflößt werden muss. Zwar warnen vor allem die Bundesregierung und die Bundesbank energisch vor möglicherweise fatalen Nebenwirkungen - aber die Pläne von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso für die Einführung von Euro-Bonds gewinnen immer mehr Fürsprecher. Die einzige andere Möglichkeit von ähnlicher Wirkungskraft wäre eine Erklärung der EZB, bedingungslos für alle Anleihen der Euro-Länder einzustehen. Was für die Ordnungspolitiker ein ebenso großer Tabubruch wäre wie die Vergemeinschaft der Schulden.

Lars Feld, Wirtschaftsweiser und Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel bringt das deutsche Dilemma auf den Punkt: Euro-Bonds seien zwar eigentlich nicht zu verantworten - aber die Alternative für die Rettung der Währungsunion sei allein der massive Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB, was die Inflation in die Höhe treiben werde. Der aktuell gültige Rettungsplan, den Euro-Rettungsschirm zu stärken, sei bei den Märkten offenbar durchgefallen.

Damit steht Europa unter Handlungsdruck, die Märkte werde die Entscheidung erzwingen. Aber welche Vorteile haben die beiden Optionen - und gibt es nicht vielleicht doch noch einen gangbaren dritten Weg?

Kommentare zu " Letzte Mittel zur Rettung des Euros: Pest oder Cholera"

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  • Na dann konkretisieren Sie mal ein paar der Konsequenzen! Sie wären der Erste, der in seiner Argumentation über das allgemein übliche Verängstigen mit nebulösen, negativen Ankündigungen hinauskommt. Weder Für noch Wider einer vorübergehenden Beurlaubung Griechenlands sind an irgendeiner Stelle mit einigermaßen konkreten Zahlen belegt. Es ist nämlich in beiden Fällen kaum seriös abzuschätzen, weil es im großen Maße auch vom nicht abzuwägenden Marktverhalten bestimmt würde. Es bleibt also Spekulation. Dann verwundert allerdings, dass die Hirnakrobaten, die die verwirrenden und kaum vollends verstandenen Derivate entwickelten, nicht in der Lage sind, mit ihren Computern theoretischen Modelle durchzuspielen, um jedenfalls ungefähre Größenordnungen von Schaden und Nutzen zu ermitteln. Dafür waren bisher immerhin rund 3 Jahre Zeit.

  • "Erst fiel das in den Verträgen über die Währungsunion festgelegte Bail-out-Verbot, "

    Häh, was soll der Satz. Die Europäischen Staaten verstossen schon lange gegen ALLE 3 Maastricht-Klauseln.

    Sämtliche Europäischen Verträge sind UNGÜLTIG, alle handeln Politiker machen sich STRAFBAR und gehören unverzüglich VERHAFTET !

    Wer glaubt das das Volk so dumm, ist und das alles als "alternativlos" schluckt, der wird sehen was passiert !

    Wir halten uns auch nicht mehr an Gesetze, wenn unsere "lieben Politiker" meinen sie könnten machen was sie wollen.

  • Beim EURO halten lauern gefahren...
    Was hat Angie gesagt: "Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt."
    Das heisst auf Gut Deutsch ich muss euch einiges weg nehmen. Das geht durch Inflation und Steuern. Das sind noch die besseren Tage.
    Der Kampf um den Euro ist als eine Schupserei der Taschentrickdiebe zu sehen, während sie hinschauen, nimmt der dritte ihnen den Geldbeutel ab.
    Die Polizei warnt das Juncker, Merkel, Schäuble und Co. schon Kriminell auffällig geworden sind.

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