Letzte Rede zur Lage der Nation
Obama schwört Amerika auf die eigene Stärke ein

Es ist eine Gegenrede zu Donald Trump: Barack Obama nutzt seine letzte Rede zur Lage der Nation, um Optimismus zu verbreiten. Den Klageliedern der Republikanern setzt er den Glauben an die Stärke Amerikas entgegen.
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WashingtonBarack Obama war gerade damit beschäftigt, seiner Rede zur Lage der Nation den letzten Schliff zu geben, als ihn der Lagebericht aus dem Persischen Golf erreichte. Zwei US-Patrouillenboote, die sich auf dem Weg von Kuwait nach Bahrain befanden, waren von der iranischen Küstenwaffe aufgegriffen, insgesamt zehn amerikanische Marineangehörige in Gewahrsam genommen worden. Es dauerte nicht lange, bis entsprechende Eilmeldungen über amerikanische Fernsehbildschirme flimmerten.

Das Weiße Haus war eilig bemüht, die Geschehnisse herunterzuspielen. „Wir sehen keine feindlichen Intentionen“, hieß es. Alles deute darauf hin, dass die Seeleute gut behandelt und noch am Mittwoch freigelassen würden. Doch es besteht kein Zweifel: Der Zwischenfall ist heikel für Obama, er kommt zu einer denkbar schlechten Zeit. In seiner wohl letzten Rede vor beiden Kammern des Kongresses wollte der Präsident die politischen Konflikte der Vergangenheit hinter sich lassen und den Blick nach vorn richten. Und ausgerechnet jetzt drohen neue Spannungen mit Iran.

Das Atomabkommen, das Obama mit den Teheraner Theokraten ausgehandelt hat und das er als Teil einer umfassenderen Entspannungsstrategie betrachtet, gehört zu den umstrittensten Errungenschaften seiner an Kontroversen nicht gerade armen Amtszeit. Seine Gegenspieler, die Republikaner, die Hausherren im Kapitol, werten die Einigung als Ausverkauf amerikanischer und israelischer Sicherheitsinteressen, werfen Obama Appeasement vor. Selbst Obamas Parteifreunde sind skeptisch, ob sich die Feindschaft mit dem Iran wirklich überwinden lässt. All das kommt wieder hoch, während die Kongressmitglieder auf den Präsidenten warten.

Dann, mit ein paar Minuten Verspätung, tritt Obama ans Podium. Und er ist entschlossen, sich nicht in die alten Debatten zurückwerfen zu lassen. Nur einmal kurz streift er das Thema Iran, um den Atom-Deal zu preisen. Über die aktuellen Spannungen verliert er kein Wort. Obama will eine Vision für sein Land skizzieren, eine optimistische Botschaft verbreiten. Es wird ein in Teilen fulminanter Auftritt. Eine kraftvolle Gegenrede zu den Klageliedern, die seine republikanischen Gegenspieler anstimmen.

Obamas Amerika ist ein Reich der wiedergewonnenen Prosperität, eine Nation, die neuen Mut gefasst hat, die jede Herausforderung meistern kann. Das republikanische Amerika ist ein Krisengebiet, runtergewirtschaftet und von Terroristen bedroht. Die Fakten sprechen für Obama: Der Arbeitsmarkt hat sich erholt, die Wirtschaft wächst. Doch die Stimmung scheint eher den Republikanern Recht zu geben. 70 Prozent der US-Amerikaner sind der Ansicht, dass sich ihr Land in die falsche Richtung bewegt. Ihnen wendet sich Obama in seiner Rede zu, den Verunsicherten, den Entmutigten. Er will ihnen Zuversicht zurückgeben. Den Glauben an eine bessere Zukunft.

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„Stärkste, krisenfesteste Ökonomie der Welt“

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  • Zitat: "Das republikanische Amerika ist ein Krisengebiet, runtergewirtschaftet und von Terroristen bedroht. Die Fakten sprechen für Obama"


    Auf deutsch übersetzt heißt das: In den Köpfen rechtspopulistischer und „wertekonservativer“ Menschen ist Deutschland ein Krisengebiet, runtergewirtschaftet und von Terroristen bedroht. Die Fakten dagegen sprechen für Merkel.

    Aber was nützen leicht nachprüfbare Fakten wie Wirtschaftswachstum, sinkende Arbeitslosigkeit, Einkommenssteigerung oder ausgeglichener Staatshaushalt, wenn in der eigenen Birne permanent die Welt untergeht?

  • Und erstmal der Unterschied zwischen unserer Demokratie-Diktatur zu der freien griechischen Demokratie von anno dazumal! Puuuh, da haben Sie Recht, da sind derbe Unterschiede vorhanden.

  • Ach Herr Hofmann,
    Woher wollen Sie denn wissen, ob die Frau in anderen Glaubenskulturen geachtet wird oder nicht?

    Sie schließen aus unbeschreiblicher Unkenntnis, leider wie so oft Ihre persoenlichen falschen Schlussfolgerungen. Und nicht zu uebersehen, tauchen Begrifflichkeiten, Diktatur in der von Ihnen verwendeten Rheorik auf. Seien Sie froh, dass Sie nie persönlich Bekanntschaft mit einer Diktatur gemacht haben.

    Obama und Merkel stehen für Demokratie. Möglicherweise braucht es noch etwas Zeit, bis es auch klar wird.Unsere Gesellsaf entwickelt sich weiter. Mit ihr die Kulturen UD der technologisch Fortschritt. Wer das nicht anerkennt, glaubt wahrscheinlich immer noch, dass wir auf einer Scheibe leben?

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